Rheinbahn zieht Konsequenzen aus Sicherheitsgutachten – weitere Schutzmaßnahmen geplant

Symbolbild:Zusammenstoß zwischen ein PKW und der Rheinbahn Foto: LB / Olaf Oidtmann
Die Rheinbahn will die Sicherheit im Straßenbahnbetrieb weiter verbessern. Unabhängige Gutachten zu den schweren Unfällen in Holthausen im November 2025 und an der Berliner Allee im Mai 2026 zeigen zusätzlichen Handlungsbedarf. Vor allem bei der technischen Absicherung, der Ausbildung des Fahrpersonals und der Organisation der Sicherheitsabläufe sieht das Unternehmen Verbesserungsmöglichkeiten. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen sollen deshalb ausgeweitet und in einem Aktionsprogramm gebündelt werden.
Für die Untersuchungen waren externe Sachverständige von TÜV Rheinland, Deloitte und Human Factor Consulting beauftragt worden. Sie haben technische, menschliche und organisatorische Faktoren analysiert. Dabei zeigte sich, dass bei den Unfällen mehrere Risikofaktoren zusammenwirkten. Zusätzliche technische Sicherheitsbarrieren hätten die Gefahren verringern können.
Die Rheinbahn hatte bereits vor Abschluss der Gutachten erste Konsequenzen gezogen. Dazu zählen ein Begegnungsverbot, veränderte Weichenvorzugslagen an besonders kritischen Stellen und zusätzliche Sicherungen an Weichen. Außerdem wurden Lehrvideos zum sicheren Umgang mit Weichen erstellt und Fahrerassistenzsysteme erprobt. Auch die Betriebsleitung wurde neu besetzt und die bereichsübergreifende Sicherheitssteuerung verstärkt.
„Die schweren Unfälle haben uns sehr beschäftigt. Wir tragen Verantwortung für die Sicherheit unserer Fahrgäste und Beschäftigten. Deshalb haben wir die Ereignisse umfassend und unabhängig untersuchen lassen und bereits konkrete Schutzmaßnahmen umgesetzt“, sagt Annette Grabbe, Vorstandsvorsitzende der Rheinbahn.
Gutachten zeigen vergleichbare Risiken
Besonders zwischen den Unfällen in Holthausen und an der Berliner Allee stellten die Gutachter vergleichbare Risikokonstellationen fest. Die Untersuchungen zeigen zudem, dass nach dem Unfall in Holthausen bereits Maßnahmen eingeleitet worden waren. Allerdings gab es Defizite bei der übergreifenden Bewertung erkannter Risiken und bei der Kontrolle, ob beschlossene Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden und tatsächlich wirksam waren.
Ob der Unfall an der Berliner Allee durch frühere Maßnahmen sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte verhindert werden können, lässt sich nach Angaben der Gutachter nicht nachweisen. Zwar seien alle gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten worden. Eine frühere und umfassendere Bearbeitung erkennbarer Risiken hätte die Wahrscheinlichkeit vergleichbarer Unfälle jedoch möglicherweise verringern können.
„Sicherheit entsteht im Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation“, erklärt Grabbe. Ziel sei es, Risiken früher zu erkennen, mögliche Fehler aufzufangen und aus Unfällen und Störungen systematisch zu lernen.
Aktionsprogramm soll Sicherheit dauerhaft verbessern
Die Rheinbahn bündelt laufende und neue Vorhaben künftig im Aktionsprogramm Betriebssicherheit. Es baut auf der Sicherheitsstrategie 2030 auf und umfasst drei Schwerpunkte.
Beim Handlungsfeld Mensch stehen die Ausbildung und Überprüfung sicherheitskritischer Kompetenzen im Mittelpunkt. Geplant sind unter anderem praktische Kompetenznachweise, eine intensivere Begleitung neuer Fahrer und eine stärkere Berücksichtigung der Berufserfahrung bei der Einsatzplanung.
Im Bereich Technik sollen kritische Stellen im gesamten Streckennetz systematisch überprüft werden. Zusätzliche technische Sicherungen, insbesondere an Weichen, sowie Warn- und Assistenzsysteme sollen abhängig von der jeweiligen Risikolage weiterentwickelt werden.
Auch die Organisation wird neu ausgerichtet. Unfälle, Störungen und Beinaheereignisse sollen künftig systematischer ausgewertet werden. So sollen wiederkehrende Gefahren früher erkannt und gewonnene Erkenntnisse auf vergleichbare Situationen im gesamten Netz übertragen werden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Kontrolle der Wirksamkeit. Die Rheinbahn will künftig nicht nur überprüfen, ob eine Maßnahme umgesetzt wurde, sondern auch, ob sie das Sicherheitsrisiko tatsächlich verringert hat.
„Eine Maßnahme ist nicht deshalb erfolgreich, weil wir sie beschlossen oder umgesetzt haben. Entscheidend ist, ob sie das Risiko tatsächlich reduziert“, sagt Christian Finke, Vorstand für Betrieb und Infrastruktur. Daran wolle sich die Rheinbahn messen lassen. Ziel sei eine Sicherheitsorganisation, die Gefahren früher erkennt, konsequent handelt und sich kontinuierlich verbessert.