Ein Kindheitstraum nimmt Fahrt auf
Von Manfred Fammler
Fast 80 Jahre habe er warten müssen, bis er seine erste Eisenbahn geschenkt bekommen habe. So wie Bernhard Paul Kindern und Erwachsenen seit 50 Jahren Träume erfüllt, erfüllte sich nun einer für ihn selbst: Der Roncalli-Schöpfer erhielt seine erste eigene E‑Lok. „Zippo“ – so der Name – ist bunt, fantasievoll und lustig.
Dieser Moment führte Paul in seine Kindheit zurück. „Ich habe mir immer Freunde gesucht, die eine Eisenbahn hatten. Dort konnte ich träumen“, erzählte er schmunzelnd und sagte, dass seine Familie kein Geld gehabt habe, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen. „Märklin war die Modellbahn, die ich mir immer gewünscht habe.“ Das Warten habe sich demnach gelohnt, auch wenn es „manchmal etwas länger dauert“, denn: „Es ist wunderbar. Ich wollte entweder Lokführer oder Zirkusdirektor werden. Jetzt bin ich beides.“ Eine Ehre sei es für ihn, von Märklin auch noch eine Lok gewidmet zu bekommen.
Doch wie sieht die Jubiläumslok nun aus? Das Original ist 21 Meter lang und wurde auf den Maßstab 1:87 verkleinert. Auf den Seiten prangt, von Blumenornamenten umgeben, der Name „Roncalli“, über dem der Schriftzug „50 Jahre Jubiläumstournee“ schwebt. Doch die Lok hieße nicht „Zippo“, wenn Pauls Alter Ego nicht auf dem Zug zu sehen wäre. Dies sogar in doppelter Hinsicht: Jeweils an der Front leuchtet die knallrote Clownsnase.
Die Jubiläumslok erscheint als aufwendig gestaltetes Modell für die Spur H0 bei Märklin. Die Sonderedition wird ausschließlich in diesem Jahr produziert und kostet 329 Euro. Vorbild ist die Elektrolokomotive der Baureihe 185.1 der Rail Bavaria. Das Modell ist 21,7 Zentimeter lang und mit einem mfx-Decoder ausgestattet, der zahlreiche Licht- und Soundfunktionen ermöglicht.
Mit der Jubiläumslok bekommt Bernhard Pauls Traum von einem poetischen Zirkus eine weitere, ganz besondere Facette. Und dass dieser Traum auch nach 50 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat, davon weiß der ergraute „Zippo“ zu berichten. „In Wien bin ich in die Manege gegangen und die Menschen haben zehn Minuten applaudiert, ohne ein Wort gesagt zu haben“, erzählt er und berichtet weiter von einer Frau, die ihm als Dankeschön für seinen Zirkus nach einer Vorstellung einen selbst gebackenen Gugelhupf schenkte. „Das ist mir mehr wert als manche Auszeichnung, die ich in meinem Leben erhielt“, sagte er. Besonders erinnert er sich auf seiner Jubiläumstour durch Europa an sein Gastspiel in Düsseldorf, wo er Riesenrad und Karussell „groß aufbaute“ und „wir den ganzen Tag einen Menschenauflauf“ hatten.
Doch zurück zum Oval im Apollo, wo die Miniaturlok heute von Jörg Iske aus dem Märklin-Marketing übergeben wurde. Denn während eine Lok in eine Vitrine von Bernhard Paul wandert, marschiert die andere – handschriftlich signiert – zur Versteigerung auf die Plattform Catawiki. Dort soll sie zugunsten von „wir helfen e. V.“ versteigert werden.
Übrigens wird das Original – also der große Bruder der Miniatur – demnächst auf die Reise gehen und Roncallis Zirkuswelt auf eisernen Adern der Welt entgegenrollen. Doch nicht nur das. Die Lok wird auch andere, eher profanere Güter durch die Republik ziehen, sodass Bahnliebhaber bestimmt hier und da ein tolles Foto machen können.
Bleibt aber trotz aller erfüllten Wünsche noch ein besonderer unerwähnt: Ob er irgendwann einmal im Führerstand stehen, seine Hand an den Fahrschalter legen und das stählerne Roncalli-Ross zum Leben erwecken wird? Bernhard Paul lacht: „Das wäre ein Traum.“
Zum Träumen – und das zeigt uns sein Zirkus seit einem halben Jahrhundert – ist niemand zu alt. Und manchmal werden Träume einfach wahr.

Die Jubiläumslok von Marklin © Lokalbüro


