Wenn sich im Rheinpark wieder ein blau-violettes Band durch die noch wintermüde Wiesen zieht, ist klar: Der Frühling hat die Stadt erreicht. Seit Ende Februar stehen die Krokusse im Rheinpark Golzheim in voller Blüte – und mit ihnen eines der bekanntesten bürgerschaftlichen Projekte der Landeshauptstadt: das „Blaue Band“.
Was 2008 mit einer spektakulären Pflanzaktion begann, ist heute ein fester Termin im Düsseldorfer Jahreslauf. Damals brachten der Verein Pro Düsseldorf, zahlreiche Ehrenamtliche und das Gartenamt fünf Millionen Krokuszwiebeln in die Erde. 2019 folgte eine weitere Million im nördlichen Abschnitt des Parks. Im vergangenen Oktober wurden im südlichen Bereich noch einmal 1,24 Millionen Zwiebeln nachgesetzt – auf einer Fläche von rund 7.000 Quadratmetern, mit etwa 180 Zwiebeln pro Quadratmeter.
Das Ergebnis ist jetzt sichtbar: ein nahezu geschlossenes Blütenmeer, das sich in geschwungener Form durch die Parklandschaft zieht.
Symbol für Zusammenhalt
„Seit fast zwei Jahrzehnten steht das ‚Blaue Band‘ symbolisch für den Frühling in Düsseldorf“, sagt Umweltdezernent Jochen Kral. Es verbinde nicht nur Grünanlagen, sondern auch Menschen, die sich jedes Jahr neu an der Blütenpracht erfreuen.
Für Renate Böhm, Vorsitzende von Pro Düsseldorf, ist das Projekt längst „Frühlingssignatur“ der Stadt. Die jüngste Nachpflanzung sichere die Leuchtkraft nachhaltig. Schon jetzt blickt der Verein nach vorn: Für 2027 ist ein Fotowettbewerb geplant, Sponsoren und neue Mitglieder werden noch gesucht. Unterstützung kommt unter anderem von der Stadtsparkasse und der Messe Düsseldorf.
Als Botschafter des Projekts findet auch Jacques Tilly deutliche Worte: Nach turbulenten Wochen blühten die Krokusse in diesem Jahr „umso üppiger – als wollten sie sagen: Düsseldorf hält zusammen“.
Vielfalt in Blau und Violett
Damit sich der Blütenzauber möglichst lange hält, setzt das Gartenamt auf eine kluge Mischung verschiedener Arten: den Frühlings-Krokus (Crocus vernus), den Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus), den Griechischen Zwerg-Krokus „Firefly“ (Crocus sieberi) und den Botanischen Krokus „Blue Pearl“ (Crocus chrysanthus). Die Farbpalette reicht von tiefem Dunkelviolett bis zu zarten Lilatönen – ein lebendiger Teppich, der Spaziergänger, Fotografen und Familien gleichermaßen anzieht.
Ökologischer Mehrwert
Krokusse gehören zur Familie der Schwertliliengewächse und zählen zu den wichtigsten Frühblühern. Oft trotzen sie Frost oder einer dünnen Schneedecke. Ihre eiweiß- und vitaminreichen Pollen sind im Spätwinter eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur urbanen Biodiversität.
„Das ‚Blaue Band‘ ist ein sichtbares Zeichen für bürgerschaftliches Engagement und partnerschaftliche Zusammenarbeit“, betont Julien Peine vom Gartenamt. Damit das auch künftig so bleibt, sind regelmäßige Pflege und Nachpflanzungen nötig – besonders in stark frequentierten Bereichen.
Idee aus Nordfriesland
Vorbild für das Düsseldorfer Projekt ist der Schlosspark im nordfriesischen Husum, wo Krokusse seit Jahrhunderten den Frühling ankündigen. Die geschwungene Form des Pflanzbandes im Rheinpark geht auf einen Entwurf der Landschaftsarchitektin Annette Weber zurück. Sie greift die Bewegung des Rheins und die Linienführung der Uferpromenade auf – Natur und Stadtraum verschmelzen zu einem Motiv mit Wiedererkennungswert.
So wird das „Blaue Band“ auch in diesem Jahr wieder zum farbigen Versprechen: auf wärmere Tage, belebte Parks – und eine Stadt, die im Frühling sichtbar zusammenrückt.





