Start zum Düs­sel­dorf-Mara­thon © LB / Olaf Oidtmann

 

Von Man­fred Fammler

Was für ein gran­dio­ser Erfolg – für alle, die die Ziel­li­nie über­schrit­ten hat­ten. Uni­sono gehörte das Lob aber – selbst von den Läu­fe­rin­nen und Läu­fern – dem größ­ten Teil­neh­mer­feld, näm­lich den Zuschaue­rin­nen und Zuschau­ern. Getra­gen von Applaus und auf­mun­tern­den Wor­ten erreich­ten viele das Ziel. Kris­tin von den Lauf­freun­den Müns­ter ging sogar noch einen Schritt wei­ter und schwärmte: „Lie­ber Düs­sel­dorf als Berlin.“

Und noch etwas war auf­fal­lend: Nie war ein Düs­sel­dorf-Mara­thon weiblicher.

Nach ihrer Best­zeit von unter 3:12 Stun­den in ihrem 24. Mara­thon erzählte Kris­tin von ihren Stre­cken­ein­drü­cken und lobte neben dem Publi­kum auch die rund 39 Frauen und Män­ner an den Turn­ta­bles, die sich ent­lang der Stre­cke ver­teilt hat­ten. „Die DJs schaff­ten es, genau die Musik auf­zu­le­gen, mit der ich das Tempo hal­ten konnte.“

Mit die­sen Ein­drü­cken war die Meer­bu­sche­rin nicht allein. Els aus Bel­gien war eben­falls begeis­tert von der Hin­gabe der Zuschauer am Stre­cken­rand. „Es war eine sehr gute Atmo­sphäre, es war sehr laut“, freute sich die 58-Jäh­rige, die in der Lan­des­haupt­stadt mit einer Zeit von 3:17 Stun­den ihren 35. Mara­thon voll­endete. „Jedes Jahr laufe ich einen Mara­thon“, sagte sie und fügte hinzu: „Man ist immer jung genug, um mit dem Lau­fen zu beginnen.“

Wäh­rend sich viele Sport­le­rin­nen und Sport­ler auf der 42 Kilo­me­ter lan­gen Stre­cke ihrem größ­ten sport­li­chen Dämon stell­ten, diente der Düs­sel­dor­fer Wett­be­werb den Pace­ma­kern Julian-Tim, Falk und Franka als Trai­ning für noch grö­ßere Her­aus­for­de­run­gen. Die 25-jäh­rige Düs­sel­dor­fe­rin betrach­tet den Uni­per-Mara­thon näm­lich als Test­lauf für den Frank­fur­ter Iron­man im Juni. Dort muss sie neben die­ser Lauf­di­stanz noch 3,8 Kilo­me­ter schwim­men und 180 Kilo­me­ter Rad fahren.

Somit ist sie mit ihrer Zeit von 3:33 Stun­den hoch­zu­frie­den und wür­digt das Publi­kum mit den Wor­ten: „Es ist schon etwas ganz Beson­de­res, wie die ganze Stadt zusam­men­hält.“ 15 Stun­den pro Woche inves­tiert sie als Ama­teu­rin in den Sport. Neben der Arbeit bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge – außer der Musik. Die Ath­le­tin ist unter „Fraenz­mu­sic“ in den sozia­len Medien zu finden.

Nicht schnel­ler und nicht lang­sa­mer als drei Stun­den zu lau­fen, hieß die Auf­gabe der „Hasen“ Julian-Tim und Falk. Damit diese Läu­fer bes­ser zu erken­nen sind, wird ihnen auf dem Rücken eine Fahne befes­tigt, auf der die Ziel­zeit ver­merkt ist. Daran ori­en­tie­ren sich dann die Läu­fe­rin­nen und Läufer.

Dabei ent­wi­ckel­ten die bei­den eine beson­dere Stra­te­gie: Einer lief rund 100 Meter vor­aus. „Damit ist gewähr­leis­tet, dass alle Läu­fer, die zwi­schen uns sind, auch die Drei-Stun­den-Zeit schaf­fen.“ Getra­gen vom Publi­kum sagt Julian-Tim: „Das war tough. Ab der Zehn-Kilo­me­ter-Marke haben die Leute an der Stre­cke mit uns gere­det, uns ange­feu­ert, und auf den letz­ten Kilo­me­tern ging es rich­tig ab.“ Und Falk fügt hinzu: „Auf den letz­ten Kilo­me­tern wur­den wir von den Zuschau­ern getragen.“

Doch wie bei Kris­tin diente der Düs­sel­dorf-Mara­thon auch hier als Vor­be­rei­tung für einen außer­ge­wöhn­li­chen Lauf: den Wings for Life World Run mit einem „Cat­cher Car“ in Breda – frei über­setzt etwa: „Lau­fen, bis dich der Besen­wa­gen ein­holt.“ Bei die­sem For­mat gibt es keine klas­si­sche Ziel­li­nie. Statt­des­sen läuft, geht oder rollt man los, bis einen das Cat­cher Car ein­holt. „Das kön­nen schon mal 50 bis 60 Kilo­me­ter sein“, lacht das Duo.

„Bis Kilo­me­ter 30 war es easy, dann wurde es schwer. Die letz­ten drei Kilo­me­ter waren übel“, erzählt Jana, nach­dem sie wie­der zu Atem gekom­men war. „Auf­ge­ben war aller­dings keine Option“, fährt die 28-Jäh­rige fort, die in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten große sport­li­che und per­sön­li­che Erfolge fei­ern konnte. Ihr Hand­ball­team von Mett­mann Sport stieg in die Ober­liga auf, und sie habe sich nach einem Kreuz­band­riss im ver­gan­ge­nen Jahr wie­der „zurück­ge­kämpft“.

Nun hat sie bereits den nächs­ten Mara­thon vor Augen. In Köln wolle sie gemein­sam mit ihrem Bru­der und ihrer Schwä­ge­rin an den Start gehen. Ihnen werde sie auch ein Buch aus­lei­hen, „das ich mir zur Vor­be­rei­tung auf die­sen Lauf gekauft habe“, lacht sie augen­zwin­kernd. Der Claim „Wir sind wie­der da“ auf ihrem Lauf­shirt greift somit viele Facet­ten ihres Sport­le­rin­nen­le­bens im ver­gan­ge­nen Jahr auf.

Für das „Team Petra“ ging Lars als Schluss­läu­fer auf die neun Kilo­me­ter lange Teil­stre­cke. Einen beson­ders star­ken Ein­druck machte auf ihn die Loret­to­straße. „Ich habe mich wie in Ober­kas­sel gefühlt. Dass in Bilk so viel Cham­pa­gner getrun­ken wird, hätte ich nicht gedacht“, lacht der 32-Jäh­rige, der im nächs­ten Jahr im Halb­ma­ra­thon an den Start gehen will. „Das macht so viel Spaß, hier zu laufen.“

Mar­kus, Mareth und Leon­hard von der Tho­mas-Edi­son-Real­schule haben ihr Tages­pen­sum erfüllt. Nun war­ten die drei von der Leh­rer­staf­fel auf den Vier­ten im Bunde. Als Mar­vin dann end­lich – ver­schwitzt, aber über­glück­lich – auf dem blauen Ziel­tep­pich die Arme hoch­reißt, umringt ihn das Leh­rer­kol­le­gium und fei­ert gemein­sam den Erfolg.

Sie sind sich sofort einig: „Wir gehen im nächs­ten Jahr wie­der an den Start.“ Viel­leicht sogar in einer oder meh­re­ren Gemischtstaf­feln aus Lehr­kräf­ten sowie Schü­le­rin­nen und Schülern?

Düs­sel­dorf-Mara­thon: Immer weiblicher

Rund 22.000 Aktive star­te­ten in den drei Dis­zi­pli­nen. Noch nie waren jedoch so viele Frauen am Start. Selbst ein­ge­fleischte Mara­thon­ex­per­ten und ‑beob­ach­ter hiel­ten die Quote im Ver­gleich zu ande­ren Lauf­ver­an­stal­tun­gen in Deutsch­land für „außer­ge­wöhn­lich hoch“, denn 40 Pro­zent der Teil­neh­men­den waren Läuferinnen.

Im Durch­schnitt lag ihr Alter zwi­schen 25 und 30 Jah­ren, bei den Män­nern zwi­schen 31 und 35 Jah­ren. Viel­leicht liegt der Grund in der Stadt selbst. Sina, Schluss­läu­fe­rin einer Frau­en­staf­fel, meint: „Es ist eine Ham­mer­ku­lisse und eine Super­stim­mung. Wir füh­len uns hier beson­ders wohl.“

Am Ende ist der Düs­sel­dorf-Mara­thon eben mehr als die Summe von Stun­den, Minu­ten und Sekunden.“

Den Link zu einer Bil­der­stre­cke fügen wir spä­ter noch hinzu.