Umbau Tonhalle 1977 g Stadtarchiv Duesseldorf-Ulrich Horn

Umbau Ton­halle 1977 g Stadt­ar­chiv Dues­sel­dorf-Ulrich Horn

 

Die Ton­halle Düs­sel­dorf begeht im Mai einen run­den Geburts­tag – und blickt dabei zugleich tief in ihre außer­ge­wöhn­li­che Geschichte zurück. Genau vor 100 Jah­ren, am 8. Mai 1926, wurde das Gebäude am Ehren­hof nicht als Kon­zert­saal, son­dern als Pla­ne­ta­rium eröff­net. Mit einem Kup­pel­durch­mes­ser von 29,8 Metern war es das größte sei­ner Art in Europa. Heute gilt die Ton­halle als „Pla­ne­ta­rium der Musik“ – ein Titel, der am Jubi­lä­ums­wo­chen­ende pro­gram­ma­tisch auf­ge­la­den wird.

Den musi­ka­li­schen Kern der Fei­er­lich­kei­ten bil­den drei soge­nannte Stern­zei­chen-Kon­zerte am 8., 10. und 11. Mai. Die Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­ker spie­len unter der Lei­tung ihres Chef­di­ri­gen­ten Adam Fischer gemein­sam mit dem Chor des Städ­ti­schen Musik­ver­eins. Auf dem Pro­gramm ste­hen zwei Werke, die dem Diri­gen­ten beson­ders am Her­zen lie­gen: die erste Sym­pho­nie „Titan“ von Gus­tav Mahler sowie die Bal­lett­mu­sik „Der wun­der­bare Man­da­rin“ von Béla Bar­tók. Letz­te­res sorgte bei sei­ner Urauf­füh­rung 1926 in Köln für einen hand­fes­ten Skan­dal. Die dras­ti­sche Hand­lung pro­vo­zierte das Publi­kum der­art, dass der dama­lige Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nauer wei­tere Auf­füh­run­gen untersagte.

Auch abseits der Kon­zerte rich­tet sich der Blick auf die Geschichte des Hau­ses. Bereits vor dem Auf­takt­kon­zert am 8. Mai spricht der Pla­ne­ta­ri­ums­his­to­ri­ker Andreas Scholl im Rah­men eines „Star Talk“ über die archi­tek­to­ni­schen und kul­tu­rel­len Beson­der­hei­ten des Gebäu­des. Gemein­sam mit Dra­ma­turg Uwe Som­mer-Sor­gente beleuch­tet er die Ent­wick­lung vom Wis­sen­schafts­bau zum Konzerttempel.

Ein wei­te­rer Höhe­punkt führt zurück in die Anfänge des Kinos: Am 10. Mai wird der Stumm­film Die Aben­teuer des Prin­zen Ach­med gezeigt – beglei­tet von Live-Musik des notabu.ensemble unter der Lei­tung von Anton Bre­zinka. Der Film von Lotte Rei­ni­ger gilt als ers­ter abend­fül­len­der Trick­film der Film­ge­schichte und ent­stand eben­falls im Jahr 1926. Die auf­wen­dige Sche­ren­schnitt­tech­nik mit über 250.000 Ein­zel­bil­dern machte das Werk zu einer Sen­sa­tion der Wei­ma­rer Republik.

Wer tie­fer in das Leben der Regis­seu­rin ein­tau­chen möchte, kann vor der Vor­füh­rung eine Lesung besu­chen: Autorin Rike Rei­ni­ger stellt ihr Buch „24 Bil­der pro Sekunde“ vor, das den Lebens­weg der Künst­le­rin zwi­schen künst­le­ri­schem Auf­bruch, Exil und Neu­be­ginn nachzeichnet.

Per­sön­lich wird es am 9. Mai, wenn Adam Fischer im Gespräch mit Inten­dant Michael Becker auf mehr als fünf Jahr­zehnte im inter­na­tio­na­len Musik­be­trieb zurück­blickt. Das For­mat „Sagen oder Zei­gen“ ver­spricht Ein­bli­cke in eine Diri­gen­ten­kar­riere, die eng mit der Ton­halle ver­bun­den ist.

Über die Ver­an­stal­tun­gen hin­aus lädt das Haus auch zu einer Spu­ren­su­che ein. Im Foyer doku­men­tiert die Aus­stel­lung „Wir sind 100“ die bewegte Geschichte der Ton­halle anhand his­to­ri­scher und aktu­el­ler Foto­gra­fien – ergänzt durch Bei­träge aus der Bür­ger­schaft und dem Stadt­ar­chiv. Par­al­lel dazu öff­net ein „Kurio­si­tä­ten­ka­bi­nett“ seine Türen: Bücher, Schall­plat­ten und Fund­stü­cke aus den Archi­ven wer­den gegen Spende abge­ge­ben, der Erlös fließt in die Kin­der- und Jugend­pro­jekte des Hauses.

Die Geschichte der Ton­halle selbst liest sich wie ein Spie­gel des 20. Jahr­hun­derts. Errich­tet zur gro­ßen Aus­stel­lung GeSoLei, über­stand das Gebäude schwere Zer­stö­run­gen im Zwei­ten Welt­krieg und wurde in den Nach­kriegs­jah­ren zunächst als „Rhein­halle“ pro­vi­so­risch genutzt. Erst mit dem Umbau in den 1970er-Jah­ren ent­stand der heu­tige Kon­zert­saal. Eine umfas­sende Reno­vie­rung im Jahr 2005 per­fek­tio­nierte schließ­lich die Akus­tik und ver­lieh der Kup­pel ihren cha­rak­te­ris­ti­schen Sternenhimmel.

Seit 2025 wird die Ton­halle bei lau­fen­dem Betrieb grund­le­gend saniert. Bis 2031 sol­len Tech­nik, Fas­sade und Innen­räume moder­ni­siert und ener­ge­tisch opti­miert wer­den. Damit ist das Haus nicht nur ein Denk­mal sei­ner Ver­gan­gen­heit, son­dern auch bes­tens auf die Zukunft vorbereitet.

Das Jubi­lä­ums­wo­chen­ende zeigt ein­drucks­voll, wie eng in der Ton­halle Geschichte, Archi­tek­tur und Musik mit­ein­an­der ver­wo­ben sind. Ein Pla­ne­ta­rium ist sie längst nicht mehr – und doch bleibt der Blick nach oben Teil des Erlebnisses.

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