Rheinbahn und Polizei kontrollieren Tausende Fahrgäste – Streit um DB-Fahrkarten

612 Beanstandungen bei mehr als 5.000 Kontrollen © Lokalbüro
Deutlich sichtbare Präsenz, zahlreiche Kontrollen und mehrere Festnahmen: Die Rheinbahn und die Polizei Düsseldorf haben am Freitag, 23. Oktober, an der U‑Bahn-Haltestelle Steinstraße/Königsallee gemeinsam den zweiten „Aktionstag Sicherheit“ in diesem Jahr durchgeführt. Ziel war es, die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr zu verbessern und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken. Neben der offiziellen Einsatzbilanz werfen auch mehrere Schilderungen von Fahrgästen Fragen auf: Sie sollen trotz Fahrkarten der Deutschen Bahn ein erhöhtes Beförderungsentgelt zahlen müssen.
612 Beanstandungen bei mehr als 5.000 Kontrollen
Von 20.30 Uhr bis 4 Uhr kontrollierten 41 Fahrausweisprüfer insgesamt 5.166 Fahrgäste. Dabei stellten sie 612 Beanstandungen fest. Das entspricht einer Quote von 11,8 Prozent. Unterstützt wurden die Kontrollen von 28 Einsatzkräften der Polizei Düsseldorf aus der Einheit PRIOS sowie zehn Sicherheits- und Servicekräften im Auftrag der Rheinbahn.
Die Polizei leitete im selben Zeitraum 22 Strafanzeigen ein, unter anderem wegen Beleidigung und Widerstands. Zudem überprüften die Einsatzkräfte 231 Personen. In vier Fällen ergab sich der Verdacht einer Ordnungswidrigkeit. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen, drei weitere festgenommen. Zwei der Festnahmen erfolgten aufgrund offener Haftbefehle. Darüber hinaus erhielten 15 Personen einen Platzverweis. Zwei Jugendschutzmeldungen wurden an das Jugendamt Düsseldorf übergeben.
Rheinbahn setzt auf langfristige Sicherheitsstrategie
Der Aktionstag ist Bestandteil der Sicherheitsstrategie 2030 der Rheinbahn. Sie setzt auf Prävention, sichtbare Präsenz, moderne Technologie, klare Prozesse und eine gelebte Sicherheitskultur.
„Sicherheit muss für unsere Fahrgäste und Mitarbeitenden jeden Tag spürbar sein“, sagte Christian Finke, Vorstand Betrieb und Infrastruktur der Rheinbahn. Entscheidend sei, vor Ort zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und konsequent Präsenz zu zeigen. Im öffentlichen Nahverkehr gälten klare Regeln, und man schaue nicht weg, wenn diese missachtet würden. Ziel sei ein Nahverkehr, in dem sich die Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher fühlen könnten.
Tim Neubert, Programmleiter Sicherheitsstrategie, ergänzte, der ÖPNV müsse nicht nur objektiv sicher sein, sondern sich für die Menschen auch sicher anfühlen. Der Prozess sei bewusst langfristig angelegt, denn Sicherheit sei kein Zustand, sondern eine kontinuierliche Aufgabe, bei der man stetig dazulernen und sich weiterentwickeln müsse.
Bodycams sollen Konflikte entschärfen
Auch Bodycams sind Bestandteil der Sicherheitsstrategie. Alle eigenen Fahrausweisprüfer der Rheinbahn sind bereits mit den Kameras ausgestattet. Die Mitarbeitenden der beauftragten Firmen sollen voraussichtlich ab Anfang 2027 folgen.
Michael Strotmann, Abteilungsleiter Fahrausweisprüfung, hob die enge Zusammenarbeit mit der Polizei und die sichtbare Präsenz vor Ort hervor. Die Erfahrungen mit den Bodycams seien positiv. Die Geräte lassen sich per Knopfdruck einschalten. Bereits der sogenannte Spiegel-Modus, bei dem sich die kontrollierte Person selbst auf dem Display sieht, könne deeskalierend wirken.
Im Testbetrieb gingen Konfrontationen und Übergriffe auf das Prüfpersonal nach Angaben der Rheinbahn um 27 Prozent zurück. Auch das Feedback der Prüfteams sei insgesamt sehr positiv.
Streit um DB-Fahrkarten bei den Kontrollen
Neben der offiziellen Einsatzbilanz ergaben sich bei Gesprächen mit Fahrgästen weitere Fragen. Nach Schilderungen, die der Redaktion vorliegen, sollen neben einem älteren Ehepaar auch zwei bis drei weitere Fahrgäste betroffen gewesen sein, die nach eigenen Angaben mit Fahrkarten der Deutschen Bahn unterwegs waren und dennoch ein erhöhtes Beförderungsentgelt zahlen sollten. Während die weiteren Fälle bislang nicht anhand von Fahrkarten überprüft werden konnten, liegt der Redaktion das Ticket des Ehepaars vor.
Die beiden Reisenden waren mit einem Flexpreis-Ticket für zwei Personen von Berlin nach Krefeld unterwegs. Weil der geplante Anschlusszug von Düsseldorf nach Krefeld wegen der Wetterlage ausfiel, verwies die Deutsche Bahn sie nach ihrer Schilderung auf die U 76 in Richtung Krefeld.
Die Fahrkarte weist die Verbindung Berlin–Düsseldorf–Krefeld aus. Ein Stempel des Reisezentrums Düsseldorf Hauptbahnhof vom 23. Oktober dokumentiert die Aufhebung der Zugbindung. Handschriftlich wurde ergänzt, dass Züge in Richtung Krefeld, Kleve und Goch fehlten. Der Aufdruck zum City-Ticket nennt für die Hinfahrt das Stadtgebiet Krefeld als Ziel.
Die Rheinbahn verwies vor Ort darauf, dass Fahrkarten der Deutschen Bahn in ihren Bahnen nicht anerkannt werden. Ob die konkrete Fahrkarte unter den gegebenen Umständen zur Fahrt mit der Rheinbahn berechtigte, lässt sich anhand des Dokuments allein nicht abschließend beurteilen.
Der Fall wirft jedoch Fragen zur Abstimmung zwischen den Verkehrsunternehmen auf, wenn Zugausfälle eine alternative Weiterreise erforderlich machen. Eine abschließende Bewertung setzt voraus, dass die konkreten Umstände und die geltenden Beförderungsbedingungen geklärt werden.
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