Jochen Reiter © Aquazoo Löbbecke Museum

Jochen Rei­ter © Aqua­zoo Löbbecke Museum

 

Von Gabriele Schreckenberg

Dr. Jochen Rei­ter ver­lässt Düs­sel­dorf im nächs­ten Sommer

Zehn Jahre lang hat Dr. Jochen Rei­ter den Aqua­zoo Löbb­ecke Museum geprägt. Unter sei­ner Lei­tung wurde das Haus zu einem der belieb­tes­ten Aus­flugs­ziele Düs­sel­dorfs – mit inzwi­schen knapp 500.000 Besu­chern jährlich.

Im kom­men­den Som­mer wech­selt Rei­ter zum Opel-Zoo nach Kron­berg im Tau­nus. Sein Abschied wird in Düs­sel­dorf nicht nur von vie­len Men­schen bedau­ert wer­den – auch die tie­ri­schen Bewoh­ner wer­den ihren Chef vermissen.

Am 25. Sep­tem­ber haben wir mit dem 1973 gebo­re­nen Fami­li­en­va­ter über sei­nen Abschied, seine Zeit in Düs­sel­dorf und seine neue Auf­gabe gesprochen.

Lokal­büro: Herr Dr. Rei­ter, als die Düs­sel­dor­fe­rin­nen und Düs­sel­dor­fer erst kürz­lich erfuh­ren, dass Sie den Aqua­zoo ver­las­sen, ging ein Rau­nen des Bedau­erns durch die Stadt. Wel­ches Feed­back bekom­men Sie ganz persönlich?

Jochen Rei­ter: Tat­säch­lich war es kein Rau­nen, son­dern ein Sturm, so wie ich ihn nicht erwar­tet hatte. Es ist ein Unter­schied, ob es „nur“ Glück­wün­sche hagelt oder ob diese von Ent­set­zen flan­kiert wer­den. Iden­tisch war die Situa­tion zuvor in der Beleg­schaft, als sie von mir infor­miert wurde. Ich hätte es mir ein­fach machen und sagen kön­nen, dass ich gehe. Das bin ich nicht, und es wäre alles andere als fair gewe­sen. Ich habe viel dazu erklärt, fast eine halbe Stunde. Die Mit­ar­bei­ten­den haben es mir auf­rich­tig gedankt und Ver­ständ­nis gezeigt.

Im Aqua­zoo wie außer­halb wird mir seit Tagen anhand der unzäh­li­gen Rück­mel­dun­gen auf eine beson­dere Art und Weise gezeigt, wie viel der Gesell­schaft diese ein­zig­ar­tige Kul­tur­in­sti­tu­tion, aber auch ich als Per­sön­lich­keit bedeute. Das hat meine Augen nicht nur ein­mal feucht wer­den lassen.

Lokal­büro: Wenn Sie Ihre Zeit in Düs­sel­dorf mit drei Adjek­ti­ven beschrei­ben und zusam­men­fas­sen, wel­che Adjek­tive sind das?

Jochen Rei­ter:

  • Warm­her­zig
  • Lebens­lus­tig
  • Welt­of­fen

Lokal­büro: Ab dem kom­men­den Som­mer wer­den Sie den Opel-Zoo in Kron­berg im Tau­nus lei­ten. Ein Blick zurück und ein Blick nach vorne, bitte. Was hat Sie an Ihrer Zeit in Düs­sel­dorf begeis­tert? Was waren Stol­per­steine? Und was erwar­ten Sie in Kronberg?

Jochen Rei­ter: Die zehn Jahre in Düs­sel­dorf waren auf jeden Fall extrem inten­siv. Es fing an mit mei­nem größ­ten beruf­li­chen Kraft­akt, der Sicher­stel­lung der lang ersehn­ten Wie­der­eröff­nung. Ich hatte von Anfang an dafür plä­diert, aus dem Aqua­zoo Löbb­ecke Museum eine Marke zu machen. Wir ver­or­te­ten uns immer stär­ker in den sozia­len Medien, wur­den Loca­tion für exklu­sive Din­ner oder außer­ge­wöhn­li­che Events (z. B. Fashion Shows) und kur­bel­ten das Mer­chan­di­sing mit gebran­de­ten Pro­duk­ten (bis hin zu Hoo­dies) an. Der ganz­heit­li­che Blick auf die­ses ein­zig­ar­tige Insti­tut und seine Wei­ter­ent­wick­lung unter Wah­rung der Kern­kom­pe­ten­zen und ‑the­men hat mich immer fas­zi­niert, und es ist uns dabei gelun­gen, zahl­rei­che Koope­ra­ti­ons­part­ner zu gewinnen.

Ein Höhe­punkt in der jün­ge­ren His­to­rie des Insti­tuts war die Ein­füh­rung des Arten­schutz-Euros vor über drei Jah­ren, die dank der Unter­stüt­zung in Ver­wal­tung und Poli­tik gelang. End­lich haben unsere rund 20 Part­ner im Natur- und Arten­schutz, die an vor­ders­ter Front uner­müd­lich für den Erhalt der Bio­di­ver­si­tät kämp­fen, die nötige Planungssicherheit.

Dass ich in den letz­ten Jah­ren, Seite an Seite mit unse­rem Freun­des­kreis als wich­tigs­tem Ver­bün­de­tem, aus sehr vie­len guten Grün­den vehe­ment für die not­wen­dige Aus­grün­dung und Erwei­te­rung des Aqua­zoos gekämpft habe, ist hin­läng­lich bekannt.

Ich mag den Kampf ver­lo­ren haben, der mah­nende Zei­ge­fin­ger bleibt aber: Allein schon die Not­wen­dig­keit, die Tier­hal­tung nicht nur punk­tu­ell zu moder­ni­sie­ren, macht eine sub­stan­zi­elle struk­tu­relle Wei­ter­ent­wick­lung in nicht allzu fer­ner Zukunft alternativlos.

Der Opel-Zoo ist in allen rele­van­ten Berei­chen – Natur-/Ar­ten­schutz, Bil­dung, Ver­mitt­lung und Erho­lung – in der ers­ten Liga der wis­sen­schaft­lich geführ­ten Zoos. Ich werde mich in dem gut bestell­ten Haus nicht aus­ru­hen, son­dern die lange Tra­di­tion des Land­schafts­zoos vor den Toren Frank­furts bewah­ren und dabei mit dem dor­ti­gen Team behut­sam neue Wege gehen.

Herr Dr. Rei­ter, wir dan­ken Ihnen herz­lich für das auf­schluss­rei­che Gespräch und wün­schen Ihnen schon jetzt alles Gute für die nächste Zeit!