Wer derzeit über die Rheinuferpromenade schlendert, kommt an einer auffälligen Veränderung nicht vorbei: Rund um die historische Pegeluhr an den Kasematten steht seit Kurzem ein Gerüst, umspannt von Bannern mit dem Logo der Düsseldorfer Jonges. Damit haben die lange erwarteten Restaurierungsarbeiten an einem der bekanntesten Wahrzeichen der Landeshauptstadt offiziell begonnen.
Die denkmalgeschützte Uhr am Rheinkilometer 744,2, nahe des Anlegers der Weißen Flotte zwischen Rheinkniebrücke und Oberkasseler Brücke, soll in den kommenden Wochen technisch wie optisch grundlegend instandgesetzt werden. Neben der Reparatur der Messtechnik steht die Restaurierung der Jugendstilfassade im Mittelpunkt: Verschmutzungen und Ablagerungen werden schonend entfernt, schadhafte Fugen ausgebessert und Zeiger sowie Zifferblätter dort erneuert, wo es nötig ist. Ziel der Arbeiten ist es, das Bauwerk dauerhaft zu erhalten und seine ursprüngliche Funktion wiederherzustellen.
Ein Stück Stadtgeschichte am Rhein
Die Pegeluhr zählt zu den letzten erhaltenen Elementen der großen Rheinufergestaltung, die der Architekt Johannes Radke gemeinsam mit Johann Georg Eberlein um 1900 im Zuge der sogenannten Rheinufervorschiebung plante. Damals wurde die Uferlinie um bis zu 37 Meter in den Strom hinein verschoben, um Hochwasserschutz und eine repräsentative Promenade zu schaffen – pünktlich zur Industrie- und Gewerbeausstellung von 1902 wurde das Ensemble fertiggestellt. Von der ursprünglichen, reich verzierten Ufergestaltung mit Kandelabern und dem prächtigen Weinlokal Düsselschlösschen, das in den 1950er Jahren dem Ausbau der Rheinuferstraße weichen musste, ist die Pegeluhr eines der wenigen Relikte, die bis heute überdauert haben.
Mit ihren vier Zifferblättern erfüllt die Uhr eine doppelte Funktion: Sie zeigt nicht nur die Uhrzeit an, sondern auf der Rheinseite über einen Schwimmer im Pegelrohr auch den aktuellen Wasserstand des Flusses – der kleine Zeiger die Meter, der große die Zentimeter. Historische Hochwassermarken erinnern zudem an frühere Höchststände. Schon Schiffer nutzten die Anzeige einst, um bei Niedrigwasser nicht auf Grund zu laufen. Zuletzt war die Pegeluhr 1996 umfassend saniert worden, ehe sie in den vergangenen Jahren stillstand.
Jonges als treibende Kraft
Dass die Uhr nun wieder in Schuss gebracht wird, ist maßgeblich dem Engagement der Düsseldorfer Jonges zu verdanken. Stadtbildpfleger und Vorstandsmitglied Maximilian Schönauer hat das Projekt über viele Monate vorangetrieben, Genehmigungen koordiniert, Fachfirmen zusammengebracht und gemeinsam mit zahlreichen Partnern die Finanzierung gesichert. „Unsere Aufgabe als Düsseldorfer Jonges ist es, die Geschichte unserer Stadt nicht nur zu bewahren, sondern sie sichtbar und erlebbar zu halten. Deshalb freuen wir uns sehr, dass die Restaurierung der Pegeluhr jetzt beginnt und sie schon bald wieder den aktuellen Rheinpegel anzeigen wird“, sagt Schönauer.
Auch der Baas der Düsseldorfer Jonges, Dr. Reinhold Hahlhege, betont die symbolische Bedeutung des Bauwerks: „Es gibt Bauwerke, die weit mehr sind als Stein, Metall und Technik. Die Pegeluhr ist für viele Menschen ein Stück Düsseldorf – ein Ort der Begegnung, der Erinnerungen und der Verbundenheit mit unserer Stadt. Dass sie nach Jahren des Stillstands wieder zum Leben erwacht, ist ein schönes Signal und ein Gewinn für alle Düsseldorferinnen und Düsseldorfer.“
Möglich wird die Restaurierung durch die Unterstützung mehrerer Sponsoren. Neben den Düsseldorfer Jonges beteiligen sich unter anderem die Stadtwerke Düsseldorf, Fortuna Düsseldorf, der Verein zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen des Düsseldorfer Hafens, die Targo Bank, das Unternehmen Silesia sowie die Jonges-Tischgemeinschaft „De Hechte“ an der Finanzierung.
Wiederinbetriebnahme im August geplant
Verlaufen die Arbeiten wie vorgesehen, soll die Pegeluhr bereits im August wieder in Betrieb gehen und dann erneut zuverlässig den aktuellen Rheinpegel anzeigen. Für die Promenade, die zu den meistbesuchten Bereichen der Altstadt zählt und regelmäßig Ziel von Spaziergängern, Touristen und Fotografen ist, wäre das die Rückkehr eines vertrauten Orientierungspunkts – und ein weiteres kleines Kapitel in der wechselvollen Geschichte des Düsseldorfer Rheinufers.


