Gaslaternen-Streit in Düsseldorf: Stadt spricht von Versehen, Initiative meldet Teilerfolg
Vor der Kirche St. Ursula in Grafenberg sind zwei denkmalgeschützte Gaslaternen abgebaut worden. Auch an der Pauluskirche in Düsseltal und an St. Gertrud in Eller tauchten Aufkleber auf, die eine Erneuerung der Leuchten ankündigten. Die Stadt spricht von Versehen, die Initiative Düsseldorfer Gaslicht von einem Verstoß gegen den Ministerentscheid und meldet nun einen Teilerfolg.
Zwei Laternen an der Margaretenstraße verschwunden
Vor St. Ursula an der Margaretenstraße stehen zwei historische Gaslaternen des Modells „Frankfurt“ nicht mehr. Ein Anwohner hatte die Initiative darüber informiert, dass Arbeiter die Leuchten abbauen. Zuvor waren Aufkleber der Stadt an den Masten angebracht worden. Nach Schilderung der Initiative wunderte sich einer der Arbeiter selbst: Eine der Laternen sei erst kurz zuvor wegen einer Undichtigkeit repariert worden, nun solle er sie abbauen. Wer den Auftrag erteilt hat, sei unklar geblieben. Die Initiative spricht inzwischen von drei abgebauten Leuchten, die Stadt bestätigt bislang zwei.
Die Stadtverwaltung: „versehentlich“ abgebaut
Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher der Stadt, dass in Vorbereitung eines geplanten Umbaus vor der Kirche zwei Gasleuchten abgebaut wurden, „versehentlich“. Man habe „einer möglichen späteren Umrüstung auf Strombetrieb irrtümlich vorgegriffen“. Wieder aufgestellt werden sollen die Leuchten nicht. Für die Margaretenstraße ist stattdessen vorgesehen, die dort überwiegend vorhandenen Aufsatzleuchten zu vereinheitlichen. Die Pläne sollen vor der Umsetzung der Bezirksvertretung 7 vorgelegt werden, die für Gerresheim, Grafenberg, Hubbelrath, Knittkuhl und Ludenberg zuständig ist. Die Aufkleber an anderen Leuchten seien ebenfalls ein Versehen gewesen und wieder entfernt worden. Intern werde aufgearbeitet, wie es dazu kommen konnte.
Das Amt für Verkehrsmanagement: Sondermodelle ohne Betriebserlaubnis
Katrin Höpfner vom Amt 66 schreibt am 23. September, an der Pauluskirche stünden sechsflammige Sondermodelle des Typs „Frankfurt“, für die keine Betriebserlaubnis vorliege. Dieser Zustand werde von der Stadt als Eigentümerin und den Stadtwerken als Betreiber schon länger geduldet, lasse sich aber auch aus persönlichen Haftungsgründen nicht weiter hinauszögern. Deshalb sei ein Bauprogramm aufgelegt worden, um die Sondermodelle möglichst von Gas auf Strom umzubauen. Der denkmalrechtliche Antrag sei gestellt, die Erlaubnis liege aber noch nicht vor, auch die Bezirksvertretung sei noch nicht beteiligt worden. Dass die Aufkleber vorab geklebt wurden, sei „weder beabsichtigt noch geplant gewesen“ und hätte „nicht passieren dürfen“. Bei den Stadtwerken sei es in der Urlaubs- und Vertretungszeit zu einem Abstimmungsfehler gekommen. Veränderungen am Denkmal würden erst nach Vorliegen der Erlaubnis und der Beteiligung der Bezirksvertretung vorgenommen.
Die Bezirksverwaltungsstelle 2: Zustimmung erteilt
Frank Griese, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle 2, schreibt am selben Tag, an der Pauluskirche erfolge die Umrüstung auf Strom unter Beibehaltung der Leuchtenform. Deshalb sei die Bezirksvertretung nicht angehört worden. Die erforderliche denkmalschutzrechtliche Zustimmung sei erteilt worden. Er verweist auf den Ratsbeschluss vom September 2023, der die Umrüstung der damals knapp 13.600 gasbetriebenen Leuchten vorsieht, mit Ausnahme des denkmalgeschützten Hofgartens. Für etwa 11.840 Leuchten sei ein weitestgehender Erhalt der äußeren Hülle vorgesehen.
Die Initiative: „Die Aussagen der Stadt widersprechen sich vollkommen“
Die beiden Schreiben widersprechen sich in zentralen Punkten: Höpfner sagt, die denkmalrechtliche Erlaubnis liege noch nicht vor und die Bezirksvertretung müsse beteiligt werden. Griese sagt, die Zustimmung sei erteilt und die Beteiligung nicht nötig. Georg Schumacher von der Initiative sagt dazu: „Die Aussagen der Stadt widersprechen sich vollkommen.“ Er wirft der Stadt vor, die Frankfurter Leuchten nicht entfernen zu dürfen und es trotzdem zu tun. Die Initiative spricht von „Chaos und Verwirrung“ und sagt, niemand sei über den Abriss informiert gewesen. Das gelte nach ihrer Darstellung für das Generalvikariat in Köln, das Heimatministerium, Mitglieder des Stadtrats und die katholische Kirchengemeinde.
Aufkleber auch am Paulusplatz und in Eller
Ähnliche Aufkleber entdeckten Bürger an den sieben Frankfurter Laternen rund um die Pauluskirche sowie an St. Gertrud in Eller. Auf einem Foto vom Paulusplatz ist ein blauer Aufkleber mit Baustellensymbol zu sehen: „Diese Leuchte wird erneuert.“ Die Initiative nennt sie Abriss-Aufkleber, die Stadt spricht von Hinweisen auf eine Umrüstung. Am Donnerstagmorgen versammelten sich ab 8 Uhr spontan Anwohner vor der Pauluskirche und hängten ein Plakat an einen der Masten. Darauf steht sinngemäß, dass die Laternen laut Ministerentscheid nicht abgerissen werden dürfen. Besorgte Bürger informierten zudem das Generalvikariat und die Denkmalabteilung des Heimatministeriums.
Initiative sieht mögliche Straftat
Die Initiative bringt den Abbau mit dem Straftatbestand der gemeinschädlichen Sachbeschädigung in Verbindung, den § 304 des Strafgesetzbuchs regelt. Sie fragt, ob die Aufkleber überall entfernt und die Bautrupps gestoppt wurden. Die Stadt erklärt, die Aufkleber seien wieder abgenommen worden.
Ein seltenes Modell aus den Fünfzigern
Das Modell „Frankfurt“ stammt nach Angaben der Initiative aus den 1950er Jahren und wurde entwickelt, um Kirchen, Synagogen und besondere Orte zu würdigen. In Düsseldorf stehen davon nur 246 Exemplare, ausschließlich vor Kirchen und im Hofgarten. Das NRW-Heimatministerium hatte 2024 der Umrüstung der ersten 4000 Gaslaternen grundsätzlich zugestimmt und der Stadt zugleich aufgegeben, das Konzept für die übrigen Leuchten weiterzuentwickeln und den Denkmalschutz stärker zu berücksichtigen. Nach Darstellung der Initiative hat Ministerin Ina Scharrenbach das Modell „Frankfurt“ ausdrücklich von diesen 4000 Laternen ausgenommen. Über den Antrag für die mehr als 8000 weiteren Leuchten entscheidet die Untere Denkmalbehörde.
Was die Umrüstung kostet
Für die Umrüstung von 1000 Laternen hat die Stadt nach Angaben eines Sprechers seit Anfang 2025 knapp zehn Millionen Euro gezahlt. Das liege im Rahmen der geplanten 38,6 Millionen Euro für 4000 Gaslaternen. Hochgerechnet auf alle knapp 13.000 Leuchten ergibt sich ein Volumen von rund 125 Millionen Euro. Die Zahl der Leuchten variiert in den Quellen, Griese nennt knapp 13.600.
Initiative meldet Etappensieg
Am Ende einer aufreibenden Woche meldet Initiativenmitglied Barbara Erfolg: „Wir haben es geschafft, die Gaslaternen werden nicht abgerissen“, schreibt sie. Man habe der Stadt nachgewiesen, dass sie mit den Aufklebern gegen den Ministerentscheid verstoßen habe. „Unser vehementer Protest war erfolgreich“, heißt es weiter, das sanfte Licht bleibe erhalten. Eine verbindliche Bestätigung der Stadt liegt bislang nicht vor. Im Schreiben des Amtes für Verkehrsmanagement ist vielmehr weiterhin von einem Umbau der Sondermodelle die Rede, der von der noch ausstehenden denkmalrechtlichen Entscheidung abhängt.
