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Leise rieselt der Schmäh: Bernhard Paul bringt ein Stück Wien ins Düsseldorfer Apollo

Asia Perris begeistert mit ihrer Handstand-Equilibristik. Mit beeindruckender Körperbeherrschung und außergewöhnlicher Beweglichkeit zeigt die Artistin spektakuläre Figuren. © Lokalbüro
Leopold Altenburg, Ururenkel von Kaiserin Elisabeth (Sisi) und Kaiser Franz Joseph, führt als Oberkellner mit Wiener Charme durch das Programm und erzählt die Geschichten aus dem Kaffeehaus. © Lokalbüro
Ein Artist des Ensembles balanciert auf dem Russischen Barren, während seine Kollegen für die nötige Spannung und Balance sorgen. Eine beeindruckende Darbietung des Trios Zholdasov. © Lokalbüro

Ein Hauch von Wien am Rhein­ufer: Mit „Leise rie­selt der Schmäh – Wie­ner Kaf­fee­haus­ge­schich­ten“ ent­führt Bern­hard Paul das Publi­kum in seine Hei­mat­stadt. Das neue Win­ter­pro­gramm im Roncalli’s Apollo Varieté ist eine lie­be­volle Hom­mage an die Wie­ner Kaf­fee­haus­kul­tur. Mit viel Nost­al­gie, einem stim­mungs­vol­len Ambi­ente, kuli­na­ri­schen Spe­zia­li­tä­ten und beein­dru­cken­der Artis­tik wird dar­aus ein Abend, bei dem nicht nur die Bühne eine Rolle spielt.

Bern­hard Paul ist ein Heim­weh-Wie­ner. Vor 50 Jah­ren ver­ließ der Ron­calli-Grün­der seine Geburts­stadt, doch die Sehn­sucht nach dem Wie­ner Lebens­ge­fühl ist geblie­ben. Beson­ders das Kaf­fee­haus hat es ihm ange­tan. Die­sen ganz per­sön­li­chen Sehn­suchts­ort bringt er jetzt auf die Bühne des Apollo. Mit „Leise rie­selt der Schmäh“ hat Paul erst­mals seit län­ge­rer Zeit wie­der selbst ein Pro­gramm ent­wi­ckelt und führt Regie. Her­aus­ge­kom­men ist eine Insze­nie­rung, die weni­ger auf Tempo als auf Atmo­sphäre, Charme und eine durch­ge­hende Geschichte setzt.

Schon beim Betre­ten des Thea­ters beginnt die Reise nach Wien. His­to­ri­sche Kaf­fee­haus­ein­rich­tung, Tho­net-Stühle, guss­ei­serne Tische, alte Wer­be­schil­der und zahl­rei­che lie­be­voll aus­ge­wählte Details las­sen die Besu­cher in eine andere Zeit ein­tau­chen. Dafür hat Bern­hard Paul sogar seine pri­vate Samm­lung geöff­net. Die Kulisse wirkt authen­tisch und kei­nes­wegs wie eine schnell zusam­men­ge­stellte Thea­ter­de­ko­ra­tion. Hier steckt viel Liebe zum Detail. Man spürt, dass es Paul nicht allein um eine Show geht, son­dern darum, ein Stück sei­ner Hei­mat mit dem Publi­kum zu teilen.

Durch die Kaf­fee­haus­ge­schich­ten füh­ren Leo­pold Alten­burg, Urur­en­kel von Kai­se­rin Sisi und Kai­ser Franz Joseph, sowie der gebür­tige Wie­ner Georg Wacks. In der Rolle der Ober­kell­ner geben sie dem Abend einen roten Faden und sor­gen mit Wie­ner Charme für die pas­sen­den Über­gänge zwi­schen den ein­zel­nen Darbietungen.

Auch auf der Bühne zeigt sich die beson­dere Hand­schrift die­ser Pro­duk­tion. Das Pro­gramm ist ins­ge­samt ruhi­ger ange­legt als man­che frü­here Apollo-Insze­nie­rung. Statt einer Anein­an­der­rei­hung mög­lichst spek­ta­ku­lä­rer Num­mern ent­steht ein Abend mit einer stär­ke­ren Erzähl­struk­tur. Das passt zum Thema und gibt der Wie­ner Kaf­fee­haus­welt Raum, ihre Wir­kung zu ent­fal­ten. Hier geht es nicht um pau­sen­lose Action, son­dern um eine Mischung aus Artis­tik, Musik, Tanz, Humor und nost­al­gi­schen Momenten.

Dass dabei auch die artis­ti­schen Höhe­punkte nicht zu kurz kom­men, bewei­sen vor allem drei Dar­bie­tun­gen. Les Deux Plu­mes am Luft­ring begeis­tern mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Ver­bin­dung aus akro­ba­ti­scher Kraft, Prä­zi­sion und tän­ze­ri­scher Ele­ganz. Marika und Rochelle schei­nen in der Luft bei­nahe schwe­re­los zu schwe­ben. Ein wei­te­rer Höhe­punkt ist Asia Per­ris mit ihrer Hand­stand-Equi­li­bris­tik. Mit beein­dru­cken­der Beweg­lich­keit und Kör­per­be­herr­schung formt sie Figu­ren, die dem Publi­kum den Atem neh­men. Für einen beson­ders spek­ta­ku­lä­ren Moment sorgt schließ­lich das Trio Zhol­da­sov am Rus­si­schen Bar­ren. Mit per­fekt auf­ein­an­der abge­stimm­ten Sprün­gen, Salti und Schrau­ben kata­pul­tie­ren sich die drei Artis­ten durch die Luft. Das Zusam­men­spiel aus Kraft, Ver­trauen und Syn­chro­ni­tät sorgt für gro­ßen Applaus. Diese drei Dar­bie­tun­gen set­zen zwei­fel­los die artis­ti­schen Glanz­punkte des Abends.

Doch bei Bern­hard Paul gehört zu einem gelun­ge­nen Varie­té­be­such bekannt­lich mehr als das Gesche­hen auf der Bühne. Auch kuli­na­risch wird das Wie­ner Motto kon­se­quent umge­setzt. Wer sich für das Arran­ge­ment Show & Dine ent­schei­det, kann sich auf öster­rei­chi­sche Spe­zia­li­tä­ten freuen. Vom klas­si­schen Wie­ner Schnit­zel mit Erd­äp­fel­sa­lat und Prei­sel­bee­ren bis zum Ori­gi­nal-Sacher-Wür­fel ist alles auf das Thema abge­stimmt. Letz­te­rer kommt eigens aus der Wie­ner Sacher-Manu­fak­tur nach Düs­sel­dorf. Auch hier zeigt sich, dass das Kon­zept bis ins Detail durch­dacht ist. Bühne und Gas­tro­no­mie ergän­zen sich zu einem Gesamt­erleb­nis, bei dem man gerne etwas län­ger sit­zen bleibt.

Unser Fazit: „Leise rie­selt der Schmäh“ ist eine Lie­bes­er­klä­rung von Bern­hard Paul an seine Hei­mat Wien. Die Insze­nie­rung lebt von ihrer beson­de­ren Atmo­sphäre, einer Aus­stat­tung mit viel Liebe zum Detail und dem stim­mi­gen Zusam­men­spiel von Show und Gas­tro­no­mie. Die drei artis­ti­schen Höhe­punkte sor­gen für echte Varie­té­mo­mente und blei­ben beson­ders in Erin­ne­rung. Das Pro­gramm ist bewusst ruhi­ger und erzäh­le­ri­scher ange­legt als man­che frü­here Apollo-Pro­duk­tion. Wer sich dar­auf ein­lässt, erlebt einen Abend, der nicht nur unter­hal­ten, son­dern vor allem ein Stück Wie­ner Lebens­ge­fühl nach Düs­sel­dorf brin­gen möchte. Und das gelingt Bern­hard Paul auf sehr char­mante Weise.

 

Das Ensemble verabschiedet sich unter einem Konfettiregen vom Publikum. Ein stimmungsvoller Abschluss der Wiener Kaffeehausgeschichten im Apollo. © Lokalbüro

Das Ensem­ble ver­ab­schie­det sich unter einem Kon­fet­ti­re­gen vom Publi­kum. Ein stim­mungs­vol­ler Abschluss der Wie­ner Kaf­fee­haus­ge­schich­ten im Apollo. © Lokalbüro

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