Razzia gegen mutmaßliche Schleuserbande: Zoll rückt auch in Düsseldorf an

Zollfahrzeuge im Einsatz © Lokalbüro
Bei einem bundesweiten Schlag gegen Schleusung und Schwarzarbeit haben Zoll und Bundespolizei am Mittwoch auch in Nordrhein-Westfalen zugeschlagen. In Düsseldorf stand ein Hotel im Fokus der Ermittler.
Am Mittwochvormittag standen mehrere Einsatzfahrzeuge des Zolls auf der Münsterstraße in Düsseltal vor einem Hotel. Der Einsatz gehörte zu einer Großaktion, die von Berlin aus gesteuert wurde. Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte die Ermittlungen geleitet, die Bundespolizei und die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls setzten die Maßnahmen gemeinsam um. Welche Objekte in Düsseldorf im Einzelnen durchsucht wurden und was dort sichergestellt wurde, teilten die Behörden in ihrer gemeinsamen Meldung nicht mit.
Bundesweit waren nach Angaben der Behörden rund 2.200 Einsatzkräfte im Einsatz. Sie durchsuchten neben Nordrhein-Westfalen auch in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Baden-Württemberg Wohnungen, Wohnunterkünfte, Firmen und Hotels. Insgesamt betraf die Aktion 104 Objekte. Zudem wurden zehn Haftbefehle vollstreckt. Die Festgenommenen sollen nun Haftrichtern vorgeführt werden.
Verdacht: Ausbeutung im Reinigungsgewerbe
Die Ermittlungen richten sich gegen 23 Beschuldigte im Alter von 31 bis 59 Jahren. Als Kopf der mutmaßlichen Bande gilt ein 50-Jähriger. Er soll seit 2022 gemeinsam mit 22 Beteiligten Arbeitskräfte unter anderem aus der Ukraine und aus Georgien gezielt nach Deutschland geschleust, untergebracht und mit teils gefälschten Papieren im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben, bei schlechteren Bedingungen und geringerer Bezahlung als deutsche Beschäftigte. Über selbst gegründete Serviceunternehmen sollen Scheinrechnungen erstellt und Firmen in kurzen Abständen aufgelöst, verkauft oder verlegt worden sein, um Prüfungen der Steuer- und Sozialversicherungsbehörden zu unterlaufen. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete 50 Vermögensarreste über insgesamt 106 Millionen Euro an, ein Großteil wurde am Mittwoch vollstreckt.
Constanze Voß, Direktionspräsidentin der Finanzkontrolle Schwarzarbeit bei der Generalzolldirektion, sprach von einem empfindlichen Schlag gegen die Organisierte Kriminalität: „Wir haben die Täter dort getroffen, wo es wehtut: beim Geld.“ Der Zoll stoße im Gebäudereinigungsgewerbe immer wieder auf solche Netzwerke, von der Hotelreinigung bis zu Sanitäranlagen. Die Ermittlungen dauern an. Am Donnerstag, 1. Oktober, informieren Staatsanwaltschaft, Bundespolizei und Zoll ab 11 Uhr bei einer Pressekonferenz im Hauptzollamt Berlin über den aktuellen Stand.