Mahnwache © Astrid Hirsch-von Borries

Mahn­wa­che © Astrid Hirsch-von Borries

 

Nach dem anti­se­mi­ti­schen Über­griff auf einen jüdi­schen Mann am Rat­haus­ufer hat die Jüdi­sche Gemeinde Düs­sel­dorf für Don­ners­tag­abend, 18 Uhr, zu einer Mahn­wa­che am Man­nes­mann­ufer, Höhe Tho­mas­straße, auf­ge­ru­fen. Rund 100 Men­schen folg­ten dem Auf­ruf, unter ihnen auch Ober­bür­ger­meis­ter Ste­phan Kel­ler (CDU), der trotz der zeit­gleich lau­fen­den Rats­sit­zung teil­nahm und deut­li­che Worte fand.

Der Angriff am Rathausufer
Der Vor­fall, der die Mahn­wa­che aus­ge­löst hatte, ereig­nete sich bereits am Diens­tag­abend gegen 20.36 Uhr, als ein Mann in Beglei­tung sei­ner Freun­din zu Fuß am Rat­haus­ufer unter­wegs war. Er trug sicht­bar eine Kippa sowie einen schwar­zen Pull­over mit gol­de­nem „IDF“-Aufdruck, der Abkür­zung für die israe­li­sche Armee. Zwei unbe­kannte Frauen spra­chen ihn an und belei­dig­ten ihn anti­se­mi­tisch und isra­el­feind­lich, wor­auf­hin sich zwei hin­zu­kom­mende Män­ner kör­per­lich ein­misch­ten und auf ihn ein­schlu­gen und ein­tra­ten. Als drei Pas­san­ten schlich­tend ein­grei­fen woll­ten, wurde einer von ihnen eben­falls getrof­fen und leicht ver­letzt. Alle vier Tat­ver­däch­ti­gen konn­ten uner­kannt flüch­ten. Nach einem Bericht der Jüdi­schen All­ge­mei­nen soll der Mann von den Angrei­fern unter ande­rem als „Kin­der­mör­der“ beschimpft wor­den sein.

Poli­zei sucht nach den Tätern
Der Staats­schutz hat die Ermitt­lun­gen über­nom­men und prüft einen poli­tisch moti­vier­ten Hin­ter­grund. Die Poli­zei beschreibt einen der bei­den männ­li­chen Ver­däch­ti­gen als etwa 20 Jahre alt, mit dunk­len, schul­ter­lan­gen und gelock­ten Haa­ren und einem auf­fäl­lig roten Jog­ging­an­zug, wäh­rend sein Beglei­ter kurze dunkle Haare hatte und kom­plett dun­kel geklei­det war. Eine der bei­den tat­ver­däch­ti­gen Frauen wird auf 20 bis 25 Jahre geschätzt, kräf­tig gebaut, mit lan­gen dun­kel­brau­nen Haa­ren und auf­fäl­li­gem Make-up. Die Poli­zei bit­tet Zeu­gen, sich tele­fo­nisch bei den Ermitt­lern zu melden.

Gemeinde for­dert kon­se­quente Aufklärung
In einer schrift­li­chen Stel­lung­nahme ver­ur­teilte die Jüdi­sche Gemeinde Düs­sel­dorf den Angriff aufs Schärfste. Der Mann sei allein wegen sei­ner sicht­ba­ren jüdi­schen Iden­ti­tät und sei­ner Soli­da­ri­tät mit Israel zum Ziel von Hass und Gewalt gewor­den. Die Gemeinde for­derte eine lücken­lose Auf­klä­rung der Tat sowie eine kon­se­quente straf­recht­li­che Ver­fol­gung der Ver­ant­wort­li­chen. Zugleich rief sie die gesamte Gesell­schaft zu einer kla­ren Hal­tung auf: Es dürfe nicht zur Nor­ma­li­tät wer­den, dass Jüdin­nen und Juden sich aus Angst vor Anfein­dun­gen zurück­zie­hen müss­ten. Aus­drück­lich dankte die Gemeinde den Zeu­gen, die ver­sucht hat­ten, den Angriff zu been­den, und dabei selbst ver­letzt wur­den – ihr Ein­grei­fen zeige, dass es Men­schen gebe, die nicht wegsähen.

Kel­ler spricht von neuer Dimension
Ober­bür­ger­meis­ter Kel­ler bezeich­nete den Angriff als eine neue Dimen­sion des Anti­se­mi­tis­mus in Düs­sel­dorf. Es sei uner­träg­lich, dass jemand auf offe­ner Straße ange­grif­fen werde, nur weil er erkenn­bar als Jude unter­wegs gewe­sen sei. Zugleich sicherte er der jüdi­schen Gemeinde die Soli­da­ri­tät der Stadt zu und betonte, dass nach wie vor eine Mehr­heit fest an der Seite der jüdi­schen Mit­bür­ger stehe.

Betrof­fen­heit auch bei Mitorganisatorin
Auch Ver­wal­tungs­di­rek­tor Bert Röm­gens von der Jüdi­schen Gemeinde äußerte sich vor Ort: Der Vor­fall zeige, dass jüdi­sches Leben außer­halb geschütz­ter Räume zuneh­mend nicht mehr frei gelebt wer­den könne. Mit­or­ga­ni­sa­to­rin Riv­kah Young, die nur wenige Geh­mi­nu­ten vom Tat­ort ent­fernt wohnt, zeigte sich erschüt­tert. Sie gab an, zuneh­mend den David­stern unter der Klei­dung zu ver­ste­cken, wenn sie drau­ßen unter­wegs sei.

Poli­tik zeigt Solidarität
Bei der Mahn­wa­che waren auch Ver­tre­ter meh­re­rer Par­teien anwe­send, dar­un­ter der Land­tags­ab­ge­ord­nete Ste­fan Engst­feld (Grüne) und Bür­ger­meis­ter Fabian Zachel (SPD), von denen einige aus Soli­da­ri­tät eine Kippa tru­gen. Zachel mahnte, es rei­che nicht, nur bei Mahn­wa­chen Hal­tung zu zei­gen – auch im All­tag müsse häu­fi­ger wider­spro­chen werden.