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Restaurant “Im Schiffchen” ist Geschichte

Restau­rant “Im Schiff­chen” © Gabriele Schreckenberg

Von Gabriele Schreckenberg

Mitt­woch, 28. Okto­ber, 13.10 Uhr am Kai­sers­wert­her Markt. Zwei junge Män­ner tra­gen gestärkte weiße Tisch­tü­cher aus dem Restau­rant „Im Schiff­chen“. Jean-Claude Bour­gu­eil, einer der berühm­tes­ten Köche der Stadt, hört auf. In die­sen Tagen wird alles an Por­zel­lan, Tafel­sil­ber, Koch­ge­schirr und mehr ver­kauft und weg­ge­ge­ben. Das Restau­rant, das über viele Jahre einen Miche­lin-Stern erkocht und behal­ten konnte, hat nun geschlos­sene Türen. Im kom­men­den Früh­jahr wird Bour­gu­eil, den die meis­ten „Jean-Claude“ nen­nen, 80 Jahre alt.

Seit Okto­ber 1977
Im Okto­ber 1977 über­nahm der Fran­zose das Restau­rant am Kai­sers­wert­her Markt. Er fing mit einer klei­nen Mann­schaft an, hatte zu Beginn wenige Gäste und konnte dank sei­nes uner­müd­li­chen Flei­ßes und Talents das Restau­rant zu einer erst­klas­si­gen Adresse für erle­sene Spei­sen und Weine aus­bauen. 49 Jahre lang hat Bour­gu­eil hier gekocht, gezau­bert, gewirkt.

Unver­gess­lich waren neben dem fran­zö­si­schen Flair und der Klasse des Restau­rants auch sein Tem­pe­ra­ment. Als einst, vor etwa 20 Jah­ren, der Kai­sers­wert­her Markt abge­pol­lert wurde, um den Durch­gangs­ver­kehr zu redu­zie­ren – was ein Feld­ver­such war –, ent­fernte Bour­gu­eil eigen­hän­dig die Pol­ler und ver­kün­dete den Lokal­po­li­ti­kern, dass seine weib­li­chen Gäste auf High Heels kämen und nicht zu Fuß über das Kopf­stein­pflas­ter lau­fen woll­ten. Damit war der Feld­ver­such nach kur­zer Zeit been­det und die Poli­ti­ker ziem­lich ratlos.

Das Gour­met­re­stau­rant „Im Schiff­chen“ resi­dierte in dem denk­mal­ge­schütz­ten Haus, wäh­rend der „Aal­schok­ker“ 1986 im Erd­ge­schoss hin­zu­kam. So waren zwei Kon­zepte unter einem Dach ver­eint: Top-fran­zö­si­sche Küche und geho­bene deut­sche Küche.

Fast ein hal­bes Jahr­hun­dert
Viele Geschich­ten ran­ken sich um das Restau­rant. In den ers­ten Jahr­zehn­ten, bis Ende 2012, durfte im Innern noch geraucht wer­den. Das ist längst Geschichte. Frü­her gab es Speise- und Wein­kar­ten für Her­ren und Damen. Die Kar­ten für die Damen hat­ten keine Preise. Dass Jean-Claude Bour­gu­eil ein stren­ges Regi­ment in der Küche führte, ist nach­voll­zieh­bar. Dass alle Lehr­linge, die hier ihre Aus­bil­dung absol­viert haben, mit Kuss­hand in ande­ren Renom­mee-Häu­sern genom­men wur­den, spricht für den Chef.

Jean-Claude Bour­gu­eil mag Under­state­ment. In den letz­ten Jah­ren kam er mit einer hell­blauen Ente, einem Citroën 2CV, aus Anger­mund, wo er lange wohnte, nach Kai­sers­werth. Seit etwa zehn Jah­ren ist er in drit­ter Ehe mit einer Japa­ne­rin ver­hei­ra­tet. Das hat sich wun­der­bar auf einige sei­ner Spei­sen aus­ge­wirkt, die fern­öst­li­che Akzente erhielten.

Wie auf­rei­bend der Betrieb eines Ster­ne­re­stau­rants sein kann, lässt sich nur ver­mu­ten. Doch nun will Bour­gu­eil künf­tig ein­fach unter­wegs sein und das Leben genießen.

Vive la vie! Wir wün­schen alles Gute!

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