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Souvenir-Verbot für alle, Ausnahme für die Backstreet Boys?

Ein Pop-up-Store in der Altstadt, der mit einem kleinen Souvenirladen so viel gemeinsam hat wie ein Museum: Hier wird nicht nur ausgestellt, sondern kräftig verkauft, und das an einem Sonntag. © Lokalbüro

Ein Pop-up-Store in der Alt­stadt, der mit einem klei­nen Sou­ve­nir­la­den so viel gemein­sam hat wie ein Museum: Hier wird nicht nur aus­ge­stellt, son­dern kräf­tig ver­kauft, und das an einem Sonn­tag. © Lokalbüro

Unser Senf: Düs­sel­dorfs Sou­ve­nir­lä­den müs­sen sonn­tags geschlos­sen blei­ben. Doch für den Pop-up-Store der Back­street Boys ging es offen­bar auch anders. Und wenn das Lokal­büro nach­fragt, herrscht im Rat­haus Funkstille.

Wer in Düs­sel­dorf am Sonn­tag ein Sou­ve­nir kau­fen möchte, hat schlechte Kar­ten. Eine Düs­sel­dorf-Tasse, einen Schlüs­sel­an­hän­ger oder eine Post­karte als Erin­ne­rung an den Besuch in der Lan­des­haupt­stadt? Bei den regu­lä­ren Sou­ve­nir­lä­den ste­hen die Kun­den vor ver­schlos­se­nen Türen. Die Händ­ler müs­sen sich an die gel­ten­den Regeln hal­ten, ihre Miete aber trotz­dem bezah­len. Doch dann kamen die Back­street Boys – und plötz­lich durfte ein Pop-up-Store auf dem Markt­platz am Sonn­tag öffnen.

Mer­chan­dise statt Düs­sel­dorf-Sou­ve­nir, Boy­group statt Lan­des­haupt­stadt: Was für die Fans mög­lich war, bleibt den ört­li­chen Sou­ve­nir­händ­lern ver­wehrt. Da darf man schon ein­mal fra­gen: Wie passt das zusam­men? Wer hat die Öff­nung geneh­migt? Und auf wel­cher recht­li­chen Grund­lage? Wir wol­len keine Son­der­be­hand­lung für die Back­street Boys unter­stel­len. Aber wenn für einen Pop-up-Store offen­bar andere Vor­aus­set­zun­gen gel­ten als für die regu­lä­ren Sou­ve­nir­lä­den, dann sollte die Stadt erklä­ren kön­nen, warum.

Denn aus­ge­rech­net beim Thema Sonn­tags­ver­kauf wird es in Düs­sel­dorf beson­ders wider­sprüch­lich. Auf der Inter­net­seite der Tou­rist-Infor­ma­tion wer­den aus­drück­lich Düs­sel­dorf-Sou­ve­nirs als Ver­kaufs­an­ge­bot auf­ge­führt. Gleich­zei­tig weist die Inter­net­seite für Sonn­tag Öff­nungs­zei­ten von 10 bis 18 Uhr aus. Wer das liest, darf durch­aus anneh­men, dass er dort auch am Sonn­tag ein Andenken kau­fen kann.

Doch schon vor Jah­ren gab es Ärger um den Sonn­tags­ver­kauf. Dar­auf­hin wurde ein Schild auf­ge­stellt, das klar­stel­len sollte: Sonn­tags gibt es Infor­ma­tio­nen und Tickets, aber kei­nen Ver­kauf von Sou­ve­nirs. Die Stadt kennt das Pro­blem also seit Lan­gem. Umso erstaun­li­cher ist es, wenn an ande­rer Stelle plötz­lich ein Pop-up-Store öff­nen darf. Was gilt denn nun? Und warum scheint es für man­che Anbie­ter mög­lich zu sein, wäh­rend andere ihre Türen geschlos­sen hal­ten müssen?

Wie das Lokal­büro erfah­ren hat, hat sich bereits vor etwa zwei Wochen ein Händ­ler in einem Brief an Ober­bür­ger­meis­ter Ste­phan Kel­ler über die Situa­tion beschwert. Auch unter den ande­ren Händ­lern sorgt die unter­schied­li­che Behand­lung für Unver­ständ­nis. Hinzu kommt, dass nach unse­ren Beob­ach­tun­gen inzwi­schen ein­zelne Büd­chen in der Stadt sonn­tags Andenken ver­kau­fen. Wäh­rend die regu­lä­ren Sou­ve­nir­lä­den geschlos­sen blei­ben müs­sen, wird andern­orts offen­bar ein Geschäft mit den Tou­ris­ten gemacht. Wer soll das den betrof­fe­nen Händ­lern noch erklären?

Und die Stadt? Sie schweigt.

Das Lokal­büro hat vor zehn Tagen eine Anfrage an die Stadt Düs­sel­dorf geschickt. Unsere Frage: Warum durfte der Pop-up-Store der Back­street Boys am Sonn­tag auf dem Markt­platz öff­nen? Die Stadt bestä­tigte den Ein­gang unse­rer Anfrage. Als eine Ant­wort aus­blieb, erin­ner­ten wir noch­mals an unsere Frage. Auch den Ein­gang die­ser Erin­ne­rung bestä­tigte die Stadt. Doch eine inhalt­li­che Ant­wort? Bis heute Fehlanzeige.

Zwei­mal den Ein­gang bestä­ti­gen, aber nicht ein­mal erklä­ren, warum eine sol­che Öff­nung mög­lich war – das muss man erst ein­mal hin­be­kom­men. Unsere Frage ist weder kom­pli­ziert noch abwe­gig. Sie betrifft eine mög­li­che Ungleich­be­hand­lung von Händ­lern, die sich an die gel­ten­den Regeln hal­ten müs­sen. Die Stadt könnte mit einer kur­zen Erklä­rung für Klar­heit sor­gen. Statt­des­sen lässt sie unsere Anfrage unbeantwortet.

Viel­leicht hofft man im Rat­haus, dass sich die Sache durch Aus­sit­zen erle­digt. Falls das die Stra­te­gie sein sollte, hat man die Rech­nung ohne das Lokal­büro gemacht. Zehn Tage ohne inhalt­li­che Ant­wort auf eine kon­krete Frage sind jeden­falls kein über­zeu­gen­der Umgang mit einer jour­na­lis­ti­schen Anfrage. Wer nichts zu ver­ber­gen hat, sollte auch erklä­ren kön­nen, auf wel­cher Grund­lage eine sol­che Öff­nung mög­lich war. Zwei Ein­gangs­be­stä­ti­gun­gen erset­zen keine Ant­wort. Wir war­ten weiter.

Unser Senf: Sou­ve­nirs müs­sen auch sonn­tags mög­lich sein

Bei aller Kri­tik an der mög­li­chen Son­der­be­hand­lung der Back­street Boys geht es uns um mehr als einen ein­zel­nen Pop-up-Store. Das Lokal­büro ist der Mei­nung, dass Tou­ris­ten grund­sätz­lich die Mög­lich­keit haben soll­ten, auch sonn­tags ein Sou­ve­nir aus Düs­sel­dorf mit­zu­neh­men. Oder wenigs­tens eine Post­karte zu kaufen.

Gerade am Wochen­ende besu­chen viele Gäste die Stadt. Sie schlen­dern durch die Alt­stadt, ste­hen am Rhein­ufer, besu­chen Sehens­wür­dig­kei­ten und möch­ten eine Erin­ne­rung an ihren Auf­ent­halt mit nach Hause neh­men. Warum sol­len sie aus­ge­rech­net dann vor ver­schlos­se­nen Sou­ve­nir­lä­den ste­hen? Düs­sel­dorf lebt vom Tou­ris­mus, prä­sen­tiert sich gern als welt­of­fene und gast­freund­li­che Stadt und möchte, dass Besu­cher Geld hier aus­ge­ben. Aber beim Sou­ve­nir­kauf am Sonn­tag endet die Gast­freund­schaft offen­bar an der Ladentür.

Natür­lich müs­sen gesetz­li­che Vor­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den. Doch wenn die gel­ten­den Regeln einen all­ge­mei­nen Sonn­tags­ver­kauf ver­hin­dern, sollte die Stadt gemein­sam mit den zustän­di­gen Stel­len prü­fen, wel­che rechts­si­che­ren Mög­lich­kei­ten es gibt. Denn dass Tou­ris­ten auch am Sonn­tag etwas kau­fen möch­ten, dürfte nie­man­den über­ra­schen. Und dass die Händ­ler daran inter­es­siert sind, ihre Waren zu ver­kau­fen, ist eben­falls verständlich.

Ein Blick zum Nach­barn nach Köln zeigt, dass es zumin­dest anders lau­fen kann. Nach unse­ren Erkennt­nis­sen haben die Sou­ve­nir­ge­schäfte rund um den Dom auch sonn­tags geöff­net. Dort kön­nen Tou­ris­ten offen­bar das tun, was viele Besu­cher auch in Düs­sel­dorf gern möch­ten: ein Andenken kau­fen, eine Post­karte mit­neh­men und eine Urlaubs­er­in­ne­rung mit nach Hause tra­gen. Auf wel­cher recht­li­chen Grund­lage die ein­zel­nen Geschäfte in Köln öff­nen, wäre geson­dert zu prü­fen. Doch allein der Blick über die Stadt­grenze sollte Düs­sel­dorf Anlass genug sein, die eigene Pra­xis zu hinterfragen.

Wir wol­len keine Extra­wurst für die Back­street Boys. Wir wol­len nach­voll­zieh­bare Regeln, glei­che Maß­stäbe für die Händ­ler und eine Stadt, die sich ernst­haft um die Inter­es­sen ihrer Besu­cher und Gewer­be­trei­ben­den küm­mert. Wenn Sonn­tags­ver­käufe mög­lich sind, dann bitte nicht nur für die­je­ni­gen, die gerade ein beson­ders gro­ßes Publi­kum anzie­hen. Und wenn sie nicht mög­lich sind, dann soll die Stadt erklä­ren, warum aus­ge­rech­net der Pop-up-Store öff­nen durfte.

Bis dahin bleibt ein scha­ler Bei­geschmack: Die einen müs­sen geschlos­sen hal­ten, die ande­ren dür­fen öff­nen – und auf eine ein­fa­che Frage des Lokal­bü­ros gibt es nicht ein­mal eine inhalt­li­che Antwort.

Düs­sel­dorf, das geht bes­ser. Viel besser.

Angebot auf der Seite Souvenier der Touristikinfo
Öffnungseiten auf der Internettseit Souveniers

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