Symbolbild Rathaus Düsseldorf © Lokalbüro

Sym­bol­bild Rat­haus Düs­sel­dorf © Lokalbüro

Von Man­fred Fammler

Spa­ren und prio­ri­sie­ren – auf diese Schlag­worte redu­ziert Rolf Tups von der CDU das Düs­sel­dor­fer Haus­halts­jahr 2026. Schließ­lich droht der ehe­mals pro­spe­rie­ren­den Lan­des­haupt­stadt gegen Jah­res­ende das Geld aus­zu­ge­hen – und damit die Auf­stel­lung eines Haus­halts­si­che­rungs­kon­zepts. Gegen­steu­ern – aber wie lau­tet somit die poli­ti­sche Hausaufgabe?

Für die feder­füh­ren­den Par­teien CDU und Grüne gibt es dabei nur eine Stoß­rich­tung. „Wir wol­len kon­sum­tive Auf­ga­ben und Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen wie­der bes­ser und nach­hal­ti­ger in ein Ver­hält­nis brin­gen“, so der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zende Tups im Düs­sel­dor­fer Rat. Somit setzt die schwarz-grüne Rats­mehr­heit auf einen rigo­ro­sen Spar­kurs, um die finan­zi­elle Hand­lungs­fä­hig­keit der Stadt zu sichern.

Im Fokus ste­hen dabei die kom­mu­na­len Pflicht­auf­ga­ben – ins­be­son­dere Bil­dung, Kin­der- und Jugend­hilfe sowie soziale Dienste. Frei­wil­lige Leis­tun­gen sol­len stär­ker gesteu­ert und an die Haus­halts­lage ange­passt wer­den, blei­ben aber in aus­ge­wähl­ten Berei­chen wie Sicher­heit, Sau­ber­keit und sozia­ler Unter­stüt­zung im öffent­li­chen Raum erhal­ten. Hier hebt Tups das Pro­jekt „Sicher­heit und Sau­ber­keit im Bahn­hofs­um­feld“ (SiBu) exem­pla­risch hervor.

Ange­sichts dro­hen­der Ein­nah­me­rück­gänge setzt die Stadt zudem auf mehr Kos­ten­be­wusst­sein im Per­so­nal­be­reich und unter­stützt ent­spre­chende Kon­so­li­die­rungs­vor­schläge der Ver­wal­tung. Ziel sei ein struk­tu­rell aus­ge­gli­che­ner Haus­halt, ohne die Hand­lungs­frei­heit gegen­über der Kom­mu­nal­auf­sicht zu verlieren.

Gleich­zei­tig betont die Koali­tion ihre Inves­ti­ti­ons­of­fen­sive: Für 2026 sind ins­be­son­dere Mit­tel für den Schul­bau in Höhe von 260 Mil­lio­nen Euro und für Mobi­li­tät in Höhe von 160 Mil­lio­nen Euro vor­ge­se­hen. Der Gewer­be­steu­er­satz soll sta­bil blei­ben, um die Wirt­schaft nicht zusätz­lich zu belas­ten. Tups: „Wir wer­den den Hebe­satz der Gewer­be­steuer nicht erhö­hen. Dar­auf kön­nen sich die Unter­neh­mer ver­las­sen.“ Kurzum: Eine Steu­er­erhö­hung wird es nicht geben – Stand heute.

Trotz Spar­maß­nah­men will Düs­sel­dorf wei­ter­hin gezielt in soziale Ange­bote, Kul­tur, Sport und Ehren­amt inves­tie­ren. Die Koali­tion sieht darin einen ent­schei­den­den Bei­trag zur Lebens­qua­li­tät und Zukunfts­fä­hig­keit der Stadt.

In sei­ner ers­ten Haus­halts­rede im Düs­sel­dor­fer Stadt­rat zeich­net Frak­ti­ons­spre­cher Frank Schulz für die Grü­nen ein Bild ange­spann­ter Finan­zen, betont aber zugleich poli­ti­schen Gestal­tungs­spiel­raum. Ange­sichts glo­ba­ler Kri­sen, die „sehr viel schnel­ler auf unsere Stadt“ wir­ken, stehe der Haus­halt unter wach­sen­dem Druck. Sin­kende Gewer­be­steu­er­ein­nah­men bei gleich­zei­tig stei­gen­den Aus­ga­ben – etwa infolge von Tarif­ab­schlüs­sen und neuen Pflicht­auf­ga­ben – machen den Haus­halt zu einem „fra­gi­len Konstrukt“.

Der Etat 2026 sei ein „ers­ter Schritt“ hin zu mehr Haus­halts­dis­zi­plin. So müss­ten Ein­nah­men und Aus­ga­ben künf­tig noch genauer über­prüft wer­den. Inhalt­lich setzt die Stadt klare Schwer­punkte: Inves­ti­tio­nen in Kli­ma­schutz und Kli­ma­an­pas­sung blei­ben auf hohem Niveau, ergänzt durch ein stär­ke­res Con­trol­ling der Maß­nah­men. Auch der Schutz von Mie­te­rin­nen und Mie­tern rückt in den Fokus – unter ande­rem durch eine bes­sere Woh­nungs­auf­sicht und Maß­nah­men gegen Leerstand.

Inhalt­lich setzt die schwarz-grüne Koali­tion drei Schwer­punkte: hohe Inves­ti­tio­nen in den Kli­ma­schutz („drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag“), Maß­nah­men für bezahl­ba­res Woh­nen sowie sta­bile Mit­tel für soziale Pro­jekte. Schulz ver­tei­digt den Haus­halt als Ergeb­nis inten­si­ver Ver­hand­lun­gen zwi­schen CDU und Grü­nen und als Kom­pro­miss zwi­schen unter­schied­li­chen poli­ti­schen Posi­tio­nen. Der Etat sei letzt­lich mehr als ein Zah­len­werk – er ent­scheide dar­über, „in wel­cher Stadt wir leben wollen“.

SPD-Volt greift Düs­sel­dor­fer Haus­halt scharf an: „Kein kla­rer Plan“

In einer deut­lich kri­ti­schen Rede hat Sabrina Pro­sch­mann, SPD-Volt-Frak­ti­ons­vor­sit­zende, den Düs­sel­dor­fer Haus­halt als kon­zept­los und wider­sprüch­lich bezeich­net. Zwar erkenne auch ihre Frak­tion die schwie­rige Lage an – „der Haus­halt steht immer mehr unter Druck“ –, doch gerade in die­ser Situa­tion fehle es aus ihrer Sicht an poli­ti­scher Füh­rung. „Was wir nicht erken­nen kön­nen, ist ein kla­rer Plan“, sagte Proschmann.

Die Red­ne­rin warf der Koali­tion aus CDU und Grü­nen vor, keine klare Prio­ri­tä­ten­set­zung vor­zu­neh­men. „Kluge Haus­halts­po­li­tik braucht klare Prio­ri­tä­ten und kein Abmä­hen mit der Sense“, betonte sie und warnte davor, die Stadt durch pau­schale Ein­spa­run­gen „auf Ver­schleiß“ zu fah­ren. Statt­des­sen brau­che Düs­sel­dorf ver­läss­li­che Stra­te­gien, etwa beim Woh­nen, Kli­ma­schutz und Per­so­nal, und müsse „weg vom Hof­fen auf zufäl­lige Gele­gen­hei­ten hin zu einem kla­ren, ver­läss­li­chen Plan“.

Beson­ders scharf fiel die Kri­tik an der poli­ti­schen Linie der Koali­tion aus, der Pro­sch­mann einen „Schlin­ger­kurs“ in zen­tra­len Berei­chen vor­warf. In der Sozi­al­po­li­tik wür­den wich­tige Ange­bote gekürzt, sodass „soziale Leucht­türme ver­schwin­den“. Auch in der Kli­ma­po­li­tik und Stadt­ent­wick­lung erkenne sie wider­sprüch­li­che Ent­schei­dun­gen. Ins­ge­samt ent­stehe der Ein­druck halb­her­zi­ger Kom­pro­misse, die keine nach­hal­tige Rich­tung erken­nen ließen.

Per­sön­lich griff Pro­sch­mann auch Ober­bür­ger­meis­ter Ste­phan Kel­ler an und stellte des­sen Kurs­wech­sel seit der Wahl infrage: „Wel­cher Ste­phan Kel­ler war da eigent­lich gemeint – der Ankün­di­gungs­welt­meis­ter vor der Wahl oder der Sen­sen­mann nach der Wahl?“ Viele zuvor for­mu­lierte Ziele, etwa im Woh­nungs­bau oder in der Ver­kehrs­po­li­tik, seien inzwi­schen rela­ti­viert oder ganz auf­ge­ge­ben worden.

Die SPD-Volt-Frak­tion for­dert statt­des­sen eine akti­vere Rolle der Stadt, sowohl bei der Ver­bes­se­rung der Ein­nah­men als auch bei Inves­ti­tio­nen in zen­trale Zukunfts­fel­der. Am Ende zog Pro­sch­mann ein deut­li­ches Fazit: „Die­ser Haus­halt ohne Plan und ohne Mut wird den Auf­ga­ben nicht gerecht.“ Zugleich kün­digte sie an, dass sich die eigent­li­che Bewäh­rungs­probe erst in den kom­men­den Haus­halts­jah­ren zei­gen werde.

Linke kri­ti­siert „Spar­haus­halt“: For­de­rung nach Steu­er­erhö­hung und sozia­ler Politik

Als sozial unaus­ge­wo­gen und poli­tisch mut­los bezeich­net Sig­rid Leh­mann für „Die Linke“ den Düs­sel­dor­fer Haus­halt. Statt eines gerech­ten Etats liege „der erste offi­zi­elle Spar­haus­halt“ vor, der aus ihrer Sicht vor allem auf Kür­zun­gen setze.

Leh­mann wirft der Koali­tion vor, not­wen­dige Ein­nah­me­quel­len bewusst unge­nutzt zu las­sen. Düs­sel­dorf ver­zichte auf Mil­lio­nen­be­träge, etwa durch eine zu nied­rige Gewer­be­steuer oder feh­lende Anpas­sun­gen bei Grund- und Über­nach­tungs­steuer. „Die Lösung wäre ein Ende des Ver­zichts“, betont sie und sieht darin die Vor­aus­set­zung, um soziale Kür­zun­gen zu vermeiden.

Gleich­zei­tig stellt sie die Schwer­punkt­set­zung infrage. Wäh­rend Mit­tel für Pres­ti­ge­pro­jekte oder wirt­schafts­nahe Inter­es­sen vor­han­den seien, werde bei sozia­len Ange­bo­ten gespart. Die Kür­zun­gen trä­fen ins­be­son­dere Pro­jekte für benach­tei­ligte Grup­pen und gefähr­de­ten bestehende Struk­tu­ren: „Netz­werke, Lebens­hilfe und Per­spek­ti­ven wer­den zerstört.“

Auch in der Woh­nungs­po­li­tik sieht „Die Linke“ einen deut­li­chen Rück­schritt. Wahl­ver­spre­chen zum bezahl­ba­ren Woh­nen wür­den nicht ein­ge­hal­ten, statt­des­sen werde die Quote für den sozia­len Woh­nungs­bau gesenkt. Für viele Men­schen drohe damit, dass sie sich ihre Woh­nun­gen künf­tig nicht mehr leis­ten könnten.

Dar­über hin­aus kri­ti­siert Leh­mann Ein­spa­run­gen beim städ­ti­schen Per­so­nal sowie in der Ver­kehrs- und Kli­ma­po­li­tik. Der Ein­stel­lungs­stopp und der Abbau von Stel­len schwäch­ten die Ver­wal­tung, wäh­rend Kür­zun­gen im Kli­ma­schutz und beim Rad­ver­kehr die lang­fris­tige Ent­wick­lung der Stadt gefährdeten.

Ins­ge­samt wirft die Linke der Koali­tion vor, sie spare „bei denen, die kein Geld haben“, und for­dert statt­des­sen einen grund­le­gen­den Kurs­wech­sel hin zu mehr Inves­ti­tio­nen in Daseins­vor­sorge, sozia­len Aus­gleich und Kli­ma­schutz. So führe der vor­lie­gende Haus­halt die Stadt auf einen fal­schen Weg. Statt­des­sen müsse er zu einem „Inves­ti­ti­ons­haus­halt“ umge­baut werden.

FDP warnt vor Finanz­krise: „Die Party ist end­gül­tig vorbei“

Für Mirko Roh­loff von der FDP ist der Düs­sel­dor­fer Haus­halt finanz­po­li­tisch geschei­tert. Es gehe nicht nur um Zah­len, son­dern um „die Zukunft unse­rer Stadt“ und die Ver­ant­wor­tung gegen­über kom­men­den Generationen.

Nach Ansicht der Libe­ra­len lebt die Stadt deut­lich über ihre Ver­hält­nisse. Trotz hoher Ein­nah­men steht ein Defi­zit von über 400 Mil­lio­nen Euro im Raum, wäh­rend die Ver­schul­dung wei­ter anwächst. „Die Party in die­ser Stadt ist end­gül­tig vor­bei“, sagte Roh­loff und sprach von einem „finanz­po­li­ti­schen Desas­ter“. Düs­sel­dorf bewege sich auf eine Situa­tion zu, die man mit einem Unter­neh­men „kurz vor einer Insol­venz“ ver­glei­chen könne.

Als Haupt­ur­sa­che nennt die FDP eine fal­sche Prio­ri­tä­ten­set­zung und feh­lende Auf­ga­ben­kri­tik. Statt kon­se­quent zu spa­ren, wür­den wei­ter­hin Mit­tel für Pro­jekte ohne kla­ren Nut­zen aus­ge­ge­ben. Gleich­zei­tig belas­te­ten stei­gende Zins­kos­ten und Per­so­nal­aus­ga­ben den Haus­halt mas­siv. „Will­kom­men in der Schul­den­falle“, so Rohloff.

Beson­ders kri­ti­siert er die feh­lende Stra­te­gie der Koali­tion. Aus­sa­gen von CDU und Grü­nen, man habe noch keine kon­kre­ten Spar­maß­nah­men vor­le­gen kön­nen, seien eine „Bank­rott­erklä­rung“. Ins­ge­samt fehle ein „kla­rer Kom­pass“, wäh­rend „mun­ter in alle Rich­tun­gen wei­ter Steu­er­geld ver­brannt“ werde.

Roh­loff for­dert eine grund­le­gende Kehrt­wende. Statt eines „zag­haf­ten Abbrem­sens“ brau­che es eine „ent­schie­dene Voll­brem­sung“ in der Finanz­po­li­tik. Als kon­kre­ten Vor­schlag bringt die Frak­tion die Wie­der­ein­füh­rung einer Schul­den­bremse ins Spiel, um Aus­ga­ben und Ein­nah­men wie­der in Ein­klang zu bringen.

Abschlie­ßend appel­liert Roh­loff an Rat und Ver­wal­tung, die Krise als Chance zu begrei­fen: Man müsse auf­hö­ren, „den Not­stand zu ver­wal­ten“, und statt­des­sen begin­nen, die Stadt „aktiv und nach­hal­tig zu gestalten“.

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