Mit 12m - 14m ist die Straße breit genug für sichere Radwege. Aktuell ist jedoch nicht absehbar ob und wann hier sicherer Radverkehr möglich ist. © ADFC Düsseldorf

Mit 12m — 14m ist die Straße breit genug für sichere Rad­wege. Aktu­ell ist jedoch nicht abseh­bar ob und wann hier siche­rer Rad­ver­kehr mög­lich ist. © ADFC Düsseldorf

 

Der All­ge­meine Deut­sche Fahr­rad-Club (ADFC) Düs­sel­dorf zieht eine ernüch­ternde Bilanz zum Aus­bau der städ­ti­schen Rad­leit­rou­ten. Nach Ein­schät­zung des Ver­bands kommt die Umset­zung nur schlep­pend voran, wich­tige Abschnitte wer­den gestri­chen oder zu schmal geplant – mit der Folge, dass der Stadt drin­gend benö­tigte För­der­gel­der durch die Lap­pen gehen könnten.

Koali­ti­ons­ver­trag sieht andere Zeit­pläne vor
Im Koali­ti­ons­ver­trag von CDU und Bünd­nis 90/Die Grü­nen ist fest­ge­hal­ten, dass die Rad­leit­rou­ten 1 und 2 bis 2027 fer­tig­ge­stellt wer­den sol­len. Diese Zusage dürfte nach aktu­el­lem Stand nicht zu hal­ten sein. Mat­thias Pesch, der den ADFC im Ord­nungs- und Ver­kehrs­aus­schuss ver­tritt, bringt es auf den Punkt: Rad­wege wür­den auch künf­tig plötz­lich enden, was für alle, die auf eine echte Alter­na­tive zum Auto set­zen woll­ten, eine Zumu­tung sei. Erst durch­gän­gige Stre­cken wür­den die Rad­leit­rou­ten über­haupt sinn­voll machen.

Jubel über Teil­stück, dann die Ernüchterung
Erst kürz­lich hatte die Stadt die Fer­tig­stel­lung des süd­li­chen Abschnitts der Rad­leit­route 1 ent­lang der Völk­lin­ger Straße und des Lui­sen­gym­na­si­ums gefei­ert. Kurz danach wurde im Ord­nungs- und Ver­kehrs­aus­schuss auf Nach­frage der SPD deut­lich, dass grö­ßere Teile der Rou­ten 1 und 2 gestri­chen oder nur teil­weise umge­setzt wer­den sol­len. Das trifft nicht nur den Rad­ver­kehr, son­dern auch den städ­ti­schen Haus­halt, da unge­nutzte För­der­mit­tel schlicht verfallen.

ADFC for­dert kla­res Signal im Doppelhaushalt
Der ADFC erwar­tet von CDU, Grü­nen und der Ver­wal­tung, dass im Dop­pel­haus­halt 2027/28 aus­rei­chend Mit­tel für den voll­stän­di­gen Aus­bau der Rou­ten 1 und 2 ein­ge­plant wer­den. Glei­ches gilt für die noch aus­ste­hen­den Mach­bar­keits­stu­dien zu den Rou­ten 4 bis 6 sowie für eine kon­se­quente Nut­zung ver­füg­ba­rer För­der­töpfe von Land, Bund und EU. Pesch ver­weist dar­auf, dass gerade durch sol­che Mit­tel der Bau siche­rer Rad­wege über­haupt bezahl­bar werde – in Zei­ten knap­per Kas­sen dürfe der Rad­ver­kehr nicht erneut das Nach­se­hen haben.

Wei­tere Rou­ten sol­len ganze Stadt abdecken
Die Rad­leit­rou­ten 3 bis 6 sol­len künf­tig auch die übri­gen Stadt­be­zirke sicher an das Rad­netz anbin­den. Für Route 3, die von Anger­mund über Unter­rath, Haupt­bahn­hof, Ober­bilk, Holt­hau­sen und Ben­rath bis nach Unter­bach füh­ren soll, ist immer­hin eine Mach­bar­keits­stu­die beauf­tragt. Bei den Rou­ten 4 bis 6 sieht der ADFC die Ver­wal­tung bis­lang untä­tig – obwohl der Bund für sol­che Stu­dien bis zu 50 Pro­zent der Kos­ten über­neh­men könnte. Pesch warnt: Blei­ben die Stu­dien aus, sei das Pro­jekt Rad­leit­rou­ten ange­sichts der lan­gen Pla­nungs­vor­läufe fak­tisch beendet.

Ceci­li­en­al­lee: Ver­passte Landesförderung
Kon­kret nennt der ADFC meh­rere Bei­spiele für die aus sei­ner Sicht man­gel­hafte Umset­zung. Auf der Nord-Süd-Route 1 zwi­schen Ober­kas­se­ler Brü­cke und Theo­dor-Heuss-Brü­cke war schon 2023 eine Mach­bar­keits­stu­die zur Füh­rung ent­lang der Ceci­li­en­al­lee beschlos­sen wor­den. Über das Lan­des­pro­gramm Multi-Mo-Dus hätte dafür eine För­de­rung von 3,6 Mil­lio­nen Euro bei einer För­der­quote von 80 Pro­zent zur Ver­fü­gung gestan­den. Umge­setzt wurde die Maß­nahme bis­lang nicht – und die För­de­rung durch das Land NRW läuft nur noch bis Ende 2026.

Gefah­ren­punkt Völk­lin­ger Straße/Fährstraße
Eben­falls auf Route 1 ver­zö­gert sich der Umbau der Kreu­zung Völk­lin­ger Straße/Fährstraße. Nach Ein­schät­zung des ADFC ber­gen frei­lau­fende Rechts­ab­bie­ger dort ein über­durch­schnitt­li­ches Unfall­ri­siko – in Kom­bi­na­tion mit Rad­leit­route und Schul­weg eine Situa­tion, die aus Sicht des Ver­bands nicht hin­nehm­bar sei. Dem Dezer­nat von Cor­ne­lia Zuschke habe man bereits kos­ten­güns­tige Alter­na­tiv­vor­schläge unterbreitet.

Lücken­schluss zwi­schen Rhein­ufer und Wehr­hahn auf Eis
Auf der West-Ost-Route 2 liegt der inner­städ­ti­sche Lücken­schluss zwi­schen Ober­kas­se­ler Brü­cke und Am Wehr­hahn nach Anga­ben des ADFC wei­ter­hin auf Eis, obwohl Pla­nun­gen für Zwei­rich­tungs­rad­wege auf der Brü­cke sowie Rad­spu­ren auf Maxi­mi­lian-Weyhe-Allee, Jäger­hof­straße und Jaco­bi­straße längst vor­lä­gen. Auch eine erwar­tete zusätz­li­che Ver­kehrs­be­las­tung durch die anste­hende Sanie­rung der Theo­dor-Heuss-Brü­cke müsse kein Hin­der­nis sein, da Jäger­hof­straße, Brü­cken­zu­fahrt und Lue­g­al­lee bereits heute ein­spu­rig geführt würden.

Zu schmal geplant: Bun­des­för­de­rung fällt weg
Für den Abschnitt zwi­schen Can­ta­dor­straße und Die­sel­straße auf Route 2 war ursprüng­lich eine hälf­tige Finan­zie­rung über die Bun­des-Kom­mu­nal­richt­li­nie vor­ge­se­hen. Weil der Rad­weg zwi­schen Nean­der­straße und Deger­straße zu schmal geplant wurde, ent­fällt die För­de­rung nun für rund 20 Pro­zent der Stre­cke – die Stadt muss die­sen Teil kom­plett aus eige­nen Mit­teln finanzieren.

Ger­res­heim droht erneut abge­hängt zu werden
Sorge berei­tet dem ADFC zudem die Anbin­dung Ger­res­heims. Die Route 2 soll offen­bar nicht wie geplant durch­ge­hend bis zum Neus­ser Tor füh­ren. Das neue Gym­na­sium am Hein­zel­männ­chen­weg würde an der Kreu­zung Flin­ger Broich damit vor­erst nur Rich­tung Flin­gern sicher ange­bun­den, nicht aber Rich­tung Ger­res­heim. Der seit Jah­ren ver­scho­bene Umbau der Kreu­zung Torfbruchstraße/Dreherstraße bleibt ebenso offen wie die Anbin­dung im obe­ren Bereich der Dre­her­straße. Wer heute vom Ger­res­hei­mer Zen­trum Rich­tung Innen­stadt radle, brau­che nach wie vor starke Ner­ven, so Pesch – weder über die Luden­ber­ger Straße noch über die Dre­her Straße gebe es eine sichere Ver­bin­dung, obwohl beide offi­zi­ell zum Rad­haupt­netz zählten.

Der ADFC sieht die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung nun klar bei CDU und Grü­nen: Ein Jahr nach der Kom­mu­nal­wahl müsse im Haus­halt die Wei­chen­stel­lung für die kom­men­den Jahre erfol­gen – andern­falls droh­ten die Rad­leit­rou­ten trotz anders­lau­ten­der Ver­ein­ba­run­gen im Koali­ti­ons­ver­trag zu scheitern.