Augmented Reality an der Kö: „Sediment“ macht die Bastionsbrücke zum Blick in die Zukunft
Wer in diesen Wochen auf der Bastionsbrücke an der Königsallee stehen bleibt und sein Smartphone zückt, sieht dort mehr als den Kö-Graben. Seit dem 21. September ist die Kunstinstallation „Sediment“ der Künstlerin Sophie Erlund zu sehen, die eine reale Skulptur mit Augmented Reality (AR) verbindet. Es ist das erste von zwei Gewinnerprojekten aus dem erstmals ausgeschriebenen Wettbewerb der Kunstkommission Düsseldorf für XR-Formate im öffentlichen Raum. Offiziell vorgestellt wurde die Arbeit am Freitag, 2. Oktober, um 14 Uhr, begleitet von einem Artist Talk mit der Künstlerin. Zu sehen ist sie nach Angaben der Stadt noch bis zum 1. Oktober 2027.
Den Anfang macht eine 1,20 Meter hohe Skulptur aus pigmentiertem Gussbeton, die mittig auf der Brücke steht. Eingelassene Fundobjekte machen die Schichtung des Materials sichtbar. In die Skulptur ist eine Plakette mit QR-Code integriert, die den Zugang zur digitalen Ebene öffnet. Wer sie scannt, sieht auf dem Display eine rund 30 mal 30 Meter große Landschaft. Wo in Wirklichkeit das Wasser des Kö-Grabens liegt, öffnet sich eine digital gebaute Schlucht in Pastelltönen, die an ein ausgetrocknetes Flussbett oder einen geologischen Schnitt erinnert. In ihr schweben Alltagsgegenstände, technische Fragmente und Fundstücke, die teils aus dem persönlichen Archiv der Künstlerin und teils aus Düsseldorf stammen. Sie wirken wie die Hinterlassenschaften unserer Gegenwart, die irgendwann jemand ausgräbt.
Genau darum geht es Erlund: Welche materiellen, technologischen und ökologischen Spuren lässt die heutige Gesellschaft zurück, und wie läse man sie aus der Sicht späterer Zeiten? Der Ort ist dabei bewusst gewählt. Auf der Kö treffen Konsum, Repräsentation und sehr unterschiedliche Lebensrealitäten aufeinander. Die Künstlerin legt über diesen Stadtraum einen Blick in seine Zukunft. Skulptur, digitaler Raum und Standort bilden zusammen ein Werk.
Wettbewerb mit dem MIREVI Lab der Hochschule
Mit der Ausschreibung wollte die Kunstkommission ausprobieren, wie Kunst zwischen physischem und digitalem Raum funktionieren kann. XR steht für „Extended Reality“ und umfasst Augmented, Virtual und Mixed Reality. Die Technik sollte dabei nicht im Mittelpunkt stehen. Gesucht waren eigenständige künstlerische Arbeiten, die digitale Mittel mit einem konkreten, öffentlich zugänglichen Ort in der Stadt verknüpfen und neue Blicke auf den Stadtraum ermöglichen. Entwickelt wurde der Wettbewerb seit 2023 gemeinsam mit dem MIREVI Lab der Hochschule Düsseldorf. Das zweite Gewinnerprojekt, „Noh-Zyklus“ von Hedda Schattanik und Roman Szczesny (Hedda Roman), soll 2027 folgen.
Politisch beschlossen, denkmalrechtlich genehmigt
Auf Nachfrage teilte die Stadt mit, dass der Kulturausschuss die Realisierung in seiner Sitzung am 23. April 2026 auf Empfehlung der Kunstkommission mehrheitlich beschlossen hatte (KUA/045/2026). Die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erteilte das Bauaufsichtsamt, Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege, nach § 9 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen. „Sediment“ ist ausdrücklich eine temporäre Arbeit.


