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Königin Silvia in Düsseldorf geehrt: Die Jonges setzen ein Zeichen für das Kindeswohl

Königin Silvia von Schweden © LB / Olaf Oidtmann
Dr. Reinhold Hahlhege und Königin Silvia von Schweden © LB / Olaf Oidtmann

Mit dem „Preis für Kin­des­wohl“ ist Köni­gin Sil­via von Schwe­den am Frei­tag­abend in Düs­sel­dorf aus­ge­zeich­net wor­den. Im Hyatt Regency wür­dig­ten die Stif­tung Kin­der- und Jugend­hos­piz Regen­bo­gen­land und der Hei­mat­ver­ein Düs­sel­dor­fer Jon­ges das jahr­zehn­te­lange Enga­ge­ment der Köni­gin für den Schutz von Kin­dern. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Für die Jon­ges ist die Aus­zeich­nung mehr als eine Ehrung: Sie erin­nert daran, dass Kin­der Schutz, Respekt und eine eigene Stimme brauchen.

Ein beson­de­rer Tag für Köni­gin Sil­via
Für Köni­gin Sil­via war der Besuch eine Rück­kehr an einen Ort mit per­sön­li­cher Bedeu­tung. Vor 63 Jah­ren hatte sie am Düs­sel­dor­fer Lui­sen-Gym­na­sium ihr Abitur gemacht. Am Frei­tag nahm sie an der Ein­wei­hung des neuen Schul­ge­bäu­des teil und trug sich in das Gol­dene Buch der Stadt Düs­sel­dorf ein. Spä­ter besuchte sie das Kin­der- und Jugend­hos­piz Regen­bo­gen­land, bevor sie am Abend den Preis für ihr lang­jäh­ri­ges Enga­ge­ment entgegennahm.

Bereits im März die­ses Jah­res hatte die Köni­gin Düs­sel­dorf besucht. Damals führte sie ihr Weg zum Child­hood-Haus an der Uni­ver­si­täts­kli­nik Düs­sel­dorf. Die 2020 eröff­nete Ein­rich­tung geht auf eine Initia­tive ihrer World Child­hood Foun­da­tion zurück. Dort arbei­ten Fach­kräfte aus Medi­zin, Jus­tiz, Poli­zei und Jugend­hilfe zusam­men, um Kin­dern und Jugend­li­chen zu hel­fen, die Gewalt erfah­ren haben. Der Besuch im März und die Aus­zeich­nung im Okto­ber zei­gen auf unter­schied­li­che Weise, wie eng das Enga­ge­ment der Köni­gin für den Kin­der­schutz mit kon­kre­ter Hilfe ver­bun­den ist.

Ein Preis für nach­hal­ti­ges Enga­ge­ment
Der „Preis für Kin­des­wohl“ wird seit 2022 alle zwei Jahre gemein­sam von der Stif­tung Kin­der- und Jugend­hos­piz Regen­bo­gen­land und den Düs­sel­dor­fer Jon­ges ver­ge­ben. Er wür­digt Per­sön­lich­kei­ten, die sich in beson­de­rer Weise für das Wohl von Kin­dern ein­set­zen. Erste Preis­trä­ge­rin war 2022 die 2011 ver­stor­bene Düs­sel­dor­fer Rechts­me­di­zi­ne­rin Eli­sa­beth Trube-Becker. 2024 erhielt Nord­rhein-West­fa­lens Innen­mi­nis­ter Her­bert Reul die Auszeichnung.

Durch den Abend führte Jour­na­list Frank Plas­berg. Nor­bert Hüsson, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Stif­tung Regen­bo­gen­land, sprach das Gruß­wort. Die Lau­da­tio hielt Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler. Reul konnte wegen eines Stur­zes und einer Hüft­ver­let­zung nicht teil­neh­men. Eine Video­bot­schaft von Elke Büden­ben­der, die in die­sem Jahr die Schirm­herr­schaft über­nom­men hatte, ergänzte das Pro­gramm. Die Band „Ear­worms“ sorgte für die musi­ka­li­sche Beglei­tung. Die zur Aus­zeich­nung gehö­rende Kin­des­wohl­krone stammt von der Künst­le­rin Meral Alma.

Hahl­hege erin­nert an den lan­gen Weg der Kin­der­rechte
Dr. Rein­hold Hahl­hege, Baas der Düs­sel­dor­fer Jon­ges, nutzte seine Rede zum Abschluss des Abends für einen Blick in die Geschichte. Was heute beim Kin­des­wohl selbst­ver­ständ­lich erschei­nen sollte, war es lange Zeit nicht. 1839 wurde in Preu­ßen erst­mals die Fabrik­ar­beit von Kin­dern gesetz­lich ein­ge­schränkt. Kin­der unter neun Jah­ren durf­ten nicht mehr in Fabri­ken beschäf­tigt wer­den. Für Hahl­hege mar­kiert die­ser Schritt den Beginn einer Ent­wick­lung, in deren Ver­lauf sich das Ver­ständ­nis von Kind­heit grund­le­gend ver­än­dert hat.

Lange galt in der Erzie­hung das Prin­zip, dass Erwach­sene bestim­men und Kin­der gehor­chen. All­mäh­lich setzte sich die Erkennt­nis durch, dass ein Kind kein klei­ner Erwach­se­ner ist, son­dern ein Mensch mit eige­ner Würde, eige­nen Bedürf­nis­sen und eige­nen Rech­ten. 1989 wurde die­ser Gedanke mit der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­tion zu einem welt­wei­ten Anspruch. Im Jahr 2000 wurde in Deutsch­land das Recht auf gewalt­freie Erzie­hung gesetz­lich ver­an­kert. Auch der recht­li­che Umgang mit Geräu­schen von Kin­dern auf Spiel­plät­zen und in Kin­der­ta­ges­stät­ten ver­än­derte sich 2011.

Hahl­hege brachte die Bot­schaft die­ser Ent­wick­lung in einem prä­gnan­ten Satz auf den Punkt: „Kin­der dür­fen Kin­der sein.“ Sie dür­fen spie­len, wider­spre­chen, hör­bar sein und Raum bean­spru­chen. Aus dem arbei­ten­den Kind sei das zu schüt­zende Kind gewor­den, aus die­sem das Kind mit eige­nen Rech­ten. Nun müsse dar­aus ein Kind mit einer eige­nen Stimme werden.

Schutz braucht Men­schen, die han­deln
Für Hahl­hege rei­chen Gesetze allein nicht aus, um Kin­des­wohl sicher­zu­stel­len. Kein Gesetz könne einem Kind das Gefühl geben, gese­hen und gehört zu wer­den, wich­tig zu sein und im Bedarfs­fall Hilfe zu bekom­men. Dafür brau­che es Men­schen, die hin­schauen, zuhö­ren und han­deln – gerade dann, wenn andere wegsehen.

An Köni­gin Sil­via gewandt, wür­digte der Baas der Düs­sel­dor­fer Jon­ges ihre lang­jäh­rige Arbeit mit der World Child­hood Foun­da­tion. Sie habe dem Schutz von Kin­dern seit Jahr­zehn­ten eine starke inter­na­tio­nale Stimme gege­ben. Der Preis ehre des­halb nicht nur ihr per­sön­li­ches Enga­ge­ment, son­dern erin­nere auch alle ande­ren an ihre Verantwortung.

Hahl­hege stellte eine Frage, die über den Fest­abend hin­aus­weist: Was wer­den die Men­schen in 50 Jah­ren über unsere Zeit sagen? Dass wir die Rechte der Kin­der kann­ten – oder dass wir sie auch gelebt haben? Kin­der­ar­beit und kör­per­li­che Züch­ti­gung seien frü­her gesell­schaft­lich akzep­tiert gewe­sen. Auch die Vor­stel­lung, Erwach­sene sprä­chen und Kin­der schwie­gen, habe lange als selbst­ver­ständ­lich gegol­ten. Heute müsse es darum gehen, aus dem Wis­sen um Kin­der­rechte prak­ti­sche Kon­se­quen­zen zu ziehen.

Ein Preis als Auf­trag für die Zukunft
Zum Ende sei­ner Rede for­mu­lierte Hahl­hege einen kla­ren Anspruch: Aus Für­sorge müss­ten Rechte wer­den, aus Rech­ten Ver­ant­wor­tung. Der Abend solle des­halb nicht nur eine Preis­ver­lei­hung sein, son­dern ein Ver­spre­chen: hin­se­hen, zuhö­ren, die Stimme der Kin­der stär­ken und han­deln, wenn sie Hilfe brauchen.

Mit der Aus­zeich­nung für Köni­gin Sil­via ver­bin­den die Düs­sel­dor­fer Jon­ges und die Stif­tung Regen­bo­gen­land die Wür­di­gung eines jahr­zehn­te­lan­gen Enga­ge­ments mit einem Auf­trag an die Gesell­schaft. Die Geschichte des Kin­des­wohls sei noch nicht zu Ende geschrie­ben, sagte Hahl­hege. An ihr schrie­ben alle mit. Ent­schei­dend ist, dass aus einem fest­li­chen Zei­chen eine Hal­tung wird – und aus die­ser Hal­tung täg­li­ches Handeln.

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