Pro Wein Düsseldorf © Loklbüro

Pro Wein Düs­sel­dorf © Loklbüro

 

Von Man­fred Fammler

Der Rot­wein blu­tet, alles, was blub­bert, ist im Trend, und dem Weiß­wein geht es immer bes­ser. Auf die­sen ein­fa­chen Satz lässt sich der der­zei­tige Sta­tus quo der deut­schen Wein­welt redu­zie­ren. Gäbe es nicht den Herrn in Orange, der lie­ber mit hoch­ex­plo­si­ven Din­gen statt mit mehr oder weni­ger hoch­pro­zen­ti­gem Alko­hol jon­gliert, wären die Aus­sich­ten nicht schlecht. Oder wie Stef­fen Schind­ler vom Deut­schen Wein­in­sti­tut meinte: „30 Mil­lio­nen Skan­di­na­vier trin­ken der­zeit mehr als 340 Mil­lio­nen Amerikaner.”

Dank der Trump­schen Straf­zoll­po­li­tik brach die Ver­schif­fung des deut­schen Reben­safts in das wich­tigste Wein­ex­port­land USA um elf Pro­zent ein. Nur noch 118.000 Hek­to­li­ter flos­sen durch ame­ri­ka­ni­sche Keh­len. Die Expor­teure muss­ten des­halb den Ver­kaufs­preis ab Hof um 41 Cent auf 4,43 Euro pro Liter sen­ken. Aus die­sem Grund fällt das Minus beim aus­ge­führ­ten Wein mit 19 Pro­zent auf 51 Mil­lio­nen Euro noch deut­li­cher aus.

Wer kann diese star­ken Rück­gänge auf­fan­gen? Hier hofft die Bran­che auf die skan­di­na­vi­schen Län­der, Polen und China. Vor allem Ries­ling erfreue sich bei erfolg­rei­chen Busi­ness­frauen im Land des Lächelns gro­ßer Beliebt­heit, sagte Schind­ler. Sehr posi­tiv hat sich der Ver­kauf auch im öst­li­chen Nach­bar­land ent­wi­ckelt: „Polen ist von Platz acht auf Platz drei gestiegen.”

Ach ja, der weiße Reben­saft. Auch die Wein­bau­ern in Kali­for­nien sind auf den Trend auf­ge­sprun­gen. Seit 1996 seien dort erst­mals mehr weiße als rote Trau­ben geern­tet wor­den. In Pro­zen­ten aus­ge­drückt: Auf 49 Pro­zent stieg der Weiß­wein­kon­sum, der Rot­wein fiel auf 37 Pro­zent, und Rosé ver­zeich­nete einen Anstieg von acht auf 14 Pro­zent. Die Kam­pa­gne „Drink Pink” scheint somit zu fruch­ten. Und trotz­dem ist der Gesamt­ver­brauch rück­läu­fig. Jeder Bun­des­bür­ger genoss im ver­gan­ge­nen Jahr etwas mehr als 21 Liter Wein.

Zu wenig, wie die deut­schen Bran­chen­ver­tre­ter mei­nen. Sie wol­len nun mit einer mil­lio­nen­schwe­ren Kam­pa­gne den deut­schen Wein „emo­tio­na­li­sie­ren”, sagte Mela­nie Broyé-Engel­kes vom Deut­schen Wein­in­sti­tut (DWI). Sinn­ge­mäß soll Wein sty­li­scher und modi­scher wer­den. Der Inhalt eines Römers oder eines Ach­tels soll zum „Erleb­nis” wer­den. „Der Kauf soll sich nicht allein am Preis ori­en­tie­ren”, sagte sie. So hof­fen die deut­schen Wein­bau­ern nun, dass die Kam­pa­gne „Dein Moment. Dein Wein. Ohne Wein wäre es nur ein Moment.” gerade junge Men­schen wie­der an die Regale von Super­märk­ten, Ket­ten oder Ein­zel­händ­lern führt und ver­lo­rene Markt­an­teile zurückgewinnt.

Nun ging es bei der dies­jäh­ri­gen Pro­Wein nicht allein um den Absatz von Spi­ri­tuo­sen und Reb­säf­ten, son­dern auch um die Posi­tion der Düs­sel­dor­fer Wein­messe im welt­wei­ten Mes­se­ka­len­der. Das all­jähr­li­che Ärger­nis über­zo­ge­ner Hotel- und Über­nach­tungs­preise, die Pari­ser Kon­kur­renz und – mal wie­der – ein loka­ler Streik bei den Ver­kehrs­be­trie­ben wäh­rend der Mes­se­tage erschwe­ren eine posi­tive Bilanz von Besu­chern und Ausstellern.

Um sich die­sen Wid­rig­kei­ten zu stel­len, setzte die Messe Düs­sel­dorf erst­mals auf ein neues Kon­zept. So sollte die Pro­Wein stär­ker zum Erleb­nis­fes­ti­val wer­den. Die Ver­an­stal­ter setz­ten stär­ker auf Erleb­nis, Inter­ak­tion und inter­na­tio­nale Zukunfts­the­men. Mit Fes­ti­val-Cha­rak­ter, neuen For­ma­ten und einem über­ar­bei­te­ten Hal­len­kon­zept sollte die Leit­messe für Wein und Spi­ri­tuo­sen neue Impulse für die Bran­che setzen.

Zen­tra­ler Treff­punkt wurde die Pro­Wein Agora Stage, auf der Key­notes, Panels und Visio­nary Talks statt­fan­den. Inter­na­tio­nale Spea­ker dis­ku­tier­ten Trends, Inno­va­tio­nen und die Zukunft der glo­ba­len Wein- und Spi­ri­tuo­sen­märkte. Auch the­ma­ti­sche Berei­che wur­den neu insze­niert: Pro­Wein Zero wurde in Halle 5 erwei­tert und umfasste neben alko­hol­freien Wei­nen nun auch Spi­ri­tuo­sen. In Halle 4 lud Pro­Wein Spar­k­ling zu einer Ent­de­ckungs­reise mit eige­ner Bar, Speed-Tastings und mode­rier­ten Ses­si­ons rund um Schaum­weine ein.

Par­al­lel dazu wurde das Hal­len­kon­zept neu struk­tu­riert. Die Hal­len 1 bis 7 wur­den laut Messe über­sicht­li­cher orga­ni­siert, um rund 4.000 Aus­stel­lern aus mehr als 60 Län­dern bes­sere Sicht­bar­keit und kür­zere Wege zu ermög­li­chen. Erst­mals belegte der Spi­ri­tuo­sen­be­reich Pro­Spi­rits zwei kom­plette Hallen.

Ob sich die erhoff­ten rund 4.000 Aus­stel­ler aus über 50 Län­dern davon über­zeu­gen lie­ßen, wird sich erst im nächs­ten Jahr zeigen.

 

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