
© LB / Olaf Oidtmann
Von Manfred Fammler
So tief die Verbindung gerade von Düsseldorf zu Japan ist, so fremdartig erscheinen manchmal die Eigenarten aus dem Land der aufgehenden Sonne. Mangas gehören dazu, ebenso wie die Vorlieben vieler Erwachsener für Anime und ihre Protagonisten. Genau um diese dreht sich alles im europaweit ersten „Gundam“-Shop in Düsseldorf.
An der Königstraße 10, direkt in Rufweite des Düsseldorfer Prachtboulevards, hat dieses Schmuckstück japanischer Lebenskultur eine dauerhafte Bleibe gefunden. Wobei „gefunden“ nicht ganz das richtige Wort ist, da der Vertrieb dieser Figuren bereits einige Monate lang als Pop-up-Store an gleicher Stelle vor Ort war. So fällt das Motto dieser zweiten Eröffnung wohl eher unter: „Geöffnet, um zu bleiben“.
Marc aus Düsseldorf hofft es jedenfalls. Doch worum geht es bei der Anime-Reihe „Gundam“?
„Gundam“ ist eine der bekanntesten Anime-Reihen Japans. Seit 1979 erzählt sie von Zukunftskriegen, politischen Machtkämpfen und jungen Piloten, die gigantische Kampfmaschinen steuern – sogenannte Mobile Suits. Der Gundam ist dabei meist ein besonders leistungsstarkes Modell.
Doch die Reihe ist mehr als Roboter-Action. Sie erzählt vom Krieg, von Schuld, Überleben und moralischen Grauzonen. Gut und Böse sind selten eindeutig verteilt. So viel zum Hintergrund der Serie.
Den meisten Besuchern ging es am ersten Tag des dauerhaften Stores aber eher um etwas anderes. Wie etwa einem Pärchen aus Essen. Eher im Grunge-Stil gekleidet, schlendern die beiden über die zwei Etagen, betrachten die Figuren in den Vitrinen und entscheiden sich schließlich für drei Pakete. Wobei die Verpackung genauestens überprüft wird – denn beide sind Sammler, und ob der Karton jemals geöffnet wird, weiß Jens noch nicht.
„Ich komme so selten zum Bauen. Ich habe keine Zeit“, meint er, während seine Begleitung schmunzelnd danebensteht. Dabei wird klar: Beide tendieren eher zum Basteln als zur Serie.
Basteln – der wohl wichtigste Aspekt für die Interessierten. In einem Karton liegt das Gunpla-Modellkit nicht als fertige Figur, sondern auf Plastikrahmen. Diese Rahmen sind meist einzeln in Plastikbeuteln verpackt. Dazu kommen eine Bauanleitung und oft Sticker oder Decals für Details.
Nun müssen die Teile mit einer kleinen Zange vorsichtig aus dem Rahmen geknipst und mit feinem Schmirgelpapier abgeschliffen werden. Danach werden die Einzelteile zusammengesteckt und in einer Vitrine ausgestellt.
„Kann man mal machen“, meint Jens. Er stelle lieber Szenen aus den Serien nach. Also sei er mehr ein Modellbauer? „Ein bisschen.“
98 Figuren habe er bereits zusammengebaut, und obwohl er kein Mitarbeiter ist, steht er für „Führungen“ durch den Shop bereit, sobald auch nur eine noch so kleine Frage an ihn gestellt wird. Er kann zu jeder Figur etwas sagen und sogar bei kleinen Hinweisen wie „rot“ und „so eine lange Waffe“ treffsicher benennen, welcher Gundam gemeint ist.
Wenn es eine Weltmeisterschaft über die Figuren gäbe, wäre er ein Favorit. Wobei der nächste Aspekt in diesem Kosmos aufploppt: Es gibt tatsächlich eine WM, und der Gewinner darf seine Figur in der Zentrale in Yokohama ausstellen.
Davon ist Marc noch etwas entfernt. Als schließlich seine Welt am Premierentag auf die von Jens trifft, starten beide ihre Gundam-Vita. Marc hat bisher nur zwei Figuren zusammengesteckt – Kleber wird nicht benötigt – und traut sich als selbsternannter „Real Grader“ noch nicht an den „Master Grade“ heran.
Denn auch das ist wichtig zu wissen: Die Kits werden nach Grades, also nach Größe, Detailgrad und Bauaufwand, eingeteilt. Nun helfen die Tipps von Jens, der ein bisschen Modellbauer und Animefan zugleich ist.
„Von Faller zu Gundam, vom Pop-up zum festen Laden: Alles hat seine Entwicklung – und seine Zeit”.
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