
Lili Paul-Roncalli © LB / Olaf Oidtmann
Von Manfred Fammler
Mit stehenden Ovationen, leuchtenden Augen bei Groß und Klein sowie einer gehörigen Portion Nostalgie hat das Circus-Theater Roncalli am Samstagabend seine Jubiläumstournee zum 50-jährigen Bestehen im Düsseldorfer Rheinpark eröffnet. Der NRW-Kulturbotschafter feiert ein halbes Jahrhundert voller Poesie, Artistik und Zirkusgeschichte.
Schon beim Betreten des historischen Chapiteaus wird deutlich: Roncalli bleibt seiner unverwechselbaren Handschrift treu. Samtrote Vorhänge, nostalgische Wagen, ein Live-Orchester im Vorzelt und über der Manege sowie eine Atmosphäre zwischen Traumwelt und Varieté entführen das Publikum in eine andere Zeit. Gleichzeitig präsentiert sich die Jubiläumsshow überraschend modern.
„Das Programm soll kein reiner Rückblick werden, sondern eine Tür in die Zukunft öffnen“, hatte Gründer und Direktor Bernhard Paul bereits im Vorfeld angekündigt.
Die Premiere bot zahlreiche Höhepunkte: Atemberaubende Hand-auf-Hand-Akrobatik, elegante Luftartistik am Ring, rasante Trampolin-Nummern und beeindruckende Hula-Hoop-Kunst sorgten für Szenenapplaus. Immer wieder verband Roncalli artistische Höchstleistungen mit poetischen Bildern und musikalischer Begleitung durch das Live-Orchester. Es wäre ungerecht, einzelne Auftritte hervorzuheben, da die Schwebedarbietungen ebenso begeisterten wie die Kraft- und Illusionskünstler.
Besonders die großen Ensemble-Szenen zeigten die Stärke des Hauses: Farbenprächtige Kostüme, choreografierte Tanzbilder sowie das Zusammenspiel von Licht, Musik und Artistik machten die Manege zu einer lebendigen Bühne voller Fantasie.
Dabei wurde deutlich, dass das Jubiläum nicht nur die Vergangenheit würdigt. Mit Lili Paul-Roncalli, Justin (Fliegender Mast) und Geraldine Philadelphia (Ringjonglage) steht bereits die nächste Generation bereit, die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.
Gerade an diesem Premierenabend wurde deutlich, wofür Roncalli seit Jahren steht: für einen modernen Circus ohne Tierdressuren, der seine Wirkung allein aus Artistik, Clownerie, Musik, Licht und visueller Inszenierung zieht. Statt Nummern bloß aneinanderzureihen, entstand in der Manege eine Traumwelt, die den unverwechselbaren Circus-Theater-Stil des Hauses trägt und Roncalli weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht hat.
Dass diese Form des Zirkus heute so selbstverständlich wirkt, ist Teil der Geschichte, die an diesem Abend immer wieder mitschwang. Gegründet wurde Roncalli am 18. Mai 1976 von Bernhard Paul. Nach schwierigen Anfangsjahren gelang 1980 mit dem Programm „Reise zum Regenbogen“ der Durchbruch. Aus einem alternativen Zirkusprojekt wurde eine internationale Kulturmarke, deren Gastspiele unter anderem nach Moskau, Sevilla, Amsterdam und New York führten. In Düsseldorf war diese Vergangenheit nicht bloß Erinnerung, sondern Teil jeder Szene: in den nostalgischen Wagen, den Kostümen, der Musik und dem Staunen des Publikums.
Einer der bewegendsten Augenblicke des Premierenabends war der Auftritt von Roncalli-Gründer Bernhard Paul, der vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus empfangen wurde – an der Seite von NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Paul blickte auf die lange Geschichte seiner Idee zurück und stellte dabei die berechtigte Frage, warum der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst noch nicht einmal auf seine Einladung reagiert hätten. „Auf die Antworten warte ich immer noch.“
Manch einer im Rund wird dabei an den ehemaligen Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Johannes Rau gedacht haben, der zu den größten Roncalli-Fans zählte und wesentlich daran beteiligt war, das Apollo-Varieté in Düsseldorf anzusiedeln.
Diesen kleinen Seitenhieb überhörte Mona Neubaur nonchalant und bekannte amüsiert: „Das ist das erste Mal, dass ich mit einem Tusch begrüßt wurde.“ Die Ministerin lobte das Circusunternehmen und wünschte dem Publikum: „Lassen Sie sich in Irritation und Staunen versetzen.“
Die Jubiläumspremiere im Düsseldorfer Rheinpark zeigt eindrucksvoll, warum Roncalli seit fünf Jahrzehnten Menschen begeistert. Das Programm verbindet nostalgischen Charme mit zeitgemäßer Artistik und beweist, dass Zirkus auch im 21. Jahrhundert ein Ort des Staunens sein kann.
Nach rund zweieinhalb Stunden verabschiedeten sich die Künstlerinnen und Künstler unter minutenlangen Standing Ovations und einem Meer aus bunten Ballons vom Premierenpublikum. Ein passender Auftakt für den Düsseldorfer Jubiläumsauftritt, der nicht nur zurückblickt, sondern voller Zuversicht den Weg in die Zukunft weist.
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