Errichtet im Zuge der Neugestaltung des Gertrudisplatzes prägt das Rathaus Eller gemeinsam mit Kirche, Marktplatz sowie Wohn- und Geschäftshäusern den historischen Ortskern. © Landeshauptstadt Düsseldorf/Bauaufsichtsamt

Errich­tet im Zuge der Neu­ge­stal­tung des Ger­tru­dis­plat­zes prägt das Rat­haus Eller gemein­sam mit Kir­che, Markt­platz sowie Wohn- und Geschäfts­häu­sern den his­to­ri­schen Orts­kern. © Lan­des­haupt­stadt Düsseldorf/Bauaufsichtsamt

 

Ein statt­li­cher Back­stein­bau am Ger­tru­dis­platz, der bis heute von einer Zeit erzählt, als Eller noch eine eigene Gemeinde war: Das Rat­haus Eller fei­ert in die­sem Jahr sein 125-jäh­ri­ges Bestehen. Aus die­sem Anlass hat das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf das Gebäude nun zum Denk­mal des Monats Sep­tem­ber 2026 gekürt.

Das Rat­haus ent­stand einst als Ver­wal­tungs­sitz der damals noch selbst­stän­di­gen Gemeinde Eller und wurde im Zuge der Neu­ge­stal­tung des Ger­tru­dis­plat­zes errich­tet. Gemein­sam mit der Kir­che, dem Markt­platz sowie umlie­gen­den Wohn- und Geschäfts­häu­sern prägt es bis heute den his­to­ri­schen Orts­kern. Beson­ders macht das Gebäude, dass es eines der weni­gen nahezu unver­än­dert erhal­te­nen Ver­wal­tungs­bau­ten aus der Zeit vor der Ein­ge­mein­dung Ellers im Jahr 1909 ist – und damit von hoher städ­te­bau­li­cher wie geschicht­li­cher Bedeutung.

Ein Ver­wal­tungs­bau aus dem preu­ßi­schen Kaiserreich
Errich­tet wurde das Rat­haus zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts, in der Zeit des preu­ßi­schen Kai­ser­reichs. Eller zählte damals rund 6.000 Ein­woh­ner und war erst 1896 von einer Land­ge­meinde zur Bür­ger­meis­te­rei erho­ben wor­den. Für die auf­stre­bende Gemeinde ent­warf der dama­lige Kreis­bau­meis­ter Robert Kohl­ha­gen ein Gebäude, das schon damals grö­ßer und reprä­sen­ta­ti­ver aus­fiel, als es die Ein­woh­ner­zahl auf den ers­ten Blick hätte erwar­ten las­sen – ein Bau mit Blick auf die Zukunft.

Neo­re­nais­sance als archi­tek­to­ni­sches Statement
Das Rat­haus ist ein zwei­ge­schos­si­ger Bau aus rotem Back­stein, des­sen Fas­sade durch Natur­werk­stein­ele­mente geglie­dert wird. Das Dach ist mit Natur­schie­fer gedeckt. Meh­rere ver­setzt ange­ord­nete und teils inein­an­der­grei­fende Gebäu­de­teile, unter­schied­li­che Höhen sowie vor- und zurück­sprin­gende Fas­sa­den und Turm­auf­bau­ten ver­lei­hen dem Bau ein leben­di­ges, fast male­ri­sches Erscheinungsbild.

Sti­lis­tisch ori­en­tiert sich das Rat­haus am His­to­ris­mus, der his­to­ri­sche Bau­stile auf­griff und neu inter­pre­tierte. Die Wahl fiel auf die Neo­re­nais­sance – eine Rück­be­sin­nung auf die For­men­spra­che der Renais­sance, die einst mit ihren klas­si­schen For­men die mit­tel­al­ter­li­chen Bau­stile von Roma­nik und Gotik abge­löst hatte. Bemer­kens­wert: Die fast zeit­gleich errich­tete Ger­tru­dis­kir­che wurde im Stil der Neu­go­tik gebaut. Am Ger­tru­dis­platz tref­fen damit nicht nur welt­li­che und geist­li­che Insti­tu­tio­nen auf­ein­an­der, son­dern auch zwei gegen­sätz­li­che his­to­ri­sche Baustile.

Die Renais­sance stand ursprüng­lich für ein erstark­tes welt­li­ches und staat­li­ches Selbst­be­wusst­sein, das im 19. Jahr­hun­dert unter dem Ber­li­ner Archi­tek­ten Karl Fried­rich Schin­kel in Form des Klas­si­zis­mus eine neue Blüte erlebte – Ber­lin trug wegen sei­ner Anleh­nung an die grie­chi­sche Antike sogar den Bei­na­men “Spree-Athen”. Diese Tra­di­tion griff auch das Rat­haus Eller auf: Gesimse und Kreuz­stock­fens­ter mit Natur­stein­ein­fas­sun­gen glie­dern die Back­stein­fas­sade, ergänzt durch Mau­er­werks­ver­zah­nun­gen und Kon­so­len. Ein von einem preu­ßi­schen Adler bekrön­ter Schweif­gie­bel macht bis heute deut­lich, dass Eller einst als Bür­ger­meis­te­rei des preu­ßi­schen Reichs galt.

Ellers Weg vom Dorf zum Düs­sel­dor­fer Stadtteil
1909 wurde Eller nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det. Heute ist es der namens­ge­bende Stadt­teil des Stadt­be­zirks 8, zu dem auch Lie­ren­feld, Unter­bach und Venn­hau­sen gehö­ren. Die Ent­wick­lung Ellers steht dabei sinn­bild­lich für das rasante Wachs­tum Düs­sel­dorfs zur Indus­trie­stadt: Auch wenn sich in Eller selbst nur ver­ein­zelt Betriebe ansie­del­ten, leb­ten dort viele Men­schen, die in den Indus­trie­be­trie­ben von Ober­bilk und Lie­ren­feld arbei­te­ten. Mit der wach­sen­den Bevöl­ke­rung stieg auch der Bedarf an öffent­li­chen Gebäu­den – ein Bedarf, dem zunächst nur behelfs­mä­ßig begeg­net wer­den konnte, bis Eller schließ­lich Ver­wal­tungs­auf­ga­ben über­nahm, die zuvor von Hil­den und Ben­rath mit­ge­tra­gen wor­den waren.

Ein Orts­kern, der die Rich­tung wechselte
Ursprüng­lich ent­wi­ckelte sich Eller ent­lang der heu­ti­gen Stra­ßen Alt Eller und Eller­kirch­straße, einer Achse zwi­schen Wers­ten im Süd­wes­ten und Venn­hau­sen im Nord­os­ten. Auch der 1872 errich­tete Bahn­hof an der Venn­hau­ser Allee, der heu­tige Kul­tur­bahn­hof, ori­en­tierte sich noch an die­ser Aus­rich­tung. Spä­ter ver­schob sich die Ent­wick­lung: Die Gum­bert­straße wurde aus­ge­baut und ver­band die alten Dorf­stra­ßen im rech­ten Win­kel mit dem nord­west­lich gele­ge­nen Klei­nel­ler. Zen­tra­ler Bestand­teil die­ser Erwei­te­rung war der lang­recht­eckige Ger­tru­dis­platz, der Raum für die neuen öffent­li­chen Gebäude schuf. Die Ger­tru­dis­kir­che liegt am süd­öst­li­chen Ende des Plat­zes, das Rat­haus am gegen­über­lie­gen­den süd­west­li­chen Ende, dort, wo Ger­tru­dis­platz und Gum­bert­straße inein­an­der übergehen.

Ein­zig­ar­tig für Düsseldorf
Dass eine noch ver­gleichs­weise kleine, erst kurz zuvor zur Bür­ger­meis­te­rei auf­ge­stie­gene Gemeinde ein der­art reprä­sen­ta­ti­ves Rat­haus samt städ­te­bau­li­chem Umfeld rea­li­sie­ren konnte, gilt als städ­te­bau­li­che Beson­der­heit ohne Ver­gleich in Düs­sel­dorf. Die Denk­mal­be­reichs­sat­zung “Zen­trum Eller” trägt dem Rech­nung: Sie schützt nicht nur ein­zelne Gebäude, son­dern die gesamte um die Jahr­hun­dert­wende ent­stan­dene Anlage rund um Rat­haus und Ger­tru­dis­platz. Zum 125-jäh­ri­gen Jubi­läum gibt es damit gleich dop­pel­ten Grund zum Fei­ern – das Gebäude selbst und sein beson­de­res Umfeld, das bis heute vom kom­mu­na­len Selbst­be­wusst­sein des einst eigen­stän­di­gen Eller erzählt.

Monat­li­che Reihe zu Düs­sel­dorfs Baugeschichte
Das Insti­tut für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pflege im Bau­auf­sichts­amt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf stellt regel­mä­ßig auf gro­ßes öffent­li­ches Inter­esse an der Düs­sel­dor­fer Bau­ge­schichte fest. Aus die­sem Anlass prä­sen­tiert die städ­ti­sche Denk­mal­be­hörde monat­lich ein Bau­werk oder einen Ort aus der Reihe “Düs­sel­dorfs Denk­mal des Monats” – sicht­bare wie ver­bor­gene Zeug­nisse der wech­sel­vol­len Stadtgeschichte.