
Sonnenbeschienen und voller Zuversicht (vl): Astrid Hirsch-von Borries, Andrea Sonnen, Paul Seibel, Benedict Stieber, Jona Winstroth, Anna Schlieck © Gabriele Schreckenberg
Von Gabriele Schreckenberg
Es war ein Bild mit Symbolkraft, als an diesem Spätsommernachmittag sechs Menschen in die Sonne schauten, vor dem Haus Kaiserswerther Markt 8.
Wir schreiben den 24. September 2026.
Hier in diesem Haus wohnte die Familie Bornheim, eine große Familie, wie wir erfahren, eine jüdische Familie, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Die Stolpersteine vor dem Haus im Kopfsteinpflaster zeugen von ihrer Geschichte. Und von ihrem Ende, denn fünf von ihnen wurden 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert, niemand von ihnen überlebte.
Das Haus gehörte über Generationen der Familie Bornheim. Und die Geschichte reicht bis in das Jahr 1800 zurück.
Und gleich gegenüber liegt das Kaiserswerther Rathaus, in dem schon in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts viel an Verwaltungsarbeit erledigt wurde. Vis-à-vis und Nachbarn waren die Menschen am Kaiserswerther Markt, die Verfolgten und die Verfolger.
Damals verdienten die meisten Bewohner am Kaiserswerther Markt ihr Geld in der Landwirtschaft.
Gedenkgang am 8. November
Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf liegt mitten in der Düsseldorfer Altstadt. Ihr Leiter ist Dr. Bastian Fleermann, der es sich mit seinem Team zur Aufgabe gemacht hat, an die Nationalsozialisten zu erinnern und zu mahnen, dass nie wieder Menschen jüdischer Herkunft verfolgt werden. An diesem Nachmittag wird das Programm zum Gedenken an das Novemberpogrom von 1938 vorgestellt.
Dazu hat das Team mit Astrid Hirsch-von Borries (Öffentlichkeitsarbeit Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), Anna Schlieck (Leiterin der Bildungsarbeit), Andrea Sonnen (Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e. V.), Jona Winstroth (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Mahn- und Gedenkstätte), Paul Seibel (Gestalter) und CDU-Bezirksbürgermeister Benedict Stieber eingeladen.
Was geschieht an diesem Tag?
Anna Schlieck gibt Einblicke: „Wir haben die Schulen hier vor Ort ins Boot geholt, mit uns ein Programm für den Gedenktag am 8. November zu erarbeiten. Die Gemeinschaftsgrundschule Kaiserswerth, das Berufskolleg Kaiserswerth, das Theodor-Fliedner-Gymnasium und das Erzbischöfliche St. Suitbertus-Gymnasium machen mit.“
Dabei sieht die Teilhabe an diesem Projekt unterschiedlich aus. In Projektgruppen und Leistungskursen werden in den Klassen je nach Altersgruppen Inhalte erarbeitet und eingefügt.
Am 8. November wird es einen etwa eineinhalbstündigen Rundgang durch Kaiserswerth geben, bei dem nicht nur einige Häuser aufgesucht werden, in denen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger gelebt haben. Ein Gedenkgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche auf der Fliednerstraße um 17 Uhr schließt sich an.
In mindestens vier Schaufenstern der Kaiserswerther Geschäfte wird es Ausstellungen zur Pogromnacht vom 9. November 1938 geben. Zusätzlich darf das noch eingerüstete Kaiserswerther Rathaus angestrahlt werden. Diese Aktion dauert bis Ende November.
Wer das Projekt unterstützt
Kaiserswerth ist der dritte Standort, an dem an die Pogromnacht erinnert wird. Nach dem Zooviertel und Eller ist nun der Stadtnorden dran.
Die Unterstützung vor Ort ist groß: Die Bezirksvertretung 05 macht mit, Optik Pingel, die Stadtteilbibliothek Kaiserswerth, die Buchhandlung Thalia Kaiserswerth und die Finanzagentur Emittendo.
Veranstalter ist der Arbeitskreis „Gedenken 9. November“, die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e. V., der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf und die Katholische Kirche Düsseldorf.
Anna Schlieck betont: „ALLE sind willkommen, am 8. November mitzugehen. Wir treffen uns um 15 Uhr am Klemensplatz und gehen von hier aus los. Wir freuen uns über zahlreiche Teilnahme!“

Im Haus Kaiserswerther Markt 8 wohnte die Familie Bornheim. Fünf von ihnen sind im KZ 1941 gestorben. Die Stolpersteine erinnern an sie. © Garbriele Schreckenberg