
Geplanter Zustand der Düsseldorfer Festung nach Behebung der Hochwasserschäden von 1799. Die Fundstelle ist bei Nummer 35 (letztes “Dreieck” ganz rechts). Bildnachweis: Nationaal Archief Den Haag, Buitenlandse Plans van Vestingen, 4.OBPV, 2.158 Düsseldorf („Das Nationalarchiv verzichtet aktiv auf sein Urheberrecht an Scans von Fotos, Karten und Dokumenten. Dadurch wird die Weiterverwendung dieser Bilder so einfach wie möglich gestaltet. Dies gilt nur für Bilder, für die ein Download-Button verfügbar ist und die mit dem Label „Public Domain“ oder „CC0“ gekennzeichnet sind“ – siehe https://www.nationaalarchief.nl/onderzoeken/archief/4.OBPV/invnr/@2.158/file/NL-HaNA_4.OBPV_2.158 ) © Nationaal Archief Den Haag
Der Düsseldorfer Untergrund gibt immer wieder Zeugnisse aus vergangenen Jahrhunderten preis. Anfang dieses Jahres kam es beim Umbau des Behrensbaus am Mannesmannufer zu einem besonderen Fund: Rund 3,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau stießen die Bauarbeiter auf Reste der sogenannten oberrheinischen Front – Teil der historischen Festungsanlagen, die einst weite Teile der Landeshauptstadt umgaben. Der Bau wird derzeit zum “Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen” umgebaut.
Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege, das den Umbau beratend begleitet, nimmt die Entdeckung zum Anlass, das flächengrößte Bodendenkmal der Stadt als “Düsseldorfs Denkmal des Monats” für August 2026 vorzustellen. Im Mittelpunkt steht die wechselvolle Geschichte der Stadtbefestigung im 18. Jahrhundert – von ihrem Ausbau bis zu ihrer Sprengung und Einebnung, der sogenannten Schleifung.
Vom Herzogssitz zur Festungsstadt
Die Wurzeln der Anlage reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Düsseldorf war zur Residenzstadt der vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg sowie der Grafschaften Mark und Ravensberg aufgestiegen. 1538 fiel die Entscheidung, die Stadt zur Festung auszubauen. Der aus Bologna stammende Baumeister Alessandro Pasqualini plante nach italienischem Vorbild eine moderne Anlage mit fünf Bastionen, verblendeten Erdwällen, einem geschützten Hafen und einer Zitadelle. Bis zur Fertigstellung vergingen mehr als hundert Jahre.
Unter Kurfürst Johann Wilhelm II., besser bekannt als “Jan Wellem”, wuchs die Festung im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert weiter. Nach dem Erwerb von Flächen südlich der Stadt entstand die Neustadt, die ursprünglich ebenfalls von einem Festungsring umschlossen werden sollte. Trotz Steuer- und Zollprivilegien fand sich dort jedoch kaum Zuzug. Die Erweiterungsarbeiten begannen 1710, gerieten nach dem Tod Jan Wellems 1716 aber ins Stocken. Sein Nachfolger Karl Philipp beschränkte sich schließlich auf die sogenannte “Innere Extension”, zu der ab 1726 auch die Verstärkung der oberrheinischen Front zählte – jener Bereich, dessen Überreste nun unter dem Behrensbau zum Vorschein kamen. Erst 1787, mit dem Abbruch der Südfront zwischen Zitadelle und Flinger Bastion und der Entstehung der Carlstadt, erreichte die Festung mit rund 52 Hektar ihre größte Ausdehnung.
Der Rhein als größter Gegner
Wie historische Darstellungen zeigen, sicherten breite Gräben und das dreieckige oberrheinische Ravelin einst den südlichen Zugang zur Zitadelle. Zwischen 1733 und 1739 kamen vorgelagerte Verteidigungswerke, sogenannte Kontergarden, hinzu, verbunden durch mehrere Brücken und ergänzt um Wachhäuser.
Gefährlicher als jeder Angreifer erwies sich jedoch der Rhein selbst. Immer wieder setzten Hochwasser und Eisgang den Anlagen zu, und aus Geldmangel blieben nötige Reparaturen oft aus. Die Flut von 1799 richtete besonders schwere Schäden an: Eine Brücke wurde weggerissen, mehrere Futtermauern stürzten ein. In der Folge verband man die Kontergarden zu einem durchgehenden Werk und formte die Reste des Ravelins zu einem neuen Wall um.
Spuren im Untergrund
Bei Tiefbauarbeiten im Stadtgebiet tauchen bis heute immer wieder Relikte der einstigen Befestigung auf, mancherorts bis zu sechs Meter unter der Oberfläche. Besonders ergiebig waren in den vergangenen Jahrzehnten die Grabungen beim Bau des Rheinufertunnels und der Wehrhahn-Linie, bei denen sogar die Bastion Spee samt altem Hafenbecken rekonstruiert werden konnte. Erkennbar sind die historischen Mauerwerke unter anderem an großen, kalkmörtelverbundenen Feldbrandziegeln und Mauerstärken von mehreren Metern – Merkmale, die eine klare Abgrenzung zu moderneren Fundamenten erlauben. Die wissenschaftliche Auswertung der Funde unter dem Behrensbau steht noch am Anfang.
1795 verlor die Festung mit der nahezu kampflosen Einnahme Düsseldorfs durch französische Truppen ihre militärische Bedeutung. Der Frieden von Lunéville besiegelte 1801 endgültig ihre Schleifung. Sichtbar geblieben ist von der einstigen Anlage vor allem die Bastion Diemantstein am Stadtmuseum, heute Standort des Rosengartens. Weitere Mauerreste lassen sich im Maxhaus, im Hetjens-Museum und im Stadtmuseum besichtigen, ergänzende Einblicke bietet der “ArcheoPoint” an der U‑Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee.
Mit der Reihe “Düsseldorfs Denkmal des Monats” stellt das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Bauaufsichtsamt regelmäßig ein Stück des gebauten Erbes der Landeshauptstadt vor.