Dominik Zelles © Anja Knoche
Felix Krämer © Anja Knoche
Janina Rüger © Anja Knoche
Michael Frings © Anja Knoche
Tino Hoogterp © Anja Knoche

Von The One & Only Man­fred Fammler

Ein Käfer in einer blü­hen­den Blu­men­wiese, Jan Wel­lem und Anna Maria von Medici bli­cken über eine Blu­men­he­cke hin­weg, und anfangs kahle Stö­cke win­den sich ran­ken­ähn­lich an einer Wen­del­treppe empor, um schließ­lich von wei­ßen Schmet­ter­lin­gen und Blu­men geschmückt zu werden.

Der Kunst­pa­last zeigt zum drit­ten Mal „Palast­blü­hen“ – und Lan­ge­weile für das Auge gibt es garan­tiert nicht. Eher ein bun­tes „Früh­lings­fest“ der Impressionen.

Das Zusam­men­spiel von Raum, Kunst­ob­jekt und Blü­ten­in­stal­la­tion ver­än­dert die Räume – und vor allen Din­gen die Wahr­neh­mung des Betrach­ters. Wie eben der bereits erwähnte blaue VW-Käfer: Ganz nüch­tern auf sei­nem ange­stamm­ten Platz in der Mitte eines hel­len Rau­mes ist er ein Sym­bol für eine ver­gan­gene Epo­che. Auf Hoch­glanz poliert und mit zwei Rosen in dem obli­ga­to­ri­schen Blu­men­vä­schen am Arma­tu­ren­brett ist er natür­lich eine Stilikone.

Nun aber, umringt von einem bun­ten Blu­men­meer, scheint er eine neue Bestim­mung zu erfah­ren. Künst­ler Domi­nik Zel­les von Vic­tor Breuer meint dazu: „Ich stelle mir vor, dass die­ser Wagen in einer Wiese abge­stellt wurde und die Men­schen nun einen Spa­zier­gang machen.“ Eine mög­li­che Sicht­weise. Eine andere könnte sein, dass die­ser Wagen jahr­zehn­te­lang hin­ter einer Hecke stand und nun frei­ge­legt wie­der zum Vor­schein kommt.

Genau dazu zwingt das „Palast­blü­hen“ auf äußerst char­mante Weise: Es bringt den Betrach­ter dazu, seine Per­spek­tive zu wech­seln. Es for­dert dazu auf – aus­ge­nom­men Sel­fie­jä­ger und Influen­cer, die eher sich selbst statt der Objekte ins Zen­trum set­zen –, Nuan­cen zu erken­nen, die zuvor im Bild verschwanden.

Ein Bei­spiel ist Max Lie­ber­manns „Kar­tof­fel­feld“. „Die­ses Gemälde hat mich sofort ange­zo­gen“, erzählt Janina Rüger von Blü­ten & Meer. Hell­blau, Creme, Braun­töne – alles, was sich im Bild wider­spie­gelt, habe sie farb­lich auf­ge­grif­fen, weil es sich „blu­mig sehr gut umset­zen ließ“.

Das Außer­ge­wöhn­li­che liegt jedoch zu den Füßen des Bil­des: Kar­tof­feln in Bast­kör­ben. „Ich war ges­tern noch die roten Kar­tof­feln kau­fen, die auch auf dem Bild zu sehen sind“, berich­tet die Palast­blü­hen-Debü­tan­tin. Acht Blu­men­häu­ser sind in die­sem Jahr dabei, sie­ben davon bereits mehrfach.

Apro­pos Aus­wahl: In der Advents­zeit waren die Flo­ris­tin­nen und Flo­ris­ten ein­ge­la­den, durch die Aus­stel­lung zu wan­deln. Anschlie­ßend soll­ten sie ein Kon­zept für ihre Idee ent­wi­ckeln und vor­stel­len. Eine Vor­gabe, wel­ches Objekt oder wel­chen Raum sie gestal­ten, gibt es nicht – und genau das ist die Stärke die­ser Ausstellung.

Wie sonst käme man auf die Idee, 500 weiße Rosen ohne Blät­ter am Stiel im Raum „Radi­kale Reduk­tion“ zu dra­pie­ren? „Ich finde, dass man sich mal auf das Wesent­li­che beschrän­ken und sich auf schlichte, klare For­men kon­zen­trie­ren muss“, sagt Michael Frings. „Die wei­ßen Rosen strah­len Ele­ganz aus. Sie brau­chen kei­nen Beglei­ter – gerade diese Sorte ‚Cand­le­light‘ hat so große Blüten.“

Doch wäh­rend die grü­nen Blät­ter ent­fernt und die Blü­ten geöff­net wur­den, blie­ben die Dor­nen bestehen. Ent­steht hier also ein Ambi­ente für Hoch­zeits­an­träge, umrahmt von einem Meer aus wei­ßen Rosen?

Der Kunst­pa­last macht es mög­lich – ebenso wie die schwe­ben­den Orchi­deen, kre­iert von Timo Hoog­terp vom Blu­men­haus am Hof­gar­ten. Warum gerade die­ser Raum? Für ihn sei es der größte und impo­san­teste Raum der Samm­lung, der jedoch bis­lang nie voll­stän­dig genutzt wurde. „Des­we­gen wollte ich ihn mit Blü­ten füllen.“

In Ver­bin­dung mit dem Bild „Marias Him­mel­fahrt“ schwe­ben nun zahl­rei­che Orchi­deen der Sorte „Vanda“ schein­bar schwe­re­los durch die Luft. Das Beson­dere an die­ser Pflanze: Sie muss nicht gegos­sen wer­den, son­dern bezieht ihre Feuch­tig­keit aus der Luft.

Bis zum 26. April erblüht der Kunst­pa­last täg­lich für Besu­cher – auch am Mon­tag. Aller­dings wird es bereits jetzt schwie­rig, online Tickets für einen der neun Tage zu bekom­men. Daher wird emp­foh­len, es an der Tages­kasse zu versuchen.

Haus­herr Felix Krä­mer betont zudem, dass es nicht not­wen­dig sei, gleich zu Beginn zu kom­men. „Selbst am letz­ten Tag wer­den die Blu­men in vol­ler Pracht ste­hen“, ver­spricht er.

Kaum nach­voll­zieh­bar erschei­nen hin­ge­gen Vor­würfe aus der Kunst­welt, Blu­men und flo­rale Arran­ge­ments hät­ten wenig mit Kunst zu tun. Krä­mer wider­spricht klar: „Warum sollte man bei die­sen Arbei­ten nicht von Kunst spre­chen?“ Per­for­man­ces seien schließ­lich eben­falls nur Moment­auf­nah­men, ergänzt er.

Und wenn der Besu­cher schließ­lich die Wen­del­treppe hin­auf­steigt, an deren Fuß – im Kon­text der Kunst im Drit­ten Reich – trost­lose, dunkle Stö­cke ste­hen, die sich auf dem Weg nach oben in ein leben­di­ges Geflecht aus wei­ßen Schmet­ter­lin­gen und Blu­men ver­wan­deln, dann wird deut­lich: Blu­men haben nichts von ihrer poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Aus­sa­ge­kraft verloren.

Das „Palast­blü­hen“, das Direk­tor Felix Krä­mer an den Rhein gebracht hat und das einen fes­ten Platz im Düs­sel­dor­fer Kul­tur­le­ben ver­dient, ist ein „Place to go“, ein „Hot­spot“ – oder ganz ein­fach: ein Rausch der Sinne.

Mehr Bil­der gibt es hier


Rah­men­da­ten

Palast­blü­hen: 17.–26. April 2026

Aus­ge­stellt sind rund 30 flo­rale Kreationen.

Tickets:
Ein­zel­aus­stel­lung „Palast­blü­hen“: 16 Euro (ermä­ßigt 12 Euro)

Aus­stel­lende Häu­ser:
Blu­men­haus am Hof­gar­ten – Timo Hoog­terp, Luisa König, Jule Schnaugst, Kris­tina Janet Schacke
Blu­men­bin­de­rei Leh­mann – Vic­to­ria Bernds
Dorn­rose – Sabine Kru­se­kopf
Blü­ten & Meer – Janina Rüger
Nymph Blu­men – Alla Man­dic & Team
Octo­ber First Stu­dio – Nina Gehrke
Tan­nen­diele – Michael Frings, Astrid Franke, Yeo Jin Choi, Nele Pelz
Vic­tor Breuer – Vic­tor Breuer, Nele Mün­zer, Domi­nik Zelles

Öff­nungs­zei­ten:
Für die Dauer des „Palast­blü­hens“ erwei­tert der Kunst­pa­last seine Öff­nungs­zei­ten:
Frei­tag, 17., bis Mitt­woch, 22. April: 10–18 Uhr, Don­ners­tag, 23., bis Sams­tag, 25. April: 10–21 Uhr, Sonn­tag, 26. April: 10–18 Uhr