Millionenbetrug mit Handys: Bande unter Verdacht

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Polizei Düsseldorf an Ermittlungen beteiligt
Im Ermittlungskomplex „Troja“, an dem auch die Polizei Düsseldorf beteiligt ist, vollstrecken Polizei‑, Steuer- und Zollfahnder seit den heutigen Morgenstunden in 20 Ländern rund 160 Durchsuchungsbeschlüsse. Mehrere Haftbefehle wurden bereits vollstreckt. Hintergrund sind Betrugsfälle im Zusammenhang mit Mobiltelefonen. Das Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen hat den Fall in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht.
Koordination durch Zollfahndungsamt Essen
Nach Angaben des Finanzministeriums sind etwa 1700 Steuer‑, Zoll- und Polizeifahnder im Einsatz. Die Maßnahmen finden in Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Deutschland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich statt. Das Zollfahndungsamt Essen koordiniert sie gemeinsam mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO), dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) und der Polizei Düsseldorf.
Sieben Haftbefehle wurden bereits am 26. September in Österreich, Deutschland und Spanien vollstreckt, darunter gegen die beiden mutmaßlichen Anführer der Organisation. Dabei wurden 15 Objekte durchsucht. Am Samstag und am heutigen Tag wurden zudem eine große Anzahl digitaler und analoger Beweismittel sowie Vermögenswerte beschlagnahmt und gesichert.
Vorwürfe der Europäischen Staatsanwaltschaft
Die EPPO in Köln leitet die Ermittlungen gegen eine Organisation. Der Verdacht lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, gewerblichen und bandenmäßigen Einfuhrschmuggel, Mehrwertsteuerbetrug, bandenmäßigen Betrug und Verstoß gegen das Markenrecht.
Die Organisation soll über eine Million Mobiltelefone führender Hersteller als Neuware verkauft haben, obwohl es sich um gebrauchte Geräte handelte. Der geschätzte Betrugsschaden für Verbraucher in der EU beträgt mindestens 300 Millionen Euro. In mehreren EU-Mitgliedstaaten entstand zudem ein Mehrwertsteuerausfall von 30 Millionen Euro, allein in Deutschland beträgt der Steuerschaden mindestens 25 Millionen Euro.
So soll das System funktioniert haben
Den Ermittlungen zufolge soll die Vereinigung Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengebaut haben. Die Geräte wurden anschließend gereinigt, als neue Telefone verpackt und in die Niederlande verschickt. Von dort gelangten sie zu Lagern in Deutschland und wurden auf Online-Marktplätzen an Endkunden in der gesamten EU verkauft.
Die Ermittlungen deuten ferner darauf hin, dass Briefkastenfirmen mit Sitz in Österreich, Bulgarien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz seit 2018 auf betrügerische Weise eine umsatzsteuerliche Sonderregelung für Wiederverkäufer auf den Online-Verkauf der Geräte angewandt haben. Bei dieser Differenzbesteuerung wird nur die Marge, also der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, versteuert. Die Voraussetzungen sollen tatsächlich nicht vorgelegen haben und durch systematische Verschleierung nur vorgetäuscht worden sein. Richtig wäre die Regelbesteuerung gewesen, bei der die Umsatzsteuer auf den gesamten Nettoverkaufspreis berechnet wird. So sollen sich die Firmen Wettbewerbsvorteile verschafft und ihre Gewinne unrechtmäßig gesteigert haben.
Ausgangspunkt war ein OLAF-Bericht
Die Ermittlungen wurden aufgrund eines Berichts des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) eingeleitet. Für alle betroffenen Personen gilt die Unschuldsvermutung, bis ihre Schuld vor den zuständigen Gerichten bewiesen ist.