
v.l.: Dr. Tim Loppe (naturstrom), Conny Michels (Deutsche Postcode Lotterie) Mirjam Schenke (RCU), Anna Hiltrop (Model und Markenbotschafterin RCU), Dominic McVey (Deutsche Postcode Lotterie), Joachim Umbach (RCU), Julia Siegers (IMMOFINANZ Deutschland) © Lokalbüro
Neue Studie zeigt das enorme Ausmaß der Rheinverschmutzung – am 12. September setzen wieder Tausende Freiwillige ein Zeichen für saubere Ufer
53.000 Müllteile täglich: Diese Zahl macht deutlich, vor welcher Aufgabe der RhineCleanUp steht. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung der Universitäten Bonn und Tübingen zeigt, dass deutlich mehr Abfall im Rhein unterwegs ist als bislang angenommen. In Kooperation mit der Kölner Organisation K.R.A.K.E. wurde an der Kölner Zoobrücke eine sogenannte „Rheinfalle“ betrieben, um den Müll im Fluss systematisch zu erfassen.
Das Ergebnis ist alarmierend: Rund 53.000 größere Müllteile passieren täglich Köln und werden mit der Strömung flussabwärts in Richtung Nordsee getragen. Hochgerechnet sind es jährlich etwa 30 bis 40 Millionen Makro-Müllteile mit einem Gesamtgewicht von bis zu 4.700 Tonnen. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen liegt die Vermüllung des Rheins damit rund 40-mal höher als in früheren Studien angenommen.
Besonders groß ist der Anteil von Kunststoff. Rund 70 Prozent der erfassten Makro-Müllteile bestehen aus Plastik, etwa 40 Prozent sind Einwegprodukte. Mehr als die Hälfte des Mülls wird privaten Verbrauchern zugeordnet. Allein rund 550.000 kleinere Plastikflaschen treiben demnach jährlich in Richtung Niederlande. Hinzu kommen große Mengen an Glasflaschen, Süßigkeitenverpackungen, Feuerzeugen und weiteren Kunststoffverpackungen.
Aus Düsseldorf in die ganze Region
Der Befund verleiht dem RhineCleanUp 2026 zusätzliche Bedeutung. Die Initiative setzt dort an, wo jeder Einzelne etwas bewirken kann: am Ufer. Müll soll eingesammelt werden, bevor er überhaupt in den Rhein gelangt. Unter dem Motto „Wir machen die Ufer sauber, damit Plastik und anderer Unrat gar nicht erst in den Fluss kommt“ werden am Samstag, 12. September, wieder Zehntausende Menschen aktiv.
Dabei kehrt die Bewegung zu ihren Wurzeln zurück. 2018 fand der erste RhineCleanUp in Düsseldorf statt. Aus der lokalen Aktion ist inzwischen eine bundesweite Umweltbewegung geworden. Für den diesjährigen Aktionstag rechnen die Organisatoren mit rund 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in mehr als 500 Gruppen entlang des Rheins sowie an weiteren Flüssen in Deutschland und den Nachbarländern.
Mehr als 30 Düsseldorfer Gruppen sind dabei
Düsseldorf gehört weiterhin zu den aktivsten Standorten. Bereits mehr als 30 Gruppen, Initiativen und Nachbarschaftsgemeinschaften haben sich für den diesjährigen Einsatz angemeldet. Zwischen Wittlaer und Benrath wird an verschiedenen Stellen gesammelt. Mit dabei sind unter anderem die GS Kaiserswerth, das Team Blocksdorf an der Kniebrücke, das Team AquaZoo, der Motor-Yacht-Club in Lörick und die GeoCacher mit ihrem Schwerpunkt in Benrath.
Bereits am Freitag, 11. September, geht es mit „Fortuna räumt auf“ los. Jugendmannschaften von Fortuna Düsseldorf sammeln ab 16.30 Uhr am Parkplatz Lohauser Deich gemeinsam mit Fortuna-Legende Oliver Fink Müll am Rheinufer.
Auch RhineCleanUp-Botschafterin Anna Hiltrop ist wieder mit einer eigenen Aktion dabei. Bei „Anna & Friends“ werden im Medienhafen gemeinsam mit IMMOFINANZ Deutschland und naturstrom die Ärmel hochgekrempelt. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Bürocampus ALTO und LARGO an der Kesselstraße 5. Um 12 Uhr folgt dort ein Nachhaltigkeits-Talk.
Für Hiltrop ist das Thema längst mehr als ein öffentliches Engagement. Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund erlebte sie selbst, welche Folgen achtlos weggeworfener Müll haben kann: Der Hund trat in einen Kaugummi, in dem sich kleine Steine festgesetzt hatten. Die klebrige Masse musste anschließend tierärztlich aus der Pfote entfernt werden.
Gemeinsam gegen den Müll
Dass der RhineCleanUp eine solche Größenordnung erreichen konnte, liegt auch am Zusammenspiel vieler Partner. Die Deutsche Postcode Lotterie unterstützt die Initiative seit ihrer Gründung als Hauptförderer und hilft unter anderem bei der Ausstattung der Sammelgruppen. naturstrom stellt bundesweit Holzgreifer zur Verfügung und unterstützt die Aktion zusätzlich mit einem eigenen Team in Düsseldorf.
Auch IMMOFINANZ Deutschland ist erneut dabei. ALTO und LARGO wird bereits zum dritten Mal zum zentralen Treffpunkt für „Anna & Friends“. Für Julia Siegers von IMMOFINANZ steht dabei vor allem der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt: Der RhineCleanUp zeige, was möglich sei, wenn viele Menschen gemeinsam Verantwortung für ihre Umgebung übernähmen.
Wie viel die Freiwilligen tatsächlich bewegen, zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres. Beim RhineCleanUp 2025 wurden allein in Düsseldorf rund 30 Tonnen Müll gesammelt. Die AWISTA Kommunal GmbH übernimmt im Auftrag der Stadt die Abholung und Entsorgung des zusammengetragenen Abfalls.
Niedrigwasser verändert die Bedingungen
In diesem Jahr kommt eine besondere Herausforderung hinzu: Das Niedrigwasser hat Uferbereiche freigelegt, die normalerweise unter Wasser liegen. Dort können auch Gegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein kommen. Bei möglichen Kampfmitteln wie Granaten oder Bomben gilt deshalb höchste Vorsicht. Verdächtige Funde dürfen nicht berührt werden; stattdessen sollen umgehend der Kampfmittelräumdienst, Polizei oder Feuerwehr informiert werden. Kinder und Jugendliche sollen die freigelegten Bereiche grundsätzlich meiden.
Auch das Sammeln im Wasser ist keine Aufgabe für die freiwilligen Helfer. Durch den niedrigen Wasserstand liegt das Ufer näher an der Fahrrinne, wo eine besonders starke Strömung herrscht. Müll im Wasser soll deshalb ausschließlich von Spezialisten wie DLRG, Wasser- oder Tauchsportvereinen geborgen werden. Der geringere Wasserstand und die erhöhten Temperaturen können zudem den Lebensraum der Fische beeinträchtigen. Tote Fische sollten den RhineCleanUp-Organisatoren oder den örtlichen Umweltbehörden gemeldet werden.
Noch kann jeder mitmachen
Der RhineCleanUp lebt davon, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen. Vereine, Unternehmen, Schulklassen, Familien und Nachbarschaften können sich noch bis Mittwoch, 9. September, anmelden. Wer Sammelmaterial wie Müllsäcke, Handschuhe und Greifer benötigt, sollte dies möglichst bis zum 31. August tun, damit die rechtzeitige Lieferung organisiert werden kann.
Für Einzelpersonen und Kleingruppen gibt es am Aktionstag eine zentrale Materialausgabe auf der Oberkasseler Rheinwiese am Kirmes-Abgang der Oberkasseler Brücke. Dort können zwischen 10 und 13 Uhr Sammelutensilien abgeholt werden. Auch spontane Helfer sind willkommen.
Um 10 Uhr wird der Düsseldorfer RhineCleanUp auf der Oberkasseler Rheinwiese offiziell eröffnet – unter anderem mit NRW-Umweltminister Oliver Krischer, Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller sowie Vertretern des Hauptförderers und des RhineCleanUp-Teams.
Die neue Studie liefert eindrucksvolle Zahlen für ein Problem, das am Rheinufer jeden Tag sichtbar wird. Der RhineCleanUp setzt dem etwas entgegen: mit Engagement, Gemeinschaft und ganz praktischem Einsatz. Jeder eingesammelte Müllsack bedeutet dabei nicht nur ein saubereres Rheinufer in Düsseldorf, sondern auch weniger Abfall, der seinen Weg mit dem Rhein in Richtung Nordsee antreten kann.