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Gaslaternen-Streit in Düsseldorf: Stadt spricht von Versehen, Initiative meldet Teilerfolg

Vor der Kir­che St. Ursula in Gra­fen­berg sind zwei denk­mal­ge­schützte Gas­la­ter­nen abge­baut wor­den. Auch an der Pau­lus­kir­che in Düs­sel­tal und an St. Ger­trud in Eller tauch­ten Auf­kle­ber auf, die eine Erneue­rung der Leuch­ten ankün­dig­ten. Die Stadt spricht von Ver­se­hen, die Initia­tive Düs­sel­dor­fer Gas­licht von einem Ver­stoß gegen den Minis­ter­ent­scheid und mel­det nun einen Teilerfolg.

Zwei Later­nen an der Mar­ga­re­ten­straße ver­schwun­den
Vor St. Ursula an der Mar­ga­re­ten­straße ste­hen zwei his­to­ri­sche Gas­la­ter­nen des Modells „Frank­furt“ nicht mehr. Ein Anwoh­ner hatte die Initia­tive dar­über infor­miert, dass Arbei­ter die Leuch­ten abbauen. Zuvor waren Auf­kle­ber der Stadt an den Mas­ten ange­bracht wor­den. Nach Schil­de­rung der Initia­tive wun­derte sich einer der Arbei­ter selbst: Eine der Later­nen sei erst kurz zuvor wegen einer Undich­tig­keit repa­riert wor­den, nun solle er sie abbauen. Wer den Auf­trag erteilt hat, sei unklar geblie­ben. Die Initia­tive spricht inzwi­schen von drei abge­bau­ten Leuch­ten, die Stadt bestä­tigt bis­lang zwei.

Abriss Paulusplakat © Barbara Schmitz

Die Stadt­ver­wal­tung: „ver­se­hent­lich“ abge­baut
Auf Anfrage bestä­tigt ein Spre­cher der Stadt, dass in Vor­be­rei­tung eines geplan­ten Umbaus vor der Kir­che zwei Gas­leuch­ten abge­baut wur­den, „ver­se­hent­lich“. Man habe „einer mög­li­chen spä­te­ren Umrüs­tung auf Strom­be­trieb irr­tüm­lich vor­ge­grif­fen“. Wie­der auf­ge­stellt wer­den sol­len die Leuch­ten nicht. Für die Mar­ga­re­ten­straße ist statt­des­sen vor­ge­se­hen, die dort über­wie­gend vor­han­de­nen Auf­satz­leuch­ten zu ver­ein­heit­li­chen. Die Pläne sol­len vor der Umset­zung der Bezirks­ver­tre­tung 7 vor­ge­legt wer­den, die für Ger­res­heim, Gra­fen­berg, Hub­bel­rath, Knitt­kuhl und Luden­berg zustän­dig ist. Die Auf­kle­ber an ande­ren Leuch­ten seien eben­falls ein Ver­se­hen gewe­sen und wie­der ent­fernt wor­den. Intern werde auf­ge­ar­bei­tet, wie es dazu kom­men konnte.

Das Amt für Ver­kehrs­ma­nage­ment: Son­der­mo­delle ohne Betriebs­er­laub­nis
Kat­rin Höpf­ner vom Amt 66 schreibt am 23. Sep­tem­ber, an der Pau­lus­kir­che stün­den sechs­flam­mige Son­der­mo­delle des Typs „Frank­furt“, für die keine Betriebs­er­laub­nis vor­liege. Die­ser Zustand werde von der Stadt als Eigen­tü­me­rin und den Stadt­wer­ken als Betrei­ber schon län­ger gedul­det, lasse sich aber auch aus per­sön­li­chen Haf­tungs­grün­den nicht wei­ter hin­aus­zö­gern. Des­halb sei ein Bau­pro­gramm auf­ge­legt wor­den, um die Son­der­mo­delle mög­lichst von Gas auf Strom umzu­bauen. Der denk­mal­recht­li­che Antrag sei gestellt, die Erlaub­nis liege aber noch nicht vor, auch die Bezirks­ver­tre­tung sei noch nicht betei­ligt wor­den. Dass die Auf­kle­ber vorab geklebt wur­den, sei „weder beab­sich­tigt noch geplant gewe­sen“ und hätte „nicht pas­sie­ren dür­fen“. Bei den Stadt­wer­ken sei es in der Urlaubs- und Ver­tre­tungs­zeit zu einem Abstim­mungs­feh­ler gekom­men. Ver­än­de­run­gen am Denk­mal wür­den erst nach Vor­lie­gen der Erlaub­nis und der Betei­li­gung der Bezirks­ver­tre­tung vorgenommen.

Die Bezirks­ver­wal­tungs­stelle 2: Zustim­mung erteilt
Frank Griese, Lei­ter der Bezirks­ver­wal­tungs­stelle 2, schreibt am sel­ben Tag, an der Pau­lus­kir­che erfolge die Umrüs­tung auf Strom unter Bei­be­hal­tung der Leuch­ten­form. Des­halb sei die Bezirks­ver­tre­tung nicht ange­hört wor­den. Die erfor­der­li­che denk­mal­schutz­recht­li­che Zustim­mung sei erteilt wor­den. Er ver­weist auf den Rats­be­schluss vom Sep­tem­ber 2023, der die Umrüs­tung der damals knapp 13.600 gas­be­trie­be­nen Leuch­ten vor­sieht, mit Aus­nahme des denk­mal­ge­schütz­ten Hof­gar­tens. Für etwa 11.840 Leuch­ten sei ein wei­test­ge­hen­der Erhalt der äuße­ren Hülle vorgesehen.

Die Initia­tive: „Die Aus­sa­gen der Stadt wider­spre­chen sich voll­kom­men“
Die bei­den Schrei­ben wider­spre­chen sich in zen­tra­len Punk­ten: Höpf­ner sagt, die denk­mal­recht­li­che Erlaub­nis liege noch nicht vor und die Bezirks­ver­tre­tung müsse betei­ligt wer­den. Griese sagt, die Zustim­mung sei erteilt und die Betei­li­gung nicht nötig. Georg Schu­ma­cher von der Initia­tive sagt dazu: „Die Aus­sa­gen der Stadt wider­spre­chen sich voll­kom­men.“ Er wirft der Stadt vor, die Frank­fur­ter Leuch­ten nicht ent­fer­nen zu dür­fen und es trotz­dem zu tun. Die Initia­tive spricht von „Chaos und Ver­wir­rung“ und sagt, nie­mand sei über den Abriss infor­miert gewe­sen. Das gelte nach ihrer Dar­stel­lung für das Gene­ral­vi­ka­riat in Köln, das Hei­mat­mi­nis­te­rium, Mit­glie­der des Stadt­rats und die katho­li­sche Kirchengemeinde.

Auf­kle­ber auch am Pau­lus­platz und in Eller
Ähn­li­che Auf­kle­ber ent­deck­ten Bür­ger an den sie­ben Frank­fur­ter Later­nen rund um die Pau­lus­kir­che sowie an St. Ger­trud in Eller. Auf einem Foto vom Pau­lus­platz ist ein blauer Auf­kle­ber mit Bau­stel­len­sym­bol zu sehen: „Diese Leuchte wird erneu­ert.“ Die Initia­tive nennt sie Abriss-Auf­kle­ber, die Stadt spricht von Hin­wei­sen auf eine Umrüs­tung. Am Don­ners­tag­mor­gen ver­sam­mel­ten sich ab 8 Uhr spon­tan Anwoh­ner vor der Pau­lus­kir­che und häng­ten ein Pla­kat an einen der Mas­ten. Dar­auf steht sinn­ge­mäß, dass die Later­nen laut Minis­ter­ent­scheid nicht abge­ris­sen wer­den dür­fen. Besorgte Bür­ger infor­mier­ten zudem das Gene­ral­vi­ka­riat und die Denk­mal­ab­tei­lung des Heimatministeriums.

Initia­tive sieht mög­li­che Straf­tat
Die Initia­tive bringt den Abbau mit dem Straf­tat­be­stand der gemein­schäd­li­chen Sach­be­schä­di­gung in Ver­bin­dung, den § 304 des Straf­ge­setz­buchs regelt. Sie fragt, ob die Auf­kle­ber über­all ent­fernt und die Bau­trupps gestoppt wur­den. Die Stadt erklärt, die Auf­kle­ber seien wie­der abge­nom­men worden.

Ein sel­te­nes Modell aus den Fünf­zi­gern
Das Modell „Frank­furt“ stammt nach Anga­ben der Initia­tive aus den 1950er Jah­ren und wurde ent­wi­ckelt, um Kir­chen, Syn­ago­gen und beson­dere Orte zu wür­di­gen. In Düs­sel­dorf ste­hen davon nur 246 Exem­plare, aus­schließ­lich vor Kir­chen und im Hof­gar­ten. Das NRW-Hei­mat­mi­nis­te­rium hatte 2024 der Umrüs­tung der ers­ten 4000 Gas­la­ter­nen grund­sätz­lich zuge­stimmt und der Stadt zugleich auf­ge­ge­ben, das Kon­zept für die übri­gen Leuch­ten wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und den Denk­mal­schutz stär­ker zu berück­sich­ti­gen. Nach Dar­stel­lung der Initia­tive hat Minis­te­rin Ina Schar­ren­bach das Modell „Frank­furt“ aus­drück­lich von die­sen 4000 Later­nen aus­ge­nom­men. Über den Antrag für die mehr als 8000 wei­te­ren Leuch­ten ent­schei­det die Untere Denkmalbehörde.

Was die Umrüs­tung kos­tet
Für die Umrüs­tung von 1000 Later­nen hat die Stadt nach Anga­ben eines Spre­chers seit Anfang 2025 knapp zehn Mil­lio­nen Euro gezahlt. Das liege im Rah­men der geplan­ten 38,6 Mil­lio­nen Euro für 4000 Gas­la­ter­nen. Hoch­ge­rech­net auf alle knapp 13.000 Leuch­ten ergibt sich ein Volu­men von rund 125 Mil­lio­nen Euro. Die Zahl der Leuch­ten vari­iert in den Quel­len, Griese nennt knapp 13.600.

Initia­tive mel­det Etap­pen­sieg
Am Ende einer auf­rei­ben­den Woche mel­det Initia­ti­venmit­glied Bar­bara Erfolg: „Wir haben es geschafft, die Gas­la­ter­nen wer­den nicht abge­ris­sen“, schreibt sie. Man habe der Stadt nach­ge­wie­sen, dass sie mit den Auf­kle­bern gegen den Minis­ter­ent­scheid ver­sto­ßen habe. „Unser vehe­men­ter Pro­test war erfolg­reich“, heißt es wei­ter, das sanfte Licht bleibe erhal­ten. Eine ver­bind­li­che Bestä­ti­gung der Stadt liegt bis­lang nicht vor. Im Schrei­ben des Amtes für Ver­kehrs­ma­nage­ment ist viel­mehr wei­ter­hin von einem Umbau der Son­der­mo­delle die Rede, der von der noch aus­ste­hen­den denk­mal­recht­li­chen Ent­schei­dung abhängt.

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