
Mit Geige, Bratsche und Cello ließ das Streichquartett die Hymnen der Disney-Prinzessinnen mitten im Kerzenmeer von Schloss Garath erklingen. LB / Olaf Oidtmann
Es war ein Bild wie aus einem Märchenbuch: Tausende Kerzen tauchten den prunkvollen Festsaal von Schloss Garath am Samstagabend in warmes, goldenes Licht – viele von ihnen kunstvoll zu einer Herzform auf dem Parkettboden arrangiert, als hätte jemand mit Feuer gemalt. Vor der kunstvoll verzierten Kaminwand, umrahmt von tiefrotem Damast-Tapetenmuster und funkelnden Kristallleuchtern, ließ ein Streichquartett mit „Candlelight: Disney Princess“ die Hymnen der bekanntesten Disney-Heldinnen lebendig werden – und mit ihnen ein Stück Kindheit, das viele im Saal längst vergessen geglaubt hatten.
Besonders bemerkenswert war dabei die Geschichte hinter den vier Musizierenden selbst: Die erste Geige kam aus Russland, die zweite Geige aus dem Iran, die Bratsche aus Spanien und das Cello aus Rumänien. Vier völlig unterschiedliche Herkunftsländer, vier unterschiedliche musikalische Prägungen – zusammengefunden hatten sie sich einst an der Düsseldorfer Musikhochschule. Dass ausgerechnet ein so international zusammengesetztes Ensemble an diesem Abend die zutiefst amerikanischen Disney-Melodien interpretierte, verlieh dem Konzert eine zusätzliche, fast sinnbildliche Note: Musik als Sprache, die keine Landesgrenzen kennt.
Wer den Saal betrat, tauchte spürbar in eine andere Welt ein. Kein greller Scheinwerfer, kein lautes Blitzlicht – nur das sanfte Flackern unzähliger Kerzen, das sich in den goldverzierten Spiegeln und auf den historischen Konsolentischen brach und den ganzen Raum in einen warmen, fast schwerelosen Glanz tauchte. Auf roten Polsterstühlen, die sich dicht um die kerzengesäumte Spielfläche gruppierten, saß das Publikum in gebannter Stille. Als die ersten Töne der Violinen durch den Saal schwebten, wurde spürbar leise geatmet – so, als wolle niemand den Zauber des Moments durch das kleinste Geräusch stören. Zwei Violinen, eine Bratsche und ein Cello führten im Wechselspiel durch die vertrauten Melodien aus den großen Disney-Filmen, und mit jedem Bogenstrich schienen sich Erinnerungen an Kindernachmittage vor dem Fernseher, an erste Kinobesuche und an lange verklungene Gutenachtgeschichten wieder wach zu rufen.
Immer wieder wanderten Blicke der Gäste zwischen den Musizierenden und dem Kerzenmeer hin und her, manche mit einem leisen Lächeln, andere sichtlich ergriffen von der Intensität des Moments. Es war ein Abend, an dem die Grenze zwischen Zuhörerschaft und Erlebnis zu verschwimmen schien – als säße man nicht bloß im Publikum, sondern mitten in einer eigenen kleinen Geschichte, umgeben von Licht, Musik und der leisen Magie, die nur ein Raum voller brennender Kerzen erzeugen kann.
Das Konzept der Candlelight-Reihe lebt genau von diesem Kontrast: Klassische und populäre Musik wird bei Kerzenschein aufgeführt und soll so auch einem Publikum zugänglich gemacht werden, das mit klassischen Konzertformaten sonst wenig Berührung hat. Schloss Garath, dessen Ursprünge urkundlich bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, bot mit seinem prächtigen Festsaal die perfekte Kulisse für diesen besonderen Abend. Der Auftritt dauerte rund eine Stunde und wurde, wie bei den Candlelight-Konzerten üblich, ohne Pause durchgespielt – und doch verging die Zeit für viele im Saal wie im Flug, getragen von einer Musik, die tief in kindliche Erinnerungen greift und dabei nichts von ihrer emotionalen Kraft verloren hat.
Wer selbst noch einmal in dieses besondere Kerzenlicht-Ambiente eintauchen möchte, muss dafür nicht lange warten: Im Schloss Garath ist bereits das nächste Disney-Programm angekündigt. Unter dem Titel „Candlelight: Disney Love Songs“ widmet sich ein lokales Streichquartett den schönsten Liebesliedern aus der Welt von Disney und Pixar – ein musikalischer Streifzug durch mehrere Generationen der Disney-Geschichtenwelt, von zeitlosen Animationsklassikern bis zu moderneren Produktionen.
Die Termine im Schloss Garath: am 6. September sowie am 11., 18., 23. und 25. Oktober 2026, jeweils um 18 und um 20 Uhr. Die Preise starten bei 49 Euro, Tickets gibt es online unter feverup.com/m/677197.