
Die Landeshauptstadt Düsseldorf setzt in Garath ein weiteres Zeichen für Klimaschutz und Klimaanpassung: Seit dem 1. Juni 2026 führt der Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf (SEBD) in Zusammenarbeit mit dem Amt für Verkehrsmanagement und dem Garten‑, Friedhofs- und Forstamt ein Projekt zur Sammlung, Gewinnung und Nutzung von Niederschlagswasser an der Wilhelm-Kreis-Straße durch. Die Bauarbeiten sollen im September 2027 abgeschlossen sein. © Stadt Düsseldorf/Claus Langer
In Garath entsteht derzeit eine Anlage, die zeigen soll, wie Städte künftig mit Starkregen und Trockenperioden gleichermaßen umgehen können. Der Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf (SEBD) hat gemeinsam mit dem Amt für Verkehrsmanagement sowie dem Garten‑, Friedhofs- und Forstamt an der Wilhelm-Kreis-Straße ein Pilotprojekt gestartet, das Regenwasser nicht mehr einfach in die Kanalisation ableitet, sondern gezielt speichert und wiederverwendet. Seit dem 1. Juni laufen die Arbeiten, fertig sein soll die Anlage im September 2027.
Kernstück des Vorhabens ist ein unterirdischer Speicher mit rund 140 Kubikmetern Fassungsvermögen, der auf einem städtischen Grundstück errichtet wird. Das Besondere daran ist die Steuerung: Über Regenradardaten mehrerer Stationen wird versucht, Starkregen möglichst frühzeitig vorherzusagen. Kündigt sich ein solches Ereignis an, öffnen automatische Kanalisationsschieber die Speicherbecken und schaffen so rechtzeitig Platz, damit die Wassermassen abgefangen werden können. Erst wenn die Gefahr vorüber ist, schließt sich das System wieder, und das gesammelte Wasser bleibt im Speicher.
In niederschlagsärmeren Phasen funktioniert die Anlage dagegen wie eine klassische Zisterne. Das aufgefangene Regenwasser wird dann für die Bewässerung genutzt, unter anderem automatisiert für eine Musterpflanzfläche direkt vor Ort. Zusätzlich sollen Tankfahrzeuge das Wasser abholen können, um damit auch andere Grünflächen im Stadtgebiet zu versorgen – eine Möglichkeit, die besonders in trockenen Sommermonaten an Bedeutung gewinnen dürfte.
Stadtkämmerin Dorothée Schneider ordnet das Projekt als Beispiel dafür ein, wie sich Klimaanpassung, Ressourcenschonung und Digitalisierung miteinander verbinden lassen. Regenwasser solle nicht länger als bloßes Abwasser gelten, sondern als Ressource, die sich gezielt nutzen lässt, während gleichzeitig der Schutz vor Starkregen verbessert und die städtische Infrastruktur entlastet werde.
Begleitet wird das Projekt wissenschaftlich durch eine Hochschule. Untersucht werden sollen unter anderem die Wasserqualität, die tatsächliche Verfügbarkeit des gesammelten Regenwassers sowie die Frage, wie zuverlässig sich die Regenradardaten im Vergleich zum realen Niederschlag im Gebiet erweisen. Die Erkenntnisse sollen zeigen, ob sich das Modell auch auf andere Stadtteile übertragen lässt.
Finanziell wird das Vorhaben über ein Förderprogramm der Europäischen Union und des Landes NRW im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung unterstützt. 80 Prozent der Fördersumme übernehmen EU und Land, wodurch für die Landeshauptstadt Düsseldorf ein Zuschuss von 480.000 Euro zusammenkommt.