
Nicht jeder Zukunftsbaum braucht Jahrzehnte, um seine Wirkung zu entfalten. Manche legen schon in jungen Jahren ein beeindruckendes Tempo vor. Die Purpur-Erle gehört genau zu diesen Bäumen. Während andere Arten erst langsam eine schattenspendende Krone entwickeln, wächst sie erstaunlich schnell heran und verbessert das Stadtklima schon nach vergleichsweise kurzer Zeit. © Landeshauptstadt Düsseldorf/Gartenamt
Sechs Wochen, sechs Zukunftsbäume – so lautet der Titel der Sommerserie des Düsseldorfer Gartenamts, mit der die Stadt zeigt, welche Baumarten künftig das Stadtbild prägen sollen. In der fünften Folge steht ein Baum im Mittelpunkt, der sich vor allem durch eines auszeichnet: Tempo. Die Purpur-Erle wächst so schnell, dass sie schon nach wenigen Jahren spürbar zur Abkühlung in Straßen und Parks beiträgt.
Die Purpur-Erle, botanisch Alnus × spaethii, ist eine Kreuzung aus Japanischer und Kaukasischer Erle und wurde einst im Berliner Arboretum Späth ausgewählt. Auffällig ist schon ihr Austrieb: Im Frühjahr zeigen sich die jungen Blätter zunächst in kräftigem Purpurton, ehe sie sich sattgrün färben. Zusammen mit der locker aufgebauten, später breit ausladenden Krone ergibt das ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Ihr eigentliches Pfund ist aber das Wachstum. In der Jugendphase legt die Purpur-Erle jährlich rund 40 bis 80 Zentimeter zu und bildet dadurch schon nach kurzer Zeit eine geschlossene, schattenspendende Krone. Gerade in heißen Sommern ist das ein Vorteil, denn während viele andere Baumarten erst Jahrzehnte brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, kühlt die Purpur-Erle ihre Umgebung bereits in jungen Jahren. Ihre dichte Krone beschattet Asphalt, Gehwege und Fassaden und verhindert so ein starkes Aufheizen versiegelter Flächen, während sie über die Blätter zusätzlich Wasser verdunstet.
Auch sonst gilt die Purpur-Erle als robuster Zeitgenosse: Sie kommt mit Hitze, Wind und den typischen Belastungen im Stadtgebiet gut zurecht, gilt als pflegeleicht und stellt kaum Ansprüche an den Boden. Das macht sie sowohl für Straßenräume wie die Schadowstraße als auch für Parkanlagen interessant. Ihr Laub hält sich zudem ungewöhnlich lange am Baum – oft bis weit in den Herbst, mancherorts sogar bis in den Winter hinein.
Wie alle Erlenarten lebt auch die Purpur-Erle in Symbiose mit sogenannten Frankia-Bakterien. Diese Bodenbakterien siedeln sich in den Wurzeln an und bilden dort kleine Knöllchen, in denen sie Luftstickstoff in eine für die Pflanze nutzbare Form umwandeln. Im Gegenzug versorgt der Baum die Bakterien mit Zucker aus der Fotosynthese. Dank dieser Partnerschaft kommt die Purpur-Erle auch auf stickstoffarmen Böden zurecht und reichert diese langfristig an. Schon früh im Jahr blühen zudem ihre Kätzchen und liefern Pollen für früh fliegende Wildbienen und andere Insekten – zu einer Zeit, in der viele andere Gehölze noch nicht blühen.
Mit einer Wuchshöhe von meist bis zu 15 Metern und einer breit-pyramidalen Form eignet sich die Purpur-Erle auch für kleinere Straßenräume. Ihr Beispiel zeigt: Klimaresilienz kann viele Formen annehmen – neben Langlebigkeit oder Trockenheitsverträglichkeit zählt eben auch die Geschwindigkeit, mit der ein junger Baum erste Wirkung entfaltet.
In der sechsten und letzten Folge der Sommerserie stellt das Gartenamt die Blasenesche vor, die mit gelben Blüten im Sommer und leuchtender Herbstfärbung überzeugt.