Mit dem Projekt "Social Prescribing" startet in Düsseldorf ein innovativer Ansatz zur Gesundheitsförderung, der medizinische Versorgung, soziale Infrastruktur und kommunale Angebote systematisch miteinander verbindet (v.l.): Lena Rasch (HHU), Dr. Adrienne Alayli (HHU/ Charité), Maren Gall (HHU), Christien Radecki (Charité), Maike Kohl (HHU), Monika Heimes (Techniker Krankenkasse), Marion Fleischer und Ursula Kraus (Amt für Soziales und Jugend), Jan Romich und Robert Kekez (Gesundheitsamt) sowie Cedric Schäfer (Amt für Soziales und Jugend). © Landeshauptstadt Düsseldorf

Mit dem Pro­jekt “Social Pre­scrib­ing” star­tet in Düs­sel­dorf ein inno­va­ti­ver Ansatz zur Gesund­heits­för­de­rung, der medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, soziale Infra­struk­tur und kom­mu­nale Ange­bote sys­te­ma­tisch mit­ein­an­der ver­bin­det (v.l.): Lena Rasch (HHU), Dr. Adri­enne Alayli (HHU/ Cha­rité), Maren Gall (HHU), Chris­tien Rade­cki (Cha­rité), Maike Kohl (HHU), Monika Hei­mes (Tech­ni­ker Kran­ken­kasse), Marion Flei­scher und Ursula Kraus (Amt für Sozia­les und Jugend), Jan Romich und Robert Kekez (Gesund­heits­amt) sowie Ced­ric Schä­fer (Amt für Sozia­les und Jugend). © Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf

 

Ein­sam­keit, Stress, feh­lende Teil­habe am gesell­schaft­li­chen Leben – sol­che Belas­tun­gen tau­chen sel­ten auf Rezep­ten auf, obwohl sie krank machen kön­nen. Genau hier setzt ein neues Düs­sel­dor­fer Modell­pro­jekt an: Unter dem Namen “Social Pre­scrib­ing” ver­knüpft die Lan­des­haupt­stadt ab sofort medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung mit sozia­len Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten in den Stadtteilen.

Die Idee dahin­ter: Haus­arzt­pra­xen sowie Kin­der- und Jugend­arzt­pra­xen sind oft die ers­ten Anlauf­stel­len, an denen soziale Not­la­gen sicht­bar wer­den – noch bevor sie sich zu ernst­haf­ten gesund­heit­li­chen Pro­ble­men aus­wi­ckeln. Künf­tig sol­len Ärz­tin­nen und Ärzte sowie Psy­cho­the­ra­peu­tin­nen und Psy­cho­the­ra­peu­ten sol­che Bedarfe wäh­rend nor­ma­ler Behand­lungs­ter­mine erken­nen und ein soge­nann­tes sozia­les Prä­ven­ti­ons­re­zept aus­stel­len kön­nen. Damit wer­den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten nicht an wei­tere Medi­zi­ner ver­wie­sen, son­dern an eigens geschulte Fach­kräfte mit soge­nann­ter Link-Worker-Funk­tion. Diese ver­mit­teln dann gezielt in wohn­ort­nahe Ange­bote – von Sport­kur­sen über Ernäh­rungs­be­ra­tung bis zu Nach­bar­schafts­treffs, Fami­li­en­zen­tren oder den städ­ti­schen zen­tren plus.

Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ste­phan Kel­ler sieht darin einen Bau­stein für mehr gesund­heit­li­che Chan­cen­gleich­heit in der Stadt. Wer schnel­len Zugang zu pas­sen­den Ange­bo­ten bekomme, könne seine Gesund­heit, sein Wohl­be­fin­den und seine gesell­schaft­li­che Teil­habe bes­ser stär­ken, so Keller.

Beson­ders im Blick haben die Ver­ant­wort­li­chen Kin­der und Jugend­li­che, die über Frei­zeit- und Bewe­gungs­an­ge­bote erreicht wer­den sol­len, sowie Erwach­sene jeden Alters, für die pas­sende Netz­werke vor Ort erschlos­sen wer­den. Ste­phan Glare­min, Lei­ter des Amtes für Sozia­les und Jugend, ver­weist auf die Bedeu­tung enger Ver­net­zung: Wenn es gelinge, Arzt­pra­xen stär­ker mit Fami­li­en­bil­dung, offe­ner Kin­der- und Jugend­ar­beit sowie Stadt­teil­treffs zu ver­bin­den, ent­stehe ein Unter­stüt­zungs­sys­tem, das Men­schen dort errei­che, wo sie leben.

Auch das Gesund­heits­amt sieht in dem Ansatz einen wich­ti­gen Schritt. Andrea Mel­ville-Dre­wes, stell­ver­tre­tende Amts­lei­te­rin, betont, dass Gesund­heit im All­tag der Men­schen ent­stehe – und genau dort müsse Prä­ven­tion anset­zen. Wer­den soziale Belas­tun­gen früh­zei­tig erkannt, stärke das nicht nur die indi­vi­du­elle Gesund­heit, son­dern auch die Teil­habe insgesamt.

Getra­gen wird das Pro­jekt gemein­sam vom Amt für Sozia­les und Jugend und dem Gesund­heits­amt der Stadt. Wis­sen­schaft­lich beglei­tet wird es von der Hein­rich-Heine-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf und der Cha­rité in Ber­lin. Finan­zi­ell unter­stützt und inhalt­lich beglei­tet wird das Vor­ha­ben zudem von der Tech­ni­ker Kran­ken­kasse. Deren NRW-Lan­des­chefin Bar­bara Stef­fens lobt vor allem die enge Zusam­men­ar­beit der betei­lig­ten Ämter und die hohe Prio­ri­tät, die das Thema in Düs­sel­dorf genieße.

Ange­legt ist “Social Pre­scrib­ing” zunächst auf drei Jahre. In die­ser Zeit soll der Ansatz schritt­weise erprobt und wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den – mit dem Ziel, ihn dau­er­haft in die bestehende Ver­sor­gungs­land­schaft ein­zu­bin­den und das Modell spä­ter auch auf andere Städte zu übertragen.