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Mona Neubaur mit Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet

Mona Neubaur (Mitte) mit der Josef-Neuberger-Medaille, umrahmt vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Mitgliedern der Toten Hosen.

Mona Neu­baur (Mitte) mit der Josef-Neu­ber­ger-Medaille, umrahmt vom Vor­stand der Jüdi­schen Gemeinde Düs­sel­dorf und Mit­glie­dern der Toten Hosen.

Jüdi­sche Gemeinde Düs­sel­dorf wür­digt Ein­satz der NRW-Minis­te­rin für jüdi­sches Leben und gegen Anti­se­mi­tis­mus – Michel Fried­man hält ein­dring­li­che Laudatio

Die stell­ver­tre­tende Minis­ter­prä­si­den­tin von Nord­rhein-West­fa­len, Mona Neu­baur, ist am Don­ners­tag­abend (29. Okto­ber) in der Düs­sel­dor­fer Syn­agoge mit der Josef-Neu­ber­ger-Medaille 2026 aus­ge­zeich­net wor­den. Die Jüdi­sche Gemeinde Düs­sel­dorf wür­digte damit ihren lang­jäh­ri­gen Ein­satz für jüdi­sches Leben und ihr kla­res Enga­ge­ment gegen Anti­se­mi­tis­mus. An der fei­er­li­chen Ver­lei­hung nah­men zahl­rei­che Gäste aus Poli­tik, Gesell­schaft und Kul­tur teil.

Mit der seit 1991 ver­ge­be­nen Aus­zeich­nung ehrt die Jüdi­sche Gemeinde Per­sön­lich­kei­ten und Insti­tu­tio­nen der nicht­jü­di­schen Öffent­lich­keit, die sich in beson­de­rer Weise um die jüdi­sche Gemein­schaft ver­dient gemacht haben. Die Medaille erin­nert an Prof. Dr. Dr. Josef Neu­ber­ger, der unter ande­rem Jus­tiz­mi­nis­ter des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len war.

Der Vor­sit­zende der Jüdi­schen Gemeinde, Dr. Oded Horo­witz, begrün­dete die Ent­schei­dung mit dem beson­de­ren Enga­ge­ment Neu­baurs, ins­be­son­dere seit dem Ter­ror­an­griff der Hamas auf Israel am 7. Okto­ber 2023. Sie habe in schwie­ri­gen Zei­ten Prä­senz gezeigt, den Kon­takt zur jüdi­schen Gemein­schaft gesucht und ihre Soli­da­ri­tät nicht nur mit Wor­ten, son­dern auch durch kon­krete Taten unter Beweis gestellt. Neu­baur habe damit vie­len Gemein­de­mit­glie­dern das Gefühl ver­mit­telt, mit ihren Sor­gen und Ängs­ten nicht allein zu sein.

Die Lau­da­tio hielt der Publi­zist, Jurist und Phi­lo­soph Prof. Dr. Michel Fried­man. Seine Rede nutzte er für einen ein­dring­li­chen Appell zum Schutz jüdi­schen Lebens und zur Ver­tei­di­gung der Demo­kra­tie. Die Bedro­hung jüdi­schen Lebens in Deutsch­land habe ein erschre­cken­des Aus­maß erreicht. Jüdi­sche Men­schen müss­ten inzwi­schen befürch­ten, ihre Iden­ti­tät und ihren Glau­ben öffent­lich zu zei­gen. Das Ver­spre­chen, dass jüdi­sches Leben in Deutsch­land sicher sein müsse, werde nicht eingelöst.

Fried­man machte deut­lich, dass Anti­se­mi­tis­mus keine abs­trakte Gefahr sei, son­dern für viele Men­schen zum All­tag gehöre. Zugleich warnte er vor einer zuneh­men­den Gefähr­dung der Demo­kra­tie. Seine Auf­for­de­rung rich­tete sich ins­be­son­dere an die schwei­gende Mehr­heit: Wer anti­se­mi­ti­sche oder demo­kra­tie­feind­li­che Äuße­run­gen wahr­nehme, dürfe nicht weg­se­hen, son­dern müsse klar wider­spre­chen. Frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­würde müss­ten aktiv ver­tei­digt werden.

In ihrer Dan­kes­rede ver­ur­teilte Mona Neu­baur jede Form von Anti­se­mi­tis­mus. Dabei ver­wies sie auf die Zah­len der Mel­de­stelle RIAS, die im ver­gan­ge­nen Jahr in Nord­rhein-West­fa­len 1102 anti­se­mi­ti­sche Vor­fälle doku­men­tiert hatte – so viele wie noch nie. Im Durch­schnitt seien das drei Vor­fälle täg­lich gewe­sen, wobei nur die tat­säch­lich gemel­de­ten Fälle erfasst würden.

Neu­baur kri­ti­sierte zudem die häu­fige Gleich­set­zung von jüdi­schem Glau­ben, dem Staat Israel und der jewei­li­gen israe­li­schen Regie­rung. Diese Unter­schei­dung sei unver­zicht­bar. Anti­se­mi­tis­mus dürfe unab­hän­gig davon, aus wel­cher poli­ti­schen oder gesell­schaft­li­chen Rich­tung er komme, nie­mals rela­ti­viert wer­den. An der Sicher­heit jüdi­scher Men­schen lasse sich letzt­lich auch able­sen, wie es um die Frei­heit aller Men­schen in Deutsch­land bestellt sei.

Mit Blick auf die poli­ti­sche Ent­wick­lung in Deutsch­land for­derte Neu­baur eine klare Hal­tung gegen­über extre­mis­ti­schen Kräf­ten. Sie sprach sich dafür aus, dass Bund und Län­der gemein­sam prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­bots­ver­fah­ren gegen eine als rechts­extrem ein­ge­stufte Par­tei vor­lie­gen. Zugleich betonte sie, dass die poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der extre­men Rech­ten unab­hän­gig davon geführt wer­den müsse.

Auch die Toten Hosen unter den Gäs­ten
Für eine beson­dere Düs­sel­dor­fer Note sorgte die Anwe­sen­heit der Toten Hosen. Die Musi­ker waren eben­falls zur Ver­lei­hung gekom­men und unter­stri­chen damit die Bedeu­tung des Abends über den offi­zi­el­len Rah­men hinaus.

Im Anschluss an die Ver­lei­hung lud der Vor­stand der Jüdi­schen Gemeinde zum tra­di­tio­nel­len Jah­res­emp­fang in den Leo-Baeck-Saal ein. Der Vor­sit­zende Horo­witz machte dabei deut­lich, dass die Gemeinde auf zuneh­men­den Hass nicht mit Rück­zug reagie­ren werde. Begeg­nung, Erin­ne­rung und kon­krete Soli­da­ri­tät seien die Ant­wor­ten. Jüdi­sches Leben in Düs­sel­dorf solle sicht­bar und selbst­ver­ständ­lich blei­ben. Die Gemeinde werde sich weder ein­schüch­tern noch ver­drän­gen lassen.

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