
Symbolbild Rettungswagen © Lokalbüro
Von Gabriele Schreckenberg
Gegen 23.30 Uhr kommen wir an. Es hat uns keine Ruhe gelassen, nachdem eine verirrte Fledermaus an den Hinterkopf meiner besten Freundin geflogen ist und sie möglicherweise gebissen hat.
Dank Dr. Google finden wir nach der Attacke im Dunkeln bei der letzten Hunde-Gassirunde schnell heraus, dass Fledermäuse bei ihrem Biss Tollwut übertragen können. Und noch mehr lesen wir: Tollwut ist immer tödlich. Ein bisschen Tollwut gibt es nicht, nur das volle Programm.
Also ab ins Auto und los zur Uniklinik Düsseldorf.
Als wir nach 25 Minuten ankommen, ist der Parkplatz vor der Notaufnahme halb voll. Die Klinikräume rings herum sind hell erleuchtet, immer wieder kommen Ärztinnen und Ärzte und Pflegepersonal aus den Türen, nehmen Platz auf den Bänken vor dem Eingang und atmen mal durch. Gemeinschaft macht stark.
Drei Rettungswagen in zwei Stunden
Dreimal kommt innerhalb von zwei Stunden der Rettungswagen. Drei Liegendtransporte werden direkt vor dem Eingang der Notaufnahme abgesetzt. Zwei junge Frauen und ein Mann, alle in der Kleidung der Rettungssanitäter und mit Arbeitsschuhen ausgestattet, schieben die Patienten hinein: zwei Männer und einen Menschen mit angeschlossener Sauerstoffzufuhr. Das Gesicht kann ich vom Fahrersitz meines Autos aus nicht erkennen.
Von hier aus sehe ich in ein Arbeitszimmer, in dem ein junger Mann in grüner OP-Kleidung am Computer sitzt. Das Rollo vor dem bodentiefen Fenster weht im Sommerwind. Er sitzt da lange. Irgendwann ist der Stuhl leer. Ob er nun im OP ist?
Immer wieder kommen Fahrzeuge in hohem Tempo an mir vorbei. Kennzeichen aus Bochum, Duisburg und Mönchengladbach sind dabei.
Also längst nicht nur aus Düsseldorf.
Alles läuft
Die Nacht nimmt ihren Lauf. Ein Paar mit Dokumenten in der Hand steigt neben mir ein, sie sehen beide erleichtert aus.
Ein beleibter Mann geht vor, hinter ihm seine Frau, die nur auf ihr Handy schaut. Die etwa achtjährige Tochter läuft an der Seite ihrer Mutter und redet auf sie ein. Sprachlose Eltern.
Etwa zwei Stunden lang ist meine Freundin in der Notaufnahme verschwunden. Immer wieder gibt sie mir per Smartphone ein Update. „Es kann noch dauern“, schreibt sie. „Etwa 40 Leute sitzen hier und es werden kaum Patienten aufgerufen.“ Das liegt sicher an Notfällen, die mit den RTWs angekommen sind.
Nach einer Stunde schreibt sie: „Gleich bin ich dran!“ Kein Problem, ich sitze gut behütet im Auto und habe Zeit. Um mich herum herrscht konzentrierte Spannung in dieser Nacht.
Die drei Sanitäterinnen und Sanitäter sitzen inzwischen nebeneinander auf der Reling ihres Einsatzwagens. Eine kurze Pause vor dem nächsten Einsatz muss sein!
In der Notaufnahme, so erzählt meine Freundin mir auf der Rückfahrt, ist alles an Fällen dabei, was das Leben so abbildet. Menschen am Tropf, ausgekugelte Schultern, schwere Sehprobleme, möglicherweise Krebspatienten im Endstadium, die sich Hilfe holen.
Dunkelheit und Einsamkeit machen ängstlich
Die Nacht macht ängstlich. Und wenn noch Einsamkeit hinzukommt, ist schnell die Notfallnummer gewählt.
Nach zwei Stunden steht meine Freundin vor meinem Auto. Den Impfpass in der Hand, einen Diagnosebericht von zwei Ärzten. Beide haben mit Lupe und viel Licht den Hinterkopf nach Bissspuren der Fledermaus gesucht, nichts gefunden und eine erste Impfung gegen Tollwut verabreicht.
Wir fahren zum Ausgang und Kassenautomaten. Vor uns ein junger, gebräunter Mann aus Bochum.
Wir zahlen 6,50 Euro Parkgebühr und fahren heim. Die Nacht war aufregend, gegen 2.30 Uhr in der Früh sind wir zu Hause.
Ich setze sie noch schnell ab und denke über den Ablauf nach. Meine Freundin erzählt mir, dass die beiden Ärzte im Notdienst etwas müde aussahen. Kein Wunder im 24-Stunden-Dienst.
Ich bin so dankbar, dass wir dieses System haben. Dass es eine Uniklinik gibt, die rund um die Uhr geöffnet ist und für die Menschen da draußen da ist. Das ist nicht hoch genug zu schätzen!
„Danke an all die Menschen, die nachts dafür sorgen, dass anderen geholfen wird.“