
Dr. Andrea Ditchen und Bastian Fleermann
Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal an der Anton-Betz-Straße hat die Düsseldorf am Donnerstag an eines der bedeutendsten Kapitel ihrer Stadtgeschichte erinnert: die „Aktion Rheinland“ und das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren. Vertreter der Stadt, der Polizei sowie Angehörige der Beteiligten gedachten der Männer, die im April 1945 versuchten, Düsseldorf vor weiterer Zerstörung zu bewahren – und dafür mit ihrem Leben bezahlten.
Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, sowie Stephan Leinders von der Polizei Düsseldorf legten Kränze nieder. In ihren Ansprachen würdigten sie den Mut der Widerstandskämpfer und betonten die bleibende Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten. Auch Nachfahren waren vor Ort: Claudia Siebner, Enkelin des überlebenden Aloys Odenthal, fand eindringliche Worte des Gedenkens und der Mahnung.
Neue Perspektiven auf die Ereignisse stellte Dr. Andrea Ditchen vor. Sie präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen, wie die „Aktion Rheinland“ in amerikanischen Quellen dokumentiert ist. Diese geben zusätzliche Einblicke in die Bedeutung der Widerstandsaktion für die kampflose Übergabe der Stadt.
Einen besonderen Akzent setzte ein Projekt des Technischen Berufskollegs Färberstraße. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich seit Herbst 2025 mit der Rolle ihrer Schule in den letzten Kriegswochen. Damals wurde das Gebäude militärisch genutzt, in unmittelbarer Nähe befand sich eine Richtstätte. Dort wurden unter fragwürdigen Bedingungen mehrere Menschen hingerichtet – darunter auch zentrale Mitglieder der „Aktion Rheinland“: Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill sowie ihr Unterstützer, der Schutzpolizei-Kommandeur Franz Jürgens.
Der historische Hintergrund ist dramatisch: Am Abend des 16. April 1945 standen amerikanische Truppen bereits an den Stadträndern. Eine Gruppe von zehn Düsseldorfern entschloss sich zum Handeln. Ihr Ziel war es, die Stadt kampflos zu übergeben, um weiteres Leid zu verhindern. Während es den Unterhändlern Dr. August Wiedenhofen und Aloys Odenthal gelang, bei Mettmann Kontakt zu den US-Truppen aufzunehmen und einen Einmarsch für den folgenden Tag zu vereinbaren, wurde der Plan innerhalb der Stadt verraten.
Noch in derselben Nacht wurden mehrere Beteiligte verhaftet, von einem Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen. Ihr Einsatz blieb dennoch nicht vergeblich: Am 17. April 1945 rückten amerikanische Truppen weitgehend kampflos in Düsseldorf ein.
Die jährliche Gedenkveranstaltung macht deutlich, dass die „Aktion Rheinland“ weit mehr ist als ein historisches Ereignis. Sie steht für Zivilcourage in einer Zeit, in der Widerstand lebensgefährlich war – und für die Verantwortung, sich auch heute für Demokratie und Menschlichkeit einzusetzen.

