Andreas von Holst, bekannt als Kuddel, spricht im Interview über 44 Jahre Bandgeschichte, die enge Verbindung zu Argentinien und warum offenes Reden über Alkoholabhängigkeit Leben retten kann.
Es ist ein Name, der in der deutschen Rockgeschichte kaum wegzudenken ist: Die Toten Hosen. Seit über 44 Jahren steht Gitarrist Andreas von Holst – den alle nur Kuddel nennen – als Gründungsmitglied auf der Bühne. Nun hat die Band ihr letztes Studioalbum veröffentlicht. Der Titel ist Programm: „Trink aus, wir müssen gehen!”
Der Spitzname Kuddel entstand in den frühen Tagen bei der Vorläuferband ZK, als irgendwer – vermutlich ein gewisser Fabsi – ihn einfach so rief.
Da es in der Band gleich drei Andreasse gab, blieb der Name haften. Kuddel hinterfragt ihn bis heute nicht.
Auf die Frage, ob er sich heute noch mit seinem jüngeren Ich identifiziere, antwortet Kuddel ohne Zögern: Er sehe sich als ein und dieselbe Person. Die Anfänge der Band waren kein bewusstes Risiko, sondern schlicht das, was sie taten – auch wenn die Band zeitweise kurz vor der Pleite stand und er noch bei seinen Eltern wohnen musste. Der Erfolg kam schrittweise, über Jahrzehnte, ohne großen Bruch. Wer heute sage, die Hosen seien nicht mehr die, die sie einmal waren, dem ist Kuddel schlicht egal.
Das neue Album sei das letzte Studiowerk, nicht das Ende der Band insgesamt. Kuddel gibt offen zu, dass ihn der Gedanke während der Studioarbeit zunächst eher blockiert als beflügelt habe. Am Ende sei es eine Punktlandung geworden – anstrengend, aber das Ergebnis lasse ihn so zufrieden zurück wie noch kein Album zuvor.
Argentinien als zweite Heimat. Kaum eine Beziehung zwischen einer deutschen Band und einem ausländischen Publikum ist so intensiv wie die der Toten Hosen zu Argentinien. Dabei stand das Land nie auf dem ursprünglichen Plan. Um 1990 schrieb ein Karlsruher, der bei der Deutschen Bank in Buenos Aires arbeitete, der Band einen Brief und lud sie ein. Er schickte Flugtickets – die Hosen kamen. Der erste Auftritt begann spät in der Nacht fast menschenleer, wurde aber ab drei Uhr morgens zur wilden Party. Als andere internationale Bands in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Konzerte absagten, blieben die Toten Hosen. Das haben die Argentinier nie vergessen. Die Konzerte im Oktober werden laut Kuddel definitiv die letzten in Argentinien sein.
Offen über Sucht reden – ein Plädoyer. Im Gespräch mit dem Düsseldorfer Strassenmagazin fiftyfifty wird Kuddel besonders deutlich, wenn es um das Thema Sucht geht. Alkohol sei sein grosses Problem gewesen. Erst als er aufgehört habe, es zu verstecken, habe er damit umgehen und schliesslich aufhören können. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Unsere Gesellschaft verharmlost Alkohol nach wie vor massiv. Dass ein Glas Bier oder Wein überall dazugehöre, hält er für falsch. Wer abstinent lebe, müsse sich ständig rechtfertigen – das sei der eigentliche Fehler im gesellschaftlichen Umgang mit Sucht.
Die Toten Hosen unterstützen fiftyfifty seit den Anfängen. Kuddel betont, wie wichtig es sei, dass Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, nicht totgeschwiegen werden. Dass der Name der Band Obdachlosen Kraft gebe – mehr als nur materielle Hilfe – war ihm nach eigener Aussage nicht bewusst, freut ihn aber sehr.
Hunde als treue Begleiter. Kuddel ist bekennender Hundeliebhaber. Aktuell lebt bei ihm und seiner Frau eine Zwergdackeldame namens Rosine. Er spricht mit grosser Wärme über die bedingungslose Zuneigung von Tieren – gerade für Menschen in schwierigen Lebensphasen. Dem Hund sei es egal, ob man Geld habe oder wo man schlafe. Daher unterstützt er ausdrücklich das fiftyfifty-Projekt Underdog, das sich um die medizinische Versorgung der Hunde von Obdachlosen kümmert. Ob jemand einen Hund haben könne, dürfe nicht davon abhängen, ob er sich den Tierarzt leisten könne.
Das vollständige Interview erscheint in der aktuellen Ausgabe des Strassenmagazins fiftyfifty. Das neue Album der Toten Hosen, „Trink aus, wir müssen gehen!”, ist ab sofort erhältlich.



