Art:Walk-Festival © LB / Olaf Oidtmann

 

Von Man­fred Fammler

Über 100 Ver­an­stal­tun­gen an mehr als 70 Orten – das neue Art sollte ein legi­ti­mer und grö­ße­rer Nach­fol­ger der Nacht der Museen wer­den. Die bit­tere Erkennt­nis: Die ver­gan­ge­nen bei­den Tage mit „Luft nach oben“ zusam­men­zu­fas­sen, wäre höf­lich und sehr wohlwollend.

Sams­tag, frü­her Abend im Ehren­hof: In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren hat­ten sich bereits vor der Eröff­nung lange Schlan­gen vor dem Kunst­pa­last oder dem NRW-Forum gebil­det. Dies­mal ent­stand die ein­zige Schlange vor einem Food­truck im Ehren­hof. Fast über­all das glei­che Bild: War­te­zeit gleich null.

Wobei: Über­all nun auch wie­der nicht. Es gab ja noch St. Lam­ber­tus. Dort ent­führte der His­to­ri­ker Ulrich Brosza die Besu­cher in die Unter­welt. Und sie war­te­ten gedul­dig in einer Schlange, bis sie in die­sen recht schmuck­lo­sen Kel­ler hin­ab­stei­gen durften.

„Man­che Leute sagen, ihr Kel­ler wäre schö­ner als die­ser“, schmun­zelte der Ellera­ner. Doch darum ging es gar nicht.

Es ging um die Geschich­ten von Jacobe von Baden und von den Men­schen, die sich an den Wän­den ver­ewigt hat­ten – Geschich­ten, die der His­to­ri­ker wie­der auf­le­ben ließ. Oder um die Stadt Düs­sel­dorf und die Alt­vor­de­ren der St.-Lambertus-Gemeinde, die ange­sichts klam­mer Kas­sen die Blei­särge an einen Schrott­händ­ler ver­äu­ßert hat­ten, nach­dem sie die Gebeine der ursprüng­li­chen Bewoh­ner in der Gruft ver­teilt hatten.

Ansons­ten blieb der Ein­druck, dass die­ses neue Fes­ti­val in der all­ge­mei­nen sams­täg­li­chen Fei­er­laune Düs­sel­dorfs unter­ging. „Biker 4 Kids“, D.Sports 3x3 Bas­ket­ball, Speed­klet­tern auf dem Burg­platz – Kon­kur­renz aus dem eige­nen Haus – und die Invic­tus Games waren nur vier Ver­an­stal­tun­gen an die­sem Eventwochenende.

Kon­kur­renz belebt das Geschäft, sticht andere aber auch aus und schafft Ver­lie­rer. Einer davon war am spiel­freien Sams­tag das neu­ar­tige Fes­ti­val, das auch die „Straße der Roman­tik und Revo­lu­tion“, die eigent­lich Bil­ker Straße heißt, nicht ret­ten konnte.

Von revo­lu­tio­nä­rer Auf­bruchs­stim­mung war nichts zu spü­ren. Dabei ist die Idee, die Straße zu sper­ren, eine Bühne auf­zu­bauen und alle anlie­gen­den Kul­tur­in­sti­tute in einer gemein­sa­men Aktion zu ver­ei­nen, wirk­lich stark und birgt gro­ßes Potenzial.

Und der Sonntag?

Um 12 Uhr öff­nete das Schau­spiel­haus mit einem Ver­kauf von Kos­tü­men aus dem Fun­dus. Ein gro­ßer Erfolg, denn schon rund eine Stunde spä­ter hieß es „aus­ver­kauft“ – was aller­dings auch an jedem belie­bi­gen Tag mit Fun­dus­ver­kauf der Fall gewe­sen wäre.

Doch diese Betrach­tung greift zu kurz. Die Öff­nung der städ­ti­schen und freien Büh­nen war eine gelun­gene Ergän­zung und Erwei­te­rung des Ange­bots und birgt viel Potenzial.

Im Gro­ßen Haus tanz­ten viele Men­schen zu „Move It“, nebenan spielte im Klei­nen Haus eine Rock­band, wäh­rend zeit­gleich im Opern­haus Arien im Duett gesun­gen wur­den. Und ja: Es gab sie noch – wenn auch deut­lich kür­zer –, die War­te­schlan­gen von akzep­ta­bler Länge, die sich nicht über Stun­den hin­zo­gen. Sie bil­de­ten sich für einen Blick hin­ter die Kulis­sen des Bestands­hau­ses an der Heinrich-Heine-Allee.

Das Art braucht keine Ideen – es braucht eine zün­dende Idee.