
Helmut (v.l.) vom Straßenmagazin Fiftyfifty, Streetworker Oliver Ongaro und Django hängten am Mittwoch ein neues Schild am Ratinger Tor auf. © Lokalbüro
Nach der Diskussion um ein Hinweisschild am Ratinger Tor haben die Düsseldorfer Jonges und die Wohnungsloseninitiative Fiftyfifty das Gespräch gesucht. Das umstrittene Schild wurde inzwischen entfernt. Für die Jonges bleibt jedoch die Frage bestehen, wie mit den seit Monaten anhaltenden Problemen rund um das historische Bauwerk umgegangen werden soll.
Auslöser der Debatte war ein Schild mit der Aufschrift „Privatgrundstück – Lagern unter den Ratinger Tor-Arkaden ist verboten“, das die Düsseldorfer Jonges an dem von ihnen genutzten Gebäude angebracht hatten. Fiftyfifty kritisierte die Maßnahme und warf dem Heimatverein vor, vorab nicht das Gespräch mit sozialen Trägern gesucht zu haben.
Bei einem Treffen am Mittwoch vor dem Ratinger Tor kamen beide Seiten zusammen. Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf und Streetworker Oliver Ongaro boten ihre Unterstützung an und erklärten, bei vergleichbaren Situationen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Die Jonges nahmen das Angebot an und kündigten an, künftig stärker den Kontakt zu sozialen Einrichtungen zu suchen.
Gleichzeitig machten Vertreter des Heimatvereins deutlich, warum es überhaupt zu dem Schild gekommen war. Das Ratinger Tor gehört zu den bekanntesten historischen Bauwerken Düsseldorfs und wird seit Jahrzehnten von den Düsseldorfer Jonges genutzt und gepflegt. Der Verein unterhält sogar einen eigenen Torwächter und sieht sich in besonderer Verantwortung für den Erhalt und die Sauberkeit des denkmalgeschützten Gebäudes.
Fotos aus den vergangenen Monaten zeigen, dass es sich nicht um vereinzelte Verschmutzungen handelt. Unter den Arkaden waren zeitweise Zelte, Schlafplätze, größere Mengen Müll, Kleidung, Verpackungen und Lebensmittelreste zu finden. Nach Angaben der Jonges mussten Vereinsmitglieder immer wieder selbst aktiv werden und die Hinterlassenschaften beseitigen. Hinzu kommen Fälle von Erbrochenem und menschlichen Exkrementen, über die der Verein bereits mehrfach berichtet hatte.
Für die Jonges ist dies nicht nur eine Frage der Sauberkeit. Das Ratinger Tor gilt als Aushängeschild der Landeshauptstadt und wird täglich von zahlreichen Touristen besucht. Auch Brautpaare nutzen die historische Kulisse regelmäßig für Hochzeitsfotos. Noch kurz nach dem Gesprächstermin am Mittwoch war erneut ein Brautpaar vor Ort, um Bilder vor dem monumentalen Stadttor aufzunehmen.
Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege betonte, dass der durch das Schild entstandene Eindruck nicht dem Selbstverständnis des Vereins entspreche. „Die Diskussion um das am Ratinger Tor angebrachte Schild hat einen Eindruck entstehen lassen, den wir bedauern und der nicht unserer Haltung entspricht“, erklärte er. Der Heimatverein engagiere sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Menschen in Düsseldorf und unterstütze zahlreiche soziale Projekte. Erst im vergangenen Winter seien am Ratinger Tor Decken und Getränke an wohnungslose Menschen verteilt worden.
Während des Austauschs wurde aber auch deutlich, wie schwierig die Ursachen des Problems sind. Ein ehemaliger Obdachloser schilderte vor Ort, warum viele Betroffene vorhandene Unterkünfte nicht nutzen würden. Dort fühlten sie sich nach eigenen Angaben oftmals unsicher. Die Angst vor Diebstählen, Konflikten oder körperlichen Übergriffen führe dazu, dass manche Menschen lieber auf der Straße übernachten.
Am Ende des Treffens herrschte Einigkeit darüber, dass weder Verbotsschilder noch öffentliche Schuldzuweisungen das Problem lösen werden. Die Jonges wollen künftig stärker auf den Dialog mit sozialen Trägern setzen. Gleichzeitig hoffen sie, dass die Belastungen rund um das Ratinger Tor nicht länger ignoriert werden.
Denn unabhängig von der Debatte bleibt für den Heimatverein die Aufgabe bestehen, eines der bekanntesten historischen Bauwerke Düsseldorfs zu erhalten und zu pflegen – im Interesse der Stadt, ihrer Besucher und aller Menschen, die das Ratinger Tor als Teil des Düsseldorfer Stadtbildes schätzen.

Ein Schlafplatz unter den Arkaden des Ratinger Tores. Die Düsseldorfer Jonges sehen sich dort regelmäßig mit erheblichen Verschmutzungen und Reinigungsarbeiten konfrontiert. © Lokalbüro

