Von The One & Only Manfred Fammler
Ein Käfer in einer blühenden Blumenwiese, Jan Wellem und Anna Maria von Medici blicken über eine Blumenhecke hinweg, und anfangs kahle Stöcke winden sich rankenähnlich an einer Wendeltreppe empor, um schließlich von weißen Schmetterlingen und Blumen geschmückt zu werden.
Der Kunstpalast zeigt zum dritten Mal „Palastblühen“ – und Langeweile für das Auge gibt es garantiert nicht. Eher ein buntes „Frühlingsfest“ der Impressionen.
Das Zusammenspiel von Raum, Kunstobjekt und Blüteninstallation verändert die Räume – und vor allen Dingen die Wahrnehmung des Betrachters. Wie eben der bereits erwähnte blaue VW-Käfer: Ganz nüchtern auf seinem angestammten Platz in der Mitte eines hellen Raumes ist er ein Symbol für eine vergangene Epoche. Auf Hochglanz poliert und mit zwei Rosen in dem obligatorischen Blumenväschen am Armaturenbrett ist er natürlich eine Stilikone.
Nun aber, umringt von einem bunten Blumenmeer, scheint er eine neue Bestimmung zu erfahren. Künstler Dominik Zelles von Victor Breuer meint dazu: „Ich stelle mir vor, dass dieser Wagen in einer Wiese abgestellt wurde und die Menschen nun einen Spaziergang machen.“ Eine mögliche Sichtweise. Eine andere könnte sein, dass dieser Wagen jahrzehntelang hinter einer Hecke stand und nun freigelegt wieder zum Vorschein kommt.
Genau dazu zwingt das „Palastblühen“ auf äußerst charmante Weise: Es bringt den Betrachter dazu, seine Perspektive zu wechseln. Es fordert dazu auf – ausgenommen Selfiejäger und Influencer, die eher sich selbst statt der Objekte ins Zentrum setzen –, Nuancen zu erkennen, die zuvor im Bild verschwanden.
Ein Beispiel ist Max Liebermanns „Kartoffelfeld“. „Dieses Gemälde hat mich sofort angezogen“, erzählt Janina Rüger von Blüten & Meer. Hellblau, Creme, Brauntöne – alles, was sich im Bild widerspiegelt, habe sie farblich aufgegriffen, weil es sich „blumig sehr gut umsetzen ließ“.
Das Außergewöhnliche liegt jedoch zu den Füßen des Bildes: Kartoffeln in Bastkörben. „Ich war gestern noch die roten Kartoffeln kaufen, die auch auf dem Bild zu sehen sind“, berichtet die Palastblühen-Debütantin. Acht Blumenhäuser sind in diesem Jahr dabei, sieben davon bereits mehrfach.
Apropos Auswahl: In der Adventszeit waren die Floristinnen und Floristen eingeladen, durch die Ausstellung zu wandeln. Anschließend sollten sie ein Konzept für ihre Idee entwickeln und vorstellen. Eine Vorgabe, welches Objekt oder welchen Raum sie gestalten, gibt es nicht – und genau das ist die Stärke dieser Ausstellung.
Wie sonst käme man auf die Idee, 500 weiße Rosen ohne Blätter am Stiel im Raum „Radikale Reduktion“ zu drapieren? „Ich finde, dass man sich mal auf das Wesentliche beschränken und sich auf schlichte, klare Formen konzentrieren muss“, sagt Michael Frings. „Die weißen Rosen strahlen Eleganz aus. Sie brauchen keinen Begleiter – gerade diese Sorte ‚Candlelight‘ hat so große Blüten.“
Doch während die grünen Blätter entfernt und die Blüten geöffnet wurden, blieben die Dornen bestehen. Entsteht hier also ein Ambiente für Hochzeitsanträge, umrahmt von einem Meer aus weißen Rosen?
Der Kunstpalast macht es möglich – ebenso wie die schwebenden Orchideen, kreiert von Timo Hoogterp vom Blumenhaus am Hofgarten. Warum gerade dieser Raum? Für ihn sei es der größte und imposanteste Raum der Sammlung, der jedoch bislang nie vollständig genutzt wurde. „Deswegen wollte ich ihn mit Blüten füllen.“
In Verbindung mit dem Bild „Marias Himmelfahrt“ schweben nun zahlreiche Orchideen der Sorte „Vanda“ scheinbar schwerelos durch die Luft. Das Besondere an dieser Pflanze: Sie muss nicht gegossen werden, sondern bezieht ihre Feuchtigkeit aus der Luft.
Bis zum 26. April erblüht der Kunstpalast täglich für Besucher – auch am Montag. Allerdings wird es bereits jetzt schwierig, online Tickets für einen der neun Tage zu bekommen. Daher wird empfohlen, es an der Tageskasse zu versuchen.
Hausherr Felix Krämer betont zudem, dass es nicht notwendig sei, gleich zu Beginn zu kommen. „Selbst am letzten Tag werden die Blumen in voller Pracht stehen“, verspricht er.
Kaum nachvollziehbar erscheinen hingegen Vorwürfe aus der Kunstwelt, Blumen und florale Arrangements hätten wenig mit Kunst zu tun. Krämer widerspricht klar: „Warum sollte man bei diesen Arbeiten nicht von Kunst sprechen?“ Performances seien schließlich ebenfalls nur Momentaufnahmen, ergänzt er.
Und wenn der Besucher schließlich die Wendeltreppe hinaufsteigt, an deren Fuß – im Kontext der Kunst im Dritten Reich – trostlose, dunkle Stöcke stehen, die sich auf dem Weg nach oben in ein lebendiges Geflecht aus weißen Schmetterlingen und Blumen verwandeln, dann wird deutlich: Blumen haben nichts von ihrer politischen und gesellschaftlichen Aussagekraft verloren.
Das „Palastblühen“, das Direktor Felix Krämer an den Rhein gebracht hat und das einen festen Platz im Düsseldorfer Kulturleben verdient, ist ein „Place to go“, ein „Hotspot“ – oder ganz einfach: ein Rausch der Sinne.
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Rahmendaten
Palastblühen: 17.–26. April 2026
Ausgestellt sind rund 30 florale Kreationen.
Tickets:
Einzelausstellung „Palastblühen“: 16 Euro (ermäßigt 12 Euro)
Ausstellende Häuser:
Blumenhaus am Hofgarten – Timo Hoogterp, Luisa König, Jule Schnaugst, Kristina Janet Schacke
Blumenbinderei Lehmann – Victoria Bernds
Dornrose – Sabine Krusekopf
Blüten & Meer – Janina Rüger
Nymph Blumen – Alla Mandic & Team
October First Studio – Nina Gehrke
Tannendiele – Michael Frings, Astrid Franke, Yeo Jin Choi, Nele Pelz
Victor Breuer – Victor Breuer, Nele Münzer, Dominik Zelles
Öffnungszeiten:
Für die Dauer des „Palastblühens“ erweitert der Kunstpalast seine Öffnungszeiten:
Freitag, 17., bis Mittwoch, 22. April: 10–18 Uhr, Donnerstag, 23., bis Samstag, 25. April: 10–21 Uhr, Sonntag, 26. April: 10–18 Uhr






