Düsseldorf macht Jagd auf Falschparker: Scanfahrzeug kontrolliert Radwege
38 Kilometer Radwege stehen zunächst im Fokus. OB Stephan Keller betont: Es geht um Verkehrssicherheit, nicht um zusätzliche Einnahmen durch Bußgelder.
Falschparker auf Radwegen sollen in Düsseldorf künftig deutlich häufiger auffallen. Das Ordnungsamt setzt ab Mitte November ein Scanfahrzeug ein, das mit moderner Kameratechnik mögliche Parkverstöße während der Fahrt erfasst. Zum Auftakt werden 38 Kilometer Radfahrstreifen und Schutzstreifen überwacht. Die Stadt startet damit eine zunächst einjährige Projektphase. Danach soll entschieden werden, wie und wo die Technik weiter eingesetzt werden kann.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller sieht in dem Fahrzeug vor allem einen Gewinn für die Sicherheit im Straßenverkehr. Die Technik könne im normalen Verkehr mitschwimmen und Autos erfassen, die auf Flächen stehen, auf denen sie nichts zu suchen haben. Besonders sinnvoll sei der Einstieg bei den Radwegen, weil dort vergleichsweise eindeutig zu erkennen sei, ob ein Fahrzeug verbotswidrig abgestellt wurde.
„Es ist ein weiterer Schritt hin zur Digitalisierung unserer Stadtverwaltung. Und wir setzen Digitalisierung ein, da, wo sie wirklich einen Unterschied macht“, sagte Keller bei der Vorstellung. Besonders wichtig sei ihm aber der Beitrag zur Sicherheit des Radverkehrs. Falsch abgestellte Autos zwängen Radfahrer häufig dazu, auf die Fahrbahn auszuweichen oder gefährliche Situationen zu riskieren.
Keller stellte dabei ausdrücklich klar, dass es der Stadt nicht darum gehe, mit dem neuen Fahrzeug zusätzliche Einnahmen zu erzielen. „Es geht nicht darum, dass dieses Fahrzeug sozusagen die Einnahmeseite der Stadt erhöhen soll.“ Auch das Schreiben von Knöllchen stehe nicht im Vordergrund. Vielmehr sollten die Radverkehrsanlagen, die Düsseldorf in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut habe, tatsächlich frei und nutzbar bleiben. Die Radfahrer könnten sich deshalb auf weniger blockierte Radwege freuen.
Ordnungsdezernent Christian Zaum ergänzte, dass Düsseldorf mit dieser Art der Verkehrsüberwachung nach eigener Darstellung bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Zwar gebe es in Heidelberg und Hamburg bereits Scanfahrzeuge, diese würden dort jedoch auf abgegrenzten Parkflächen eingesetzt. Die Überwachung im fließenden Verkehr sei in Deutschland bislang neu. Auch andere Städte verfolgten das Düsseldorfer Projekt mit großem Interesse.
Rechtliche Voraussetzungen wurden erst geschaffen
Die Technik stammt von einem niederländischen Anbieter. In den Niederlanden sind solche Scanfahrzeuge bereits im täglichen Einsatz. Für den Einsatz in Deutschland mussten allerdings zunächst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Dafür wurde im vergangenen Jahr das Straßenverkehrsgesetz angepasst.
Das Düsseldorfer Ordnungsamt hatte die Technik bereits im August 2025 einen Tag lang auf einer Probestrecke getestet. Nach diesem sogenannten Proof of Concept fiel die Entscheidung, das System nun im Rahmen eines einjährigen Projekts einzusetzen.
Zaum erläuterte auch, warum der Start zunächst auf Radwegen erfolgt. Die überwachten Flächen müssen digital erfasst und entsprechend aufbereitet werden. Daran arbeiten neben Mitarbeitern des Ordnungsamtes auch Beschäftigte des Katasteramtes. Das sei eine Voraussetzung, um das System in den kommenden Jahren auf weitere Bereiche ausweiten zu können.
Noch keine flächendeckende Parkraumüberwachung
Eine vollständige Überwachung des normalen Parkraums mit dem Scanfahrzeug ist derzeit noch nicht möglich. Dafür fehlen nach Angaben des Dezernenten wichtige digitale Grundlagen. Dazu gehören unter anderem Informationen über Handwerkerparkausweise und Behindertenparkausweise. Solche Ausnahmen müssten zuverlässig berücksichtigt werden, bevor das System auch für die allgemeine Parkraumkontrolle eingesetzt werden könne. Das werde noch einige Jahre dauern.
Im bevorstehenden Projektjahr will die Stadt allerdings bereits weitere Einsatzmöglichkeiten erproben. Zaum nannte dabei Feuerwehrbewegungszonen und das Parken in zweiter Reihe. Gerade dort könnten falsch abgestellte Fahrzeuge erhebliche Behinderungen verursachen. Das Probejahr solle zeigen, welche zusätzlichen Kontrollen technisch und organisatorisch sinnvoll möglich sind.
So funktioniert die Kontrolle
Das Scanfahrzeug wird von Mitarbeitern der Verkehrsüberwachung gefahren. Während der Fahrt erfasst das Kamerasystem die zuvor festgelegten Bereiche. Bei einem möglichen Verstoß entstehen Übersichts- und Detailaufnahmen des Fahrzeugs einschließlich des Kennzeichens. Die Daten werden anschließend in einer Software ausgewertet.
Automatisch verhängte Bußgelder gibt es nicht. Die Aufnahmen werden von Mitarbeitern geprüft. Erst wenn ein Verstoß festgestellt wird, leitet die Stadt ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.
Auch den Datenschutz hat die Stadt nach eigenen Angaben berücksichtigt. Es werden nur Daten verarbeitet, die für die Feststellung und Ahndung eines konkreten Verkehrsverstoßes erforderlich sind. Nicht relevante Aufnahmen werden nach den geltenden datenschutzrechtlichen Vorgaben gelöscht oder technisch verworfen. Eine flächendeckende Dauerüberwachung des gesamten Verkehrs ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
Für Düsseldorf ist das Scanfahrzeug damit zunächst ein neues Instrument im Kampf gegen blockierte Radwege. Ob es tatsächlich zu einer spürbaren Verbesserung führt, wird sich im Laufe des einjährigen Praxistests zeigen. Die Stadt will die Erfahrungen nutzen, um über weitere Einsatzbereiche und den Ausbau der digitalen Verkehrsüberwachung zu entscheiden.


